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    Schutzloser Job: Bauen für die EM

    Schutzloser Job: Bauen für die EM

    Joachim Schlütter blickt in seiner Publikation „Fair Play – Fair Work?“ auf die dunklen Seiten der diesjährigen Fußballeuropameisterschaft: Auf prekäre, kurzfristige Arbeitsverhältnisse, unfaire Löhne sowie Unfälle auf den Baustellen. „Wie immer bei Großereignissen dieser Art, stieg die Beschäftigung im Baugewerbe massiv an. Doch im Windschatten der Profite (die FIFA verdiente bei der WM 2010 rund 3,2 Milliarden Dollar) geraten faire Löhne, Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter oftmals ins Hintertreffen“, schreibt Schlütter. Im Rahmen der EM-Bauten gab es in der Ukraine bisher 14 tödliche Unfälle, in Polen sind es insgesamt sechs.

    „Zehn Beschäftigte können in einem polnischen Betrieb eine gewerkschaftliche Vertretung gründen, doch müssen in dem Betrieb insgesamt mindestens 20 Arbeitnehmer/innen beschäftigt sein. Der überwiegende Teil der Bauleute aber arbeitet in Minifirmen.“

    Joachim Schlütter, Autor "Fair Work - Fair Play?"

    Schlütter schaut auch auf die Rolle der Gewerkschaften im Zuge der EM-Baustellen in beiden Ländern. Und stellt Unterschiede fest: Nur den ukrainischen Gewerkschaften gelang es erfolgreich, für höhere Löhne, für einen besseren Arbeitsschutz und für gute Beschäftigung zu streiten. „Dies überzeugte offenbar die Arbeitnehmer: Seit 2009 konnten die Gewerkschaften der Ukraine 1.700 neue Mitglieder gewinnen“, so Schlütter.

    Anders die Entwicklung in Polen. Dort konnten die Gewerkschaften durch die in beiden Ländern gefahrene Kampagne für gute Arbeit keine neuen Mitglieder gewinnen. Das polnische Arbeits- und Gewerkschaftsrecht erschwere es, die Arbeitnehmer/innen zu organisieren, schreibt Schlütter: „Zwar können schon zehn Beschäftigte in einem polnischen Betrieb eine gewerkschaftliche Vertretung gründen, doch müssen in dem Betrieb insgesamt mindestens 20 Arbeitnehmer/innen beschäftigt sein. Der überwiegende Teil der Bauleute aber arbeitet in Minifirmen unter 20 Arbeitnehmer/innen, als Scheinselbständige oder sogar schwarz.“

    Immerhin: Aufgrund einer gemeinsamen Initiative der staatlichen Arbeitsinspektion, des Verbandes der Bauingenieure und Bautechniker sowie der Baugewerkschaft Budowlani in Polen, waren während der gesamten Bauphase permanent Inspektoren auf den EM-Baustellen, die insgesamt 180 Baustopps verhängten. Das habe zumindest die Arbeitssicherheit auf den polnischen Baustellen erhöht.

    Zur Publikation „Fair Play – Fair Work? Die EURO 2012-Fußballeuropameisterschaft und die Beschäftigten auf ihren Großbaustellen“ von Joachim Schlütter geht es hier.

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