Internationales

    Weltfrauen zu Gast bei ver.di

    Nicht eine weniger

    Nationale Frauenversammlung, Europakonferenz und Welttreffen der Weltfrauen – in Gelsenkirchen haben sich am ersten Novemberwochenende Frauen aus 26 Ländern der Welt zu einem kleinen Gipfel getroffen. Nach der im März diesen Jahres stattgefundenen 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen in Kathmandu/Nepal (verdi.de berichtete) war dies das erste Anschlusstreffen der international agierenden Frauen aus unterschiedlichsten sogenannten Graswurzelbewegungen. Den verschiedenen Berichten auf der nationalen Frauenversammlung folgten direkt Taten. Eine internationale Delegation besuchte die verdi-Kollegen der Wellpappefabrik der Palm-Gruppe, die sich gegen die Schließung ihres Standortes und den Verlust ihrer Arbeitsplätze wehren (Nachricht auf verdi.de). Gleichzeitig fand eine Solidaritätsdemonstration mit der in der Türkei verhafteten Führung der HDP (Demokratische Partei der Völker) statt.

    Für eine unabhängige Weltfriedensbewegung

    Sechs Beschlüsse für die weitere Arbeit wurden gefasst. In Zukunft wollen sich die Weltbasisfrauen neben dem Internationalen Frauentag am 8. März, dem Tag der Arbeit am 1. Mai und dem 25. November als Tag gegen Gewalt an Frauen auch am Internationalen Umwelttag, der dieses Jahr am 12. November stattfinden wird, beteiligen. Weiter soll angesichts der weltweit wachsenden Kriegsgefahr der Einsatz für eine unabhängige Weltfriedensbewegung verstärkt werden.

    Die Europakonferenz legte den Schwerpunkt auf die Lage der Frauen in Europa. Besonders in Griechenland und Spanien, aber auch in Polen und auf dem ganzen Balkan befinden sich Frauen im Widerstand. Griechische Frauen berichteten, wie katastrophal die Gesundheitsversorgung ist, dass es für viele Menschen keine Krankenwagen mehr gibt und die Kranken teils mit dem Traktor ins Krankenhaus gefahren werden. Dort bekommen sie dann oft keine Behandlung, weil sie es sich schlicht und ergreifend nicht leisten können.

    Bis hin zur Flüchtlingsfrage in Europa

    Das Treffen der Weltfrauen begann mit den Kontinentalberichten der Koordinatorinnen aus Asien, Afrika, Lateinamerika, dem mittleren Osten und Europa. Es wurden 12 Resolutionen verabschiedet, die ein breites Spektrum frauenpolitischer Fragen behandelten: von der Situation nepalesischer Haushaltshilfen, die in die arabischen Emirate geschickt und ausgebeutet werden, bis hin zur Flüchtlingsfrage in Europa. 

    Die Initiative für einen abschließenden festlichen Empfang in Gelsenkirchen hatten die ver.di-Frauen in Nordrhein-Westfalen ergriffen. Im Sinne von „Austausch – Vernetzen – Unterstützen“ hatten Diane Tigges-Brünger (Sekretärin für Frauen- und Gleichstellungspolitik NRW) und Edith Herzig (Vorsitzende des Landesfrauenrats) eingeladen. Und viele Frauen sind der Einladung nach zwei langen Tagen voll Berichten und Beratungen gefolgt. Der Raum in der Gelsenkirchener ver.di-Geschäftsstelle platzte aus allen Nähten. Es waren Frauen aus Nepal, Indien, Philippinen, Burkina Faso, Mali, Argentinien, Peru, Irak-Nordkurdistan, Bosnien-Herzegowina, Niederlande, Mazedonien und natürlich aus Deutschland gekommen. Frauen aus weiteren 13 Ländern mussten bereits nach den Beratungstreffen abreisen.

