Tarifnews

    Mehr Geld statt warmer Worte

    Tarifverhandlungen für den Sozial- und Erziehungsdienst in der fünften Runde gescheitert

    21. April 2015 | Die Menschen im Sozial- und Erziehungsdienst leisten für die Gesellschaft eine enorm wichtige Arbeit. Aber im Gehalt spiegelt sich das nicht wider. ver.di will ihre Arbeit aufwerten. Doch auch in der fünften Verhandlungsrunde mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) zur Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe, die gestern und heute (20./21. April 2015) in Offenbach stattfand, gab es kein Ergebnis.

    „Die Arbeitgeber wollen den Konflikt auf dem Rücken von Eltern und deren Kindern in den Kitas aussitzen.“

    Frank Bsirske, ver.di-Vorsitzender

    „Die Arbeitgeber leugnen jeden generellen Handlungsbedarf zur überfälligen Aufwertung der Tätigkeiten im Sozial- und Erziehungsdienst. Es gibt immer noch kein verhandlungsfähiges Angebot. Jetzt wird die Bundestarifkommission über das Scheitern der Verhandlungen und die Einleitung der Urabstimmung in der kommenden Woche entscheiden“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske am Dienstag. Die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber zeigte sich auch in dieser Verhandlungsrunde, in der die VKA insbesondere für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen jegliche Aufwertungsnotwendigkeit kategorisch verneint hatte.

    Sozial- und Erziehungsdienst ver.di Sozial- und Erziehungsdienst aufwerten

    „Die Arbeitgeber wollen den Konflikt auf dem Rücken von Eltern und deren Kindern in den Kitas aussitzen“, so Bsirske. „Es reicht nicht aus, wenn Oberbürgermeister, Landräte und Bürgermeister den gesellschaftlichen Wert der Sozial- und Erziehungsberufe in Reden und Erklärungen betonen, aber die überfällige Aufwertung dieser wichtigen Tätigkeiten verweigern. Mit dieser Verweigerungshaltung provozieren sie die Eskalation der Auseinandersetzung und sind verantwortlich dafür, wenn es zu unbefristeten Streiks kommt. Angesichts der gestiegenen pädagogischen Anforderungen im Sozial- und Erziehungsdienst erwarten die Kolleginnen und Kollegen eine angemessene Bewertung ihrer Arbeit – und sie sind auch entschlossen, dafür den nötigen Druck zu entfalten.“ Allein am Montag hatten sich fast 24.000 Beschäftigte an Warnstreiks und Kundgebungen unter anderem in Offenbach, Stuttgart und Mainz beteiligt.

    ver.di fordert eine Neuregelung der Eingruppierungsvorschriften und Tätigkeitsmerkmale, die für die rund 240.000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst zu Einkommensverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent führen würden. Zum kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst gehören unter anderem Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagogen, Fachkräfte für Arbeits- und Berufsförderung, Kinderpflegerinnen sowie Heilpädagogen. Indirekt profitieren von einem Tarifergebnis mit den kommunalen Arbeitgebern auch die mehr als 500.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst bei freien und kirchlichen Trägern.

    Film von ver.di TV

    12.000 Menschen, Beschäftigte aus den Sozial- und Erziehungsdiensten, Eltern von Kita-Kindern und andere Unterstützer/innen, sind in Stuttgart zusammengekommen, weil sie sonntags nicht mehr hören wollen, wie wichtig die Arbeit ist, die hundertausende Menschen im sozialen Bereich leisten. Weil es montags dann immer heißt: Viel zu teuer! Das kann nicht sein. Sie wollen mehr Anerkennung – und mehr Geld...