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    BigBrotherAwards für Datenkraken erneut verliehen

    Negativpreise für Totalkontrolle und Datensammelwut

    29.04.2022 | Die BigBrotherAwards decken alljährlich den Missbrauch von Daten auf. Und verhindern damit immer wieder auch weiteren Datenmissbrauch. Sie machten zum Beispiel Rabattkarten, Scoring, Mautkameras, Farbkopierer und Handyüberwachung als Gefahr für Grundrechte und Privatsphäre bekannt. Sie warnten schon früh vor der Gesundheitskarte, der Steuer-ID und der Vorratsdatenspeicherung. Heute hat erneut eine Jury aus prominenten Bürgerrechtler:innen die Negativpreise für die größten Datenkraken im vergangenen Jahr an die Verantwortlichen aus Wirtschaft, Behörden und Politik vergeben. 

    Negativpreise für Datenkraken Illustration Krake: Heiko Sakurai Die BigBrotherAwards wurden erneut an die größten Datenkraken vergeben  –


    In der Kategorie „Arbeitsrecht“ ging der Negativpreis in diesem Jahr an Lieferando und den deutschen Betreiber dieses Angebots, die yd.yourdelivery GmbH. Lieferando hat den Award für die unzulässige Totalkontrolle ihrer beschäftigten „Rider“ bekommen. Mit Hilfe seiner Scoober-App erfasst der Lieferdienst detailliert und sekundengenau eine Fülle von Verhaltensdaten der Fahrerinnen und Fahrer. Hierzu gehört neben dem Zeitpunkt der Abholung im Restaurant und der Übergabe an Kunden auch alle 15 bis 20 Sekunden eine Standortbestimmung, begründete die Jury, bestehend aus Digitalcourage, Chaos Computer Club, Frankfurt University of Applied Sciences und Deutscher Vereinigung für Datenschutz, Netzwerk Datenschutzinitiative.

    Weitere BigBrotherAwards

    In der Kategorie „Verbraucherschutz“ hat das schwedische Unternehmen Klarna Bank AB den Negativpreis bekommen. Die Jury begründete: Klarna bündele intransparent Daten und Macht als Shopping-Service, Zahlungsdienstleister, Preisvergleichsportal, persönlicher Finanzmanager, Bonitätskontrolleur und Bank.

    In der Kategorie „Technik“ ging der Award an die Bundesdruckerei GmbH. Sie hat ihn für die Verwendung und Beförderung von Blockchain-Technik bekommen. Eine Technik, die nicht nur energiefressend sei, sondern auch Konsequenzen für den Datenschutz haben könne. Als Beispiel nannte die Jury das Projekt, die Authentizität von Schulzeugnissen mit Hilfe von Blockchain zu belegen.

    In der Kategorie „Lebenswerk“ ging der Negativpreis an die irische Datenschutzbehörde (DPC – Data Protection Commissioner) für ihre „dauerhafte Sabotage von Bemühungen, europäisches Datenschutzrecht durchzusetzen“, so die Begründung der Jury. Unter der Obhut der Behörde habe sich Irland zur Oase für Geschäftsmodelle des Überwachungskapitalismus von Facebook, Google, Apple, Microsoft, Oracle und Salesforce entwickelt.

    In der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ hat die deutsche Polizei, vertreten durch das Bundeskriminalamt, den Negativpreis bekommen. Ausgezeichnet wurde mit dem Award die Art, wie sie personenbezogene Daten in Dateien abspeichert und nutzt. Entgegen verfassungs- und europarechtlichen Vorgaben würden die Daten in Dateien nicht oder unzureichend gekennzeichnet, begründete die Jury. Dadurch bestehe die Gefahr, dass Millionen Menschen von der Polizei oder anderen Behörden ungerechtfertigter Weise als Gefährder oder Straftäter behandelt werden.

    Mehr erfahren: bigbrotherawards.de