Internationales

    Welttag gegen Kinderarbeit

    Weltweit steigt Kinderarbeit wieder an

    Berlin, 11.06.2022 | Am morgigen Welttag gegen Kinderarbeit blickt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) besonders auf die Notlage der Kinder, die in Konfliktgebieten leben und unter Katastrophen leiden. Gerade sie sind einem hohen Risiko für Kinderarbeit ausgesetzt. Durch Katastrophen und Konflikte würden Existenzgrundlagen vernichtet, das Zuhause von Kindern und Schulen zerstört und Familien und soziale Sicherungssysteme zusammenbrechen. Die Folge: Das Risiko für Kinderarbeit und Menschenhandel steigt. Geflüchtete Kinder und Migranten – vor allem wenn sie auf der Flucht von ihren Familien getrennt werden – sind extrem gefährdet.

    Wo Kinder arbeiten


    Weltweit ist die Zahl der Kinder in Kinderarbeit auf rund 160 Millionen gestiegen. Das entspricht einer Zunahme um knapp 9 Millionen Kinder in den letzten fünf Jahren. Millionen weitere Mädchen und Jungen sind durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie gefährdet, das legte bereits im vergangenen Juni ein Bericht der ILO und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF nah.

    Was wir alle gegen Ausbeutung von Kindern tun können

    Die beiden Organisationen warnen jährlich zum Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni vor deren schweren Auswirkungen. Besorgt zeigen sich ILO und UNICEF vor allem darüber, dass die Fortschritte bei der Überwindung von Kinderarbeit durch die Pandemie zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten ins Stocken geraten sind. Der bis dahin positive Trend hat sich umgekehrt: Zwischen 2000 und 2016 war die Zahl der Mädchen und Jungen in Kinderarbeit noch um 94 Millionen gesunken. „Die Zeit drängt: Das Ziel der Weltgemeinschaft, Kinderarbeit bis 2025 zu beseitigen, rückt in weite Ferne, wenn wir jetzt nicht massiv gegensteuern“, erklärte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, anlässlich des diesjährigen Welttags gegen Kinderarbeit am 12. Juni. „Regierungen müssen Kindern Schutz und Chancen geben. Unternehmen müssen Kinder- und Menschenrechte einhalten. Wir alle können durch unser Konsumverhalten dazu beitragen, die Ausbeutung von Kindern zu verhindern.“

    Gefährdet sind Kinder, die im Kampf um ihr Überleben in Minen arbeiten, nach Metallen und Mineralien im Schutt in vom Krieg zerrütteten Gebieten suchen oder auf der Straße leben. Einige von ihnen enden als Kämpfer für die Kriege der Erwachsenen, als Spione, werden als Helfer oder Gepäckträger missbraucht. Viele Kinder sind zudem Opfer von Missbrauch und sexueller Ausbeutung.

    Deutlich angestiegen ist die Zahl der jungen Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren in Kinderarbeit. Diese Altersgruppe stellt mittlerweile weltweit etwas mehr als die Hälfte der von Kinderarbeit betroffenen Kinder. Die Zahl der Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren, die besonders gefährliche Arbeit verrichten – also Tätigkeiten, die ihre Sicherheit, körperliche oder seelische Gesundheit bedrohen – ist seit 2016 um 6,5 Millionen auf 79 Millionen gestiegen.

    Den Kreislauf von Armut und Kinderarbeit durchbrechen

    „Wir können nicht tatenlos zusehen, wie eine neue Generation von Kindern in Gefahr gerät”, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder bereits im vergangenen Jahr, als die ILO zusammen mit der UNICEF einen umfangreichen Bericht zur Kinderarbeit weltweit vorlegten. Umfassende, inklusive soziale Basisschutzmaßnahmen könnten es Familien demnach ermöglichen, ihre Kinder auch trotz wirtschaftlicher Not in der Schule zu halten. Dafür bedürfe es vor allem verstärkte Investitionen in die ländliche Entwicklung und menschenwürdige Arbeit in der Landwirtschaft. „Wir sind an einem entscheidenden Moment und vieles hängt davon ab, wie wir handeln“, so Ryder. Die Weltgemeinschaft müsse die Trendwende schaffen und den Kreislauf von Armut und Kinderarbeit durchbrechen.

    Allein in Subsahara-Afrika haben Bevölkerