Tarifnews

    Deutsche Bank Direkt: Die Streiks haben sich gelohnt

    Verhandlungsergebnis bei DB Direkt

    23. April 2021 | Nach zehnmonatigen Tarifverhandlungen und wochenlangen Streiks konnte in der Tarifauseinandersetzung zwischen der Deutsche Bank Direkt (DB Direkt) und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) am Donnerstag ein Verhandlungsergebnis erzielt werden. Dieses beinhaltet 3,5 Prozent mehr Gehalt und den stufenweisen Aufbau eines bislang fehlenden 13. Gehalts, ohne – wie es ursprünglich von der Arbeitgeberseite gefordert war – eine „Kompensation“ für diese Zusatzleistung durch eine Eigenbeteiligung der Beschäftigten.

    ver.di-Fahne in der Hand: Die Beschäftigten bei der DB Direkt streiken im Homeoffice und zeigen bei Aktionen Gesicht Foto: Christian Ditsch Der Streik fand überwiegend im Homeoffice statt. Bei Streikaktionen zeigten die Beschäftigten Gesicht, wie diese Mitarbeiterin


    Zum Verhandlungsergebnis sagte der ver.di-Verhandlungsführer Roman Eberle: „Nach einem der längsten Arbeitskämpfe in der Finanzdienstbranche wurde ein Tarifkompromiss erreicht, der den Beschäftigten der DB Direkt jetzt endlich eine tarifliche Sonderzahlung bringt, die andere Beschäftigte im Deutsche-Bank-Konzern bereits haben. Das war überfällig. Schon deshalb hat sich der wochenlange Streik gelohnt.“ Der Aufbau des 13. Gehalts erfolgt für die Tarifangestellten und Azubis rückwirkend wie folgt:

    • 2020: 25 Prozent einer Monatsvergütung
    • 2021: 35 Prozent einer Monatsvergütung
    • 2022: 50 Prozent einer Monatsvergütung
    • 2023: 60 Prozent einer Monatsvergütung
    • 2024: 80 Prozent einer Monatsvergütung
    • 2025: 100 Prozent einer Monatsvergütung

    In einem ersten Schritt erhalten die 640 Beschäftigten im kommenden Monat die erste Stufe des 13. Gehalts (also zusätzlich zum Monatsgehalt 25 Prozent des Monatsbruttogehalts) sowie eine Einmalzahlung von 200 Euro (Azubis 70 Euro). Am 1. November dieses Jahres erfolgt dann die Auszahlung der zweiten Stufe des 13. Gehalts (also zusätzlich noch einmal 35 Prozent des Monatsbruttogehalts). Ab dem 1. Juni 2021 gibt es eine Tariferhöhung für die Gehälter und Azubivergütungen um 2,0 Prozent und ab 1. Oktober 2022 um weitere 1,5 Prozent sowie die stufenweise Auszahlung des 13. Monatsgehalts.

    „Für Beschäftigte der untersten Gehaltsgruppe mit knapp 2.100 Euro brutto bedeutet das erzielte Ergebnis – 13. Gehalt, Einmalzahlung und Tariferhöhung – zusätzliches Geld für dieses Jahr in Höhe von fast 1.500 Euro. Das kann sich sehen lassen, auch wenn wir uns bei einem so potenten Konzern wie der Deutschen Bank, für die die DB Direkt die Callcenter betreibt, mehr gewünscht hätten“, so Eberle.

    Die Laufzeit des Tarifvertrags geht bis zum 31.Oktober 2023. Das Verhandlungsergebnis geht nun in die Urabstimmung der ver.di-Mitglieder bei DB Direkt. Die ver.di-Tarifkommission empfiehlt die Annahme des Ergebnisses.

    Mehr bei ver.di erfahren: Tarifbewegung Banken

    Rückblick:

    Nach vier ergebnislosen Verhandlungsrunden in 2020 gingen die Beschäftigten der DB Direkt nach einer Urabstimmung Ende Januar 2021 in den unbefristeten Streik. Aufgrund der Pandemie mussten sie im Homeoffice streiken. Als die Deutsche Bank ankündigte, Milliarden-Boni an die Investmentbanker zu zahlen und den Beschäftigten zeitgleich ein 13. Monatsgehalt  verweigerte, zeigten die Streikenden auch bei Aktionen Gesicht – in Berlin und in Essen. Damit machten sie deutlich, dass hinter den freundlichen Stimmen der ausgegliederten Callcenter-Beschäftigten der Deutsche Bank keine Roboter und Bots stecken, sondern echte Menschen, die es verdient haben, fair bezahlt zu werden. Jetzt entscheiden die ver.di-Mitglieder bei der DB Direkt in einer Urabstimmung über die Annahme des Verhandlungsergebnisses.

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