Tarifnews

    Mehr als die Hälfte ohne Arbeit

    Viele ehemalige Schlecker-Beschäftigte vor Hartz IV

    27. März 2013 | Es bleibt bitter für die ehemaligen Schlecker-Beschäftigten. Während viele von ihnen ab April vor Hartz IV stehen, zahlt Anton Schlecker zehn Millionen in die Insolvenzkasse, um einen Gerichtsprozess zu verhindern.

    Nur 10.707 der ehemals 23.500 Schlecker-Beschäftigten haben eine neue Arbeit gefunden, so die aktuelle Erhebung der Bundesagentur für Arbeit vom März 2013. Was schon schlecht klingt, ist in Wirklichkeit noch schlimmer. Denn die offiziellen Zahlen sagen nichts darüber aus, ob die Frauen und Männer noch in Arbeit sind und welche Art der Beschäftigung überhaupt vermittelt wurde. Darüber gibt es keine transparenten Zahlen.

    „Die Auswertung verschleiert, dass bereits eine siebentägige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausreicht, um von der Statistik nicht mehr erfasst zu werden – selbst wenn die Menschen nach einer Woche die Arbeit wieder verloren haben“, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

    Bei vielen der deutlich mehr als 10.000 ehemaligen Schlecker-Beschäftigten, die in der ersten Kündigungswelle Ende März letzten Jahres ihre Arbeit verloren und noch keine neue Beschäftigung gefunden haben, läuft jetzt der Anspruch auf Arbeitslosengeld aus. Ab April müssen sie von Hartz IV leben. Ihnen fehle sogar das Geld, um den Kindern ein Ostergeschenk zu machen, so die Einschätzung von Christel Hoffmann, Schlecker-Gesamtbetriebsratsvorsitzende.

    Wie zynisch muss es dann erst für sie klingen, dass Anton Schlecker 10 Millionen aus dem Privatvermögen in die Insolvenzkasse zahlen kann? Noch letztes Jahr hatte seine Tochter, Meike Schlecker, behauptet, es sei nichts mehr da. Bei den Ex-Beschäftigten wird trotzdem nichts von dem Geld ankommen.