Tarifnews

    Ziel: Reallohnsteigerungen

    Warnstreiks in Tageszeitungen wurden ausgeweitet

    23. Mai 2018 |
    In der Tarifauseinandersetzung für die rund 13.000 Tageszeitungsjournalistinnen und -journalisten in Deutschland gingen die Streiks am Wochenanfang weiter: Bereits über das Pfingstwochenende legten erste Redaktionen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen die Arbeit nieder, am Dienstag wurden die Streiks dann erneut deutlich ausgeweitet. In Bielefeld, Unna und Kiel fanden Kundgebungen statt: „Die Kolleginnen und Kollegen kämpfen für eine Reallohnsteigerung. Sie wollen sich nicht länger von der allgemeinen Gehaltsentwicklung abhängen lassen“, sagte der Verhandlungsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, Matthias von Fintel. Die Journalistinnen und Journalisten erwarten von ihren Verlagshäusern Wertschätzung ihrer journalistischen Arbeit und vor allem attraktivere Bedingungen für die Jungen. In den bisherigen Verhandlungsrunden sei davon seitens der Verleger noch nichts zu spüren gewesen, so Fintel.

    „Es ist nicht vermittelbar, dass die Verleger, nach den Tarifergebnissen im öffentlichen Dienst und in anderen Bereichen der Privatwirtschaft, den Zeitungsjournalistinnen und -journalisten nicht mal die Inflation ausgleichende Gehaltssteigerungen anbieten …“

    Matthias von Fintel, Verhandlungsführer der dju in ver.di

    Die Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag waren am 26. April 2018 ohne Ergebnis und neuen Termin unterbrochen worden. Mit dem Bundesverband Deutscher Tageszeitungsverlage (BDZV) ist für den 4. Juni ein Termin für die sechste Verhandlungsrunde vereinbart: „Wir brauchen endlich ein vorzeigbares Ergebnis. Es ist nicht vermittelbar, dass die Verleger, nach den Tarifergebnissen im öffentlichen Dienst und in anderen Bereichen der Privatwirtschaft, den Zeitungsjournalistinnen und -journalisten nicht mal die Inflation ausgleichende Gehaltssteigerungen anbieten – Reallohnsteigerungen müssen her“, sagte Fintel. In den Redaktionen werde engagiert an der Zukunft der Medienhäuser gearbeitet, es werde für alle neuen Vertriebswege produziert – und zwar wegen des Arbeitsplatzabbaus der vergangenen Jahre und der verschlafenen Entwicklung neuer Angebote im Internet unter schwierigen Bedingungen und unter hohem Druck. Das müsse endlich angemessen honoriert werden, und vor allem sei es wichtig, den journalistischen Nachwuchs zu halten, machte von Fintel deutlich.

    Bereits in der fünften Verhandlungsrunde hatten junge Redakteurinnen und Redakteure aus dem gesamten Bundesgebiet den BDZV-Vertretern ein Manifest überreicht, in dem sie vor der Gefahr warnen, dass die gut ausgebildeten jungen Journalistinnen und Journalisten in Pressestellen und in die Werbung abwandern, wenn die Bedingungen in den Tageszeitungsredaktionen nicht stimmten: „Wir sind in den Journalismus gegangen, weil wir an ihn glauben und dafür arbeiten wollen, dass er eine Zukunft hat. Man könnte sagen, es ist Leidenschaft. Nur: Irgendwann reicht auch die größte Leidenschaft nicht mehr aus. Wenn wir keine Jobsicherheit haben, wenn wir keine Freiräume für eigene Ideen bekommen, wenn wir von Sparrunden bedroht sind und vor allem: Wenn unsere Arbeit nicht wertgeschätzt wird, auch in Form von Geld, dann gehen wir“, heißt es in dem Manifest.

    publikationen ver.di In den Redaktionen wird engagiert an der Zukunft der Medienhäuser gearbeitet, es wird für alle neuen Vertriebswege produziert; da fordern die Journalistinnen und Journalisten auch anständige Lohnerhöhungen