    Diejenigen Frauen, die noch bleiben konnten, hatten nicht nur kleine Gastgeschenke im Gepäck. Fünf Frauen aus Nepal, die als Vertreterinnen verschiedener Frauenorganisationen die Weltfrauenkonferenz in Kathmandu vorbereitet hatten, sangen ein Volkslied und die Parlamentsabgeordnete, Durga Paudel, tanzte dazu einen traditionellen Tanz! Die Frauen aus Afrika sangen ein humoristisches Lied über Männer mit der Aufforderung, sich anständig zu verhalten. Die Frauen hatten tagsüber darüber berichtet, wie schwer das Leben auf dem Kontinent ist und wie die Frauenbewegung erstarkt.

    19. Oktober 2016: In Buenos Aires protestieren tausende von Menschen gegen Gewalt gegen Frauen. Aufgerufen dazu hat die soziale Bewegung „Ni Una Menos“ (Nicht eine weniger), nachdem erneut ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet worden ist Foto: David Fernández/dpa 19. Oktober 2016: In Buenos Aires protestieren tausende von Menschen gegen Gewalt gegen Frauen. Aufgerufen dazu hat die soziale Bewegung „Ni Una Menos“ (Nicht eine weniger), nachdem erneut ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet worden ist

    Anschließend wurde der Raum ganz von Susana Nicolossis’ Stimme aus Argentinien erfüllt. Sie sang einen lateinamerikanischen Tango. Zusammen mit der Vertreterin aus Peru zählt Nicolossis zu den führenden Köpfen der Bewegung „Ni Una Menos“ („Nicht eine weniger“). Die Bewegung hatte in Argentinien zum landesweiten Streik von Frauen gegen Gewalt an Frauen aufgerufen. Auslöser war die Vergewaltigung und Ermordung der 16-jährigen Lucía Pérez in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 2016. In über 80 Städten legten Frauen ihre Arbeit nieder und gingen um 17 Uhr auf die Straße.

    Fatime aus Mazedonien sagte: „Ich bin sehr glücklich hier zu sein. Seit Jahren fühle ich mich allein. Seitdem ich hier bin, hat sich das geändert!“ Vertreterinnen der Pflege- und Reinigungskräfte aus den Niederlanden vernetzten sich mit den ver.di-Vertreterinnen.

    Ein ernstes Thema – auch über 20 Jahre nach dem Krieg in Bosnien-Herzegowina leiden die Frauen an den Folgen ihrer Verletzungen Foto: Nina Dusper Ein ernstes Thema – auch über 20 Jahre nach dem Krieg in Bosnien-Herzegowina leiden die Frauen an den Folgen ihrer Verletzungen

    Die Frauen aus Sarajevo in Bosnien-Herzegowina überbrachten Grüße der Organisation „Zene zrtve rata“, übersetzt etwa „Frauen – Opfer des Krieges“. Frauen sind unter den Überlebenden des Bürgerkrieges in Bosnien 1992 bis 1995 diejenigen, die die tiefsten Verletzungen davongetragen haben. 2003 gründeten die Frauen deshalb diese Initiative.

    Meral Cicek aus Süleymanya im Nordirak kündigte an, dass sie gar nicht singen könnte und rührte dann mit ihrem Lied gegen Gewalt und Unterdrückung in Cizre die Anwesenden zu Tränen. Meral war selbst im Juni diesen Jahres von schweren Angriffen betroffen, als sie und ihre Kolleginnen von bewaffneten Einheiten aus ihrem Frauenbüro vertrieben wurden. Sie haben inzwischen ihre Arbeit in einer anderen Stadt wieder aufgenommen.

    Soula Papanikalaou überbrachte Grüße der griechischen Stahlarbeiterfrauen und bedankte sich für die große Solidarität, gerade auch seitens ver.di. Aus Deutschland trug schließlich eine frühere Werftarbeiterin ein selbstgeschriebenes Gedicht, „Das letzte Hemd“, vor, und die ver.di-Frauen schlossen mit dem traditionellen „Steigerlied“. Als Gastgeschenke bekamen die Frauen, die gekommen waren, selbstgebackene Kohlestücke und Fördertürme zum Essen.

    Am Ende stand fest: In Vorbereitung der 3. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2021 wollen sich alle noch mehr vernetzen und noch enger zusammen arbeiten.

    Text: Nina Dusper

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