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    Kosten für nachhaltige Filme nicht auf die Beschäftigten abwälzen

    Umweltfreundlichere Filme

    22. Oktober 2021 | Nachhaltigkeit ist angesichts des Klimawandels das Gebot der Stunde. Auch die Herstellung von Filmen muss da umweltfreundlicher werden. Filmproduktionen, die ab 1. Januar 2022 den Verbrauch fossiler Energie reduzieren und Ressourcen sparen, können dafür mit dem Label „green motion“ ausgezeichnet werden. ver.di fordert nun Zusatzbudgets für die nachhaltigeren Produktionen in der Film- und Fernsehbranche, damit die Mehrkosten nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden.

    Hinter den Kulissen: Filmproduktion an Steuerpult und Monitoren. Nachhaltigkeit bei der Film- und Fernseh-Produktion kann ab 1. Januar 2022 mit dem Label „Green Motion“ gekennzeichnet werden Foto: Woitas/dpa/picture alliance Hinter den Kulissen: Filmproduktion an Steuerpult und Monitoren


    Die Film- und Fernsehbranche, die typischerweise einen hohen Ressourcenverbrauch hat, will mit kurzfristigen selbstgesteckten Zielen auf eine deutliche Reduzierung des Verbrauchs fossiler Energie, Abfallmengen und Umstellung auf nachhaltige Alternativen bspw. beim Catering, Szenen-/Kostümbild hinwirken. Erste Maßnahmen sollen zum Beispiel der Bezug von Öko-Strom, die Umstellung auf LED-Scheinwerfer, mehr Bahnfahrten, umweltfreundlichere Fahrzeuge, vegetarisches Essen sowie Verzicht auf Dieselgeneratoren, Kurzstreckenflüge und Einweggeschirr sein.

    „Wer den gesamten Streaming-, Film- und Fernsehbereich nachhaltig umsteuern will, muss auch deutlich seine Bereitschaft erklären, die Maßnahmen zur Schonung unserer Ressourcen durch Zusatzbudgets zu finanzieren.“

    Christoph Schmitz, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    Die Erklärung der Film- und Fernsehbranche in Deutschland künftig einheitliche ökologische Mindeststandards für nachhaltige Produktionen durchzusetzen und mit dem Label „green motion“ zu versehen, hat ver.di begrüßt. „Das ist ein starkes Signal der Branche“, erklärte das für Medien zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz.

    Gleichzeitig warnte der Gewerkschafter vor einer Abwälzung der Mehrkosten auf die 30.000 Beschäftigten der Branche. „Wer den gesamten Streaming-, Film- und Fernsehbereich nachhaltig umsteuern will, muss auch deutlich seine Bereitschaft erklären, die Maßnahmen zur Schonung unserer Ressourcen durch Zusatzbudgets zu finanzieren“, sagte Schmitz. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre stünden immer weniger Drehtage und vielfach nur gedeckelte Budgets für aufwändigere Filmprojekte zur Verfügung. Das gebe Anlass zu der Sorge, dass wieder einmal die Beschäftigten der Branche die verbindliche Selbstverpflichtung der Unternehmen zur Einhaltung von ökologischen Mindeststandards durch finanzielle Einbußen finanzieren sollen.

    ver.di als mitgliederstärkste Gewerkschaft im Medienbereich erwartet deshalb klare Zusagen von Rundfunkanstalten, Privatsendern, Streaminganbietern und Filmförderungen, die Zusatzkosten nicht auf die Beschäftigten abzuwälzen. „Die Produktionen werden dadurch sicher teurer, aber das wird unsere Gesellschaft verkraften“, erklärte Schmitz.

    Erfreulich sei an der Initiative, dass sich nun in der Breite neue Geschäftsmodelle mit nachhaltigeren Angeboten von Dienstleistungen, Energieversorgung und neuen Produkten ergeben. Damit setze die Branche Transformationsimpulse, die ver.di-Mitglieder sehr begrüßen, so der Ausblick von Christoph Schmitz.