Mitbestimmung

    ver.di fordert konstruktiven Umgang mit den Interessen der Beschäftigten

    Wirecard-Beschäftigte haben Betriebsräte gewählt

    3. November 2020 | Manipulierte Bilanzen, Marktmanipulation, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, seit Mitte des Jahres macht Wirecard negative Schlagzeilen. Der Aktienkurs ging auf Talfahrt. Es folgten Insolvenz und eine erste Kündigungswelle, aber auch Kündigungsrücknahmen. Die Beschäftigten sind die Unsicherheiten satt und haben vom 26. bis 30. Oktober 2020 Betriebsräte gewählt, die ihre Interessen vertreten. Alle Betriebsräte sind nun handlungsfähig.

    Betroffen sind folgende Unternehmen der Wirecard-Gruppe: Wirecard AG, Wirecard Bank AG, Wirecard Technologies GmbH, Wirecard Acceptance Technologies GmbH, Wirecard Issuing Technologies GmbH, Wirecard Service Technologies GmbH, Wirecard Global Sales GmbH.

    Die Wahlen konnten trotz einiger Hindernisse während des Wahlprozesses weitgehend reibungslos durchgeführt werden, was insbesondere auf das Engagement der Wahlvorstände zurückzuführen ist, heißt es in einer Pressemitteilung von ver.di. „Unter diesen widrigen Bedingungen eine Wahl durchzuführen, ist sehr viel Arbeit und benötigt großes Durchhaltevermögen. Das verdient unseren vollen Respekt und Anerkennung“, so Kevin Voß, zuständig für den Bereich Fintechs und Digitalbanken bei der ver.di.

    Die gewählten Betriebsräte nehmen nun ihre Arbeit auf und werden ihre Informations- und Mitbestimmungsrechte in Anspruch nehmen. Ziel ist es, die Verhandlungen zu beeinflussen und einen Sozialplan sowie soziale Kriterien bei weiteren Entlassungen sicherzustellen. Es ist wahrscheinlich, dass weitere Unternehmen der Wirecard-Gruppe ganz oder in Teilen an neue Eigentümer übergehen.

    „Der Skandal um das Fehlverhalten des Managements bei Wirecard hat allen deutlich gemacht, dass Mitbestimmung nicht nur sinnvoll, sondern ausdrücklich notwendig ist.“

    Kevin Voß, zuständig bei ver.di für Fintechs und Digitalbanken

    Neben der aktuellen Herausforderung geht es auch darum, eine nachhaltige Mitbestimmungskultur im Unternehmen zu etablieren. Die Beschäftigten bei Wirecard wollen mitreden und das Unternehmen in die richtige Richtung steuern. Wirecard hatte Mitbestimmung in den vergangenen Jahren unterbunden, sodass es keine Betriebsräte und keine Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat gab. „Der Skandal um das Fehlverhalten des Managements bei Wirecard hat allen deutlich gemacht, dass Mitbestimmung nicht nur sinnvoll, sondern ausdrücklich notwendig ist. Schon allein deshalb gehen wir nun von einem konstruktiven Umgang mit den Interessen der Beschäftigten aus. Damit meinen wir ganz konkret den Umgang des Insolvenzverwalters und eines möglichen neuen Eigentümers mit den Betriebsräten und der Gewerkschaft ver.di“, so Voß weiter. Erste positive Zeichen seien in den vergangenen Wochen sichtbar geworden, als auch verantwortliche Führungskräfte den Wahlprozess aktiv unterstützt haben.

    Viel Arbeit, schlechte Arbeitsbedingungen bei Start-Ups Foto: DPA Bildfunk Auch Fintechs fahren mit Betriebsrat besser