Tarifnews

    Protestpostkarten gehen auf den Weg

    ver.di-Initiative (un)befristet bei der Deutschen Post AG

    26.04.2022 | Die ver.di-Initiative „(un)befristet“ bei der Deutschen Post AG ist ihrem Ziel, den Missbrauch von Befristungen mit und ohne Sachgrund einzuschränken, ein gutes Stück nähergekommen – das zeigen die mehr als 13.000 Entfristungen im Unternehmen im vergangenen Jahr. Gleichwohl fordert ver.di deutlich mehr Entfristungen, unbefristete Neueinstellungen von Nachwuchskräften sowie unbefristete Wochenarbeitszeiterhöhungen.

    Von rund 140.000 Beschäftigten bei der Deutschen Post AG haben noch immer rund 25.000 Beschäftigte einen Arbeitsvertrag mit Ablaufdatum ver.di Postkartenaktion gegen Befristungen bei der Post


    Von rund 140.000 Beschäftigten bei der Deutschen Post AG haben noch immer rund 25.000 Beschäftigte einen Arbeitsvertrag mit Ablaufdatum, die Befristungsquote liegt bei 17 Prozent. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben deshalb Tausende Beschäftigte Protestpostkarten an den Vorstand der Deutschen Post AG geschrieben – und die gehen, gebündelt in 50 Päckchen, am Donnerstag von Berlin nach Bonn auf die Reise. 

    „Der Gesetzgeber ist gefordert, dem Missbrauch endlich einen Riegel vorzuschieben.“

    Andrea Kocsis, stellv. ver.di-Vorsitzende

    Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-Vorsitzende: „Die Beschäftigten protestieren gegen eine Unternehmenspolitik, die nur möglich ist, weil das Teilzeit- und Befristungsgesetz diese zulässt. Der Gesetzgeber ist gefordert, dem Missbrauch endlich einen Riegel vorzuschieben. Die sachgrundlose Befristung muss abgeschafft und Kettenbefristungen müssen überwunden werden.“

    Deutschlandweit haben quer durch alle Branchen und besonders im Wissenschaftsbereich über drei Millionen Beschäftigte nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Vor allem junge Menschen sind zunehmend betroffen. Über die Hälfte der Beschäftigten unter 30 Jahren landen heute nur noch in befristeten Jobs. Mit großen Nachteilen für sie, denn sie können sich keine verlässliche berufliche Perspektive aufbauen, haben es schwerer, eine Wohnung zu finden, gar eine Familie zu gründen oder – wenn sie bereits eine Familie haben – auch nur einen Urlaub mit den Kindern zu planen. Befristet Beschäftigte haben zudem oft auch Angst, sich im Betrieb oder ihrer Dienststelle für ihre Interessen einzusetzen, da sie fürchten müssen, dass ihr Vertrag sonst nicht verlängert wird. Einen wirklichen Grund gibt es für die vielen Befristungen nicht. Mehr als die Hälfte der Befristungen ist sachgrundlos. Und je größer der Betrieb, desto höher der Anteil an Befristungen.

    Für ein Unternehmen wie die Deutsche Post AG sind die vielen Befristungen beschämend. Deshalb gehen noch diese Woche die Postkarten der ver.di-Aktion auf den Weg.