Tarifnews

    Satte Einkünfte nur auf Seiten der PIN AG

    Streikende bei der PIN MAIL AG fordern 11,5 Prozent mehr

    6. September 2013 | Auch in der dritten Verhandlungsrunde hat die PIN MAIL AG kein Angebot für eine Gehaltserhöhung für die 700 Zusteller in Berlin vorgelegt. Nachdem bereits Ende August die ersten Depots von ver.di bestreikt wurden, finden heute weitere ganztägige Streiks statt. ver.di fordert einen Mantel- und Entgelttarifvertrag, der deutlich mehr Geld in die Portemonnaies der Zusteller bringen soll: Plus 11,5 Prozent!

    „Das, was wir fordern, stellt nicht mal das Lohnniveau wieder her, das die Kolleginnen und Kollegen vor 14 Jahren hatten.“

    ver.di-Verhandlungsführer Roland Tremper

    Auf den ersten Blick klingt die ver.di-Forderung nach 11,5 Prozent mehr Gehalt viel. Doch die PIN-Beschäftigten verdienen bei einer 40-Stunden-Arbeitswoche lediglich zwischen 1.380 und 1.490 Euro brutto monatlich. Seit 14 Jahren haben sie keine Gehaltserhöhung erhalten, gleichzeitig stiegen die Lebenshaltungskosten in Berlin in diesem Zeitraum um mehr als 20 Prozent. „Das, was wir fordern, stellt nicht mal das Lohnniveau wieder her, das die Kolleginnen und Kollegen vor 14 Jahren hatten“, betont ver.di-Verhandlungsführer Roland Tremper.

    Die PIN MAIL AG stellt unter anderem für das Land Berlin die komplette Behördenpost zu. Gleichzeitig müssen etliche PIN-Beschäftigte noch ergänzende Sozialleistungen beziehen, um über die Runden zu kommen oder Nebenjobs ausüben. Zumindest für die PIN MAIL AG ist das ein lohnendes Geschäft, das Unternehmen erzielt satte Gewinne. Eigentümer sind die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und die TNT Post Deutschland.

    Zusätzlich zum Grundgehalt zahlt die PIN MAIL AG Prämien, die eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers sind und jederzeit gestrichen werden können: Nach zwei Jahren erhalten die Beschäftigten eine Prämie für Betriebszugehörigkeit in Höhe von 25 Euro brutto, nach vier Jahren 40 Euro und nach sechs Jahren 60 Euro. Zudem wird eine sogenannte Anwesenheitsprämie in Höhe von 50 Euro brutto gezahlt. In den ersten zwei Jahren erhalten die Beschäftigten 100 Euro Anwesenheitsprämie, in diesem Zeitraum ist das Grundgehalt 50 Euro niedriger. Udo Raabe arbeitet seit elf Jahren für die PIN MAIL AG als Zusteller: „Wenn ich fünf Tage im Monat krank bin, werden die 50 Euro Anwesenheitsprämie nicht gezahlt.“ Die Prämie wird nur bei einem Arbeitsunfall oder einer Operation nicht gestrichen.

    Wann die Tarifparteien wieder zusammenkommen, steht noch nicht fest: Die Arbeitgeberseite will erst im Oktober wieder verhandeln, mehrere Vorschläge von ver.di für den September wurden abgelehnt.

    Text: Silke Leuckfeld

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