Eigentum verpflichtet

    Gewerkschafterin entführt

    Einfach verschwunden

    Lucky Akhtar hat am 16. Mai 2016 mit vielen anderen Menschen gegen die Entlassung von Textilarbeiter/innen der VUE Fashion LTD Fabrik in Dakha, der Hauptstadt von Bangladesch protestiert, in der Nacht darauf wurde sie, wie jetzt bekannt wurde, von mehreren Männern aus ihrem Haus abgeführt und in einem weißen Minibus abtransportiert. Von wem und wohin – niemand weiß es, bis heute nicht. Von der Gewerkschafterin aus dem Vorstand der Textilarbeiterinnen-Gewerkschaft GWTUC in Bangladesch fehlt bis jetzt jegliche Spur.

    In einem aktuellen Schreiben der deutschen Sektion der Weltfrauenkonferenz, der auch die ver.di-Frauen angehören, heißt es: „Dies ist ein Akt der extremen Unterdrückung des Rechts der Textilarbeiterinnen und Arbeiter sich gewerkschaftlich zu organisieren und für ihre Arbeitsplätze, Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Wir werden diese empörende Tat in Deutschland unter den Frauen und ihren Familien bekannt machen. Die Empörung und der Protest richtet sich an die Besitzer der VUE Fashion LTD Fabrik, die die Arbeiter entlassen und mit niedrigen Löhnen abspeisen wollte.“

    Wer sich in Bangladesch gewerkschaftlich organisiert, lebt gefährlich Foto: dpa Bildfunk Wer sich in Bangladesch gewerkschaftlich organisiert, lebt gefährlich

    Entführungen sind in Bangladesch keine Seltenheit, immer wieder trifft es auch Gewerkschafter/innen. In ihrem aktuellen Jahresbericht zu Bangladesch spricht Amnesty International von den „Opfern des Verschwindenlassens“. Vor allem auch Frauen sind immer wieder betroffen von Gewalt, und mangels Sicherheitsvorkehrungen an ihren Arbeitsplätzen sind Beschäftigte in Fabriken nach wie vor großen Gefahren ausgesetzt.

    Allein in 2015 sind nach Schätzungen von Amnesty über 80 Personen verschwunden. Von 20 Personen, die zwischen 2012 und 2014 dem Verschwindenlassen zum Opfer fielen und deren Fälle dokumentiert sind, wurden laut Amnesty neun tot aufgefunden. „Sechs Personen waren zu ihren Familien zurückgekehrt, nachdem sie mehrere Wochen oder sogar Monate in Gefangenschaft gehalten worden waren, ohne dass es bis zu ihrer Freilassung Informationen über ihren Verbleib gegeben hatte. Über das Schicksal der übrigen fünf Personen lagen keine Informationen vor“, heißt es in dem Amnesty-Report.

    Vor allem die Textilindustrie rückt dabei immer wieder in den Focus. Auch nach dem Einsturz des Rana Plaza-Komplexes am 24. April 2013 in Savar, einem Vorort von Dhaka, in dem sich fünf Textilfabriken mit rund 5.000 Beschäftigten befanden und von denen mindestens 1.129 Menschen ums Leben kamen, ist die Haltung der Branche insgesamt bislang gewerkschaftsfeindlich. In ihrer Stellungnahme zur Entführung ihres Mitglieds Lucky Akhtar schreibt die Vorsitzende der Textilarbeiterinnen-Gewerkschaft GWTUC, Joly Talukder, dass man sehr über das anhaltende Verschwinden von Mitgliedern oppositioneller Parteien und Gewerkschafter/innen beunruhigt ist.

    Die GWTUC protestiert entschieden gegen die Entführung Lucky Akthars, fordert ihre bedingungslose Freilassung und von der Regierung eine Rechtskommission, die die ungesetzlichen Entführungen und Übergriffe untersucht. Sollte Lucky Akhtar nicht unmittelbar freigelassen werden, befürchtet die Gewerkschaft, dass sie das jüngste Opfer des Verschwindenlassens sein wird.