Tarifnews

    Streikkundgebung Alpenland: Wo ist unser Tarifvertrag?!

    Alpenland-Pflegeheime im Osten Berlins

    Streikkundgebung Alpenland: Wo ist unser Tarifvertrag?!

    Beschäftigte Alpenland demonstrieren auf dem Berliner Alexanderplatz Foto: Christian Jungeblodt Kundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz

    05.09.2011 | Sie sind laut, sie sind grell und sie agieren gemeinsam: Die Beschäftigten der Alpenland-Pflegeheime in Berlin-Marzahn. Weit zu hören waren sie am Samstag (3. September 2011) auf dem Alexanderplatz. Und im Chor:

    „Wo arbeiten wir? Bei der Alpenland-Pflegeheime Berlin GmbH.
    Was wollen wir? Einen Tarifvertrag!
    Wo gibt es den? In West-Berlin.
    Wo muss der hin? Nach Ost-Berlin!“

    Tosender Beifall, schrille Trillerpfeifen, eine grelle Trompete. Die rund hundert Streikenden wollen, dass ganz Berlin mitkriegt, was in der Altenpflege los ist: Die im Gesundheitswesen Beschäftigten bekommen nicht die Wertschätzung, die ihnen zusteht.

    Für die Beschäftigten der Alpenland-Pflegeheime Berlin GmbH im Berliner Osten gilt dies in besonderem Maße. Seit sechs Jahren kämpfen sie für einen Tarifvertrag, den die Kolleginnen und Kollegen im Westen der Stadt und in den Alpenland-Pflegeheimen in Baden-Württemberg lange haben. Nach 20 Jahren politischer Einheit fragen sie sich, wo die Einheit bei den Tariflöhnen bleibt. 200 bis 300 Euro weniger bekommen die Beschäftigten der Ostberliner Pflegeheime als ihre Kolleginnen und Kollegen im Westteil der Stadt.  Die Angebote, die der Arbeitgeber bisher vorgelegt hat, sind für sie nicht annehmbar.

    „Wir wollen keine 10-Stunden-Schichten und schon gar nicht das Arbeitszeitkonto."

    Steffi G., Altenpflegerin bei Alpenland

    Altenpflegerin Steffi G. ist Mitglied im Betriebsrat. Sie sagt: „Wir wollen keine 10-Stunden-Schichten und schon gar nicht das Arbeitszeitkonto. Dann könnte der Arbeitgeber uns flexibel in die Dienstpläne einsetzen, ohne dass wir sagen können, an welchen Tagen wir vielleicht mal nicht arbeiten wollen“, so Steffi G. weiter. „Wir möchten, dass unsere Arbeitsbedingungen so gut bleiben, wie sie sind. Die sind in einer Betriebsvereinbarung geregelt und so, wie es bisher läuft, ist alles super. Aber der Arbeitgeber möchte das gerne abschmelzen.“

    Alpenland-Beschäftigter auf dem Berliner Alexanderplatz Foto: Christian Jungeblodt Stefan H. mit seinem 17-Tage-Bart

    Die Streikenden sind entschieden: Wenn es sein muss, kommen sie wieder zum Alexanderplatz. Stefan H., Pfleger im Heim in der Weißenhöher Straße, hat sich etwas Besonderes einfallen lassen, um die Streikausdauer der Belegschaft zu veranschaulichen. Seit Beginn des Streiks am 18. August lässt er sich nun schon einen Bart stehen. „Der kann auch noch länger werden“, sagt er. „So lange wie es muss, so lange bleibt er dran.“

    Die Beschäftigten wollen, dass möglichst schnell wieder verhandelt wird. Der Pflegerin Steffi G. kribbelt es in den Fingern: „Ich mache mir schon Gedanken, wie es unseren Bewohnern geht, aber ich halte Kontakt und bekomme die Rückmeldung, sie stehen hinter uns und sagen: Es ist gut, was Ihr da draußen macht, wir harren noch ein bisschen ohne Euch aus.“ Die Heimbewohner/innen werden in der Zwischenzeit von Leiharbeiter/innen und freiberuflichen Pflegekräften betreut, obwohl ver.di der Geschäftsführung eine Notdienstverordnung angeboten hat.

    Meike Jäger, ver.di-Verhandlungsführerin, betont abschließend: „Wir erwarten vom Arbeitgeber Entgegenkommen und einen konkreten Verhandlungstermin. Wenn es sein muss, kommen wir wieder hierher.“

    Die Forderungen der Alpenland-Beschäftigten

    Text: Geraldine van Gogswaardt
    Fotos: Christian Jungeblodt