Eigentum verpflichtet

    Jetzt um die SPITZE NADEL bewerben

    Die Zustände – sie sind untragbar

    Im April jährt sich die Katastrophe von Rana Plaza zum vierten Mal. Damals stürzte in Bangladesch ein Hochhaus ein, in dem vor allem Näherinnen Kleidung für die hiesigen Märkte zusammennähten: im Akkord, in Hitze und Staub, stundenlang, mit einem Lohn, der nicht zum Leben reicht – und, wie sich zeigte, unter Sicherheitsbedingungen, die über 1.000 Menschen das Leben kosteten und fast 2.500 Menschen verletzten. Manche so stark, dass sie nicht mehr arbeiten können und ganz ohne Lohn dastehen.

    Eine Versicherung oder gar eine Entschädigung gab es für diese Menschen nicht. Sie hatten auch schlicht keine rechtlichen Möglichkeiten, so etwas einzufordern. Aber eine Bewegung entstand. Viele Menschen forderten lautstark ein Ende dieser untragbaren Zustände – nicht nur Verbraucher/innen, sondern auch Unternehmen, Verbände und die Politik. Das hat etwas bewirkt. Doch es reicht noch nicht.

    Damit Mode fair produziert und gehandelt wird, bedarf es auch kreativer Ideen Foto: Endig/dpa-Bildfunk Damit Mode fair produziert und gehandelt wird, bedarf es auch kreativer Ideen

    Der Preis

    Der Aktionspreis SPITZE NADEL würdigt deshalb zum zweiten Mal das Engagement von Menschen, die Missstände in der Textil- und Schuhbranche auf innovative Weise anprangern und damit auch ihr Umfeld zum Nachdenken und Nachahmen anregen.

    Jüngstes Beispiel für anhaltende Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen sind die Entlassung von über 1.500 Arbeiter/innen von Bekleidungsfabriken und die Verhaftung von mehr als 30 Gewerkschafter/innen in Bangladesch, die für eine Anhebung des Mindestlohns gestreikt und öffentlich protestiert hatten. Die Kampagne für Saubere Kleidung und Gewerkschaften einschließlich ver.di mobilisierten internationalen Druck bis eine Einigung erzielt wurde. Ein Ergebnis: Die Inhaftierten wurden wieder freigelassen.

    „Diese Wendung belegt, dass Solidaritätsaktionen Veränderungen zum Besseren erreichen können. Alle entlassenen Beschäftigten müssen tatsächlich wieder eingestellt werden. Den Gewerkschafter/innen darf kein Prozess gemacht werden, und den Repressionen muss politisch ein Riegel vorgeschoben werden. Wir lassen nicht locker, bis sich die Bedingungen grundlegend verändert haben“, sagt Berndt Hinzmann von INKOTA.

    Wer handelt, muss haften

    So wächst seit Jahren der Druck auf die internationale Fashion-Industrie, Menschenrechte bei der Arbeit entlang der Lieferkette umzusetzen. „Die Modeunternehmen müssen strukturelle Veränderungen vorantreiben, damit ihre Produkte fair und menschenrechtskonform sind“, sagt Kerstin Haarmann, Geschäftsführerin von cum ratione. Menschenrechtliche Sorgfaltspflichten, und Haftungsregeln für Unternehmen müssten gesetzlich verankert werden, so Haarmann. Wenn die Regeln verletzt werden, müssten Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden können, etwa über Entschädigungszahlungen.

    Noch bis zum 30. April 2017 können sich um die SPITZE NADEL Gruppen, Initiativen und Vereine bewerben, die mit ihren Aktionen die öffentliche Aufmerksamkeit auf die dunkle Seite der Modeindustrie gelenkt haben. INKOTA und cum ratione wollen dazu ermutigen, dass das wichtige Thema weiter in der Öffentlichkeit präsent bleibt. Das fordert auch die Politik dazu auf, sich stärker für die Einhaltung der globalen Menschenrechte bei der Arbeit einzusetzen. Verliehen wird der bundesweit einmalige Preis während der „Ethical Fashion Show“ im Juli 2017 in Berlin.

    „Und jetzt retten wir die Welt“

    Jederzeit mitmachen beim Einsatz für fair produzierte und fair gehandelte Mode und andere Produkte lässt sich auf der Plattform „Und jetzt retten wir die Welt“. Sie ist eine von einer Hamburger Journalistin und einem Hamburger Journalisten ins Leben gerufene Aktionsplattform im Netz. Sie ist eine private, nicht-kommerzielle und geldfreie Initiative für alle. Eine Bewegung von und für Menschen, für Projekte, Organisationen, Einrichtungen und auch Unternehmen, die die Welt verbessern wollen. Frei nach dem Motto: Mach mit und sei dabei – werde Teil der Lösung!

    Weitere Infos

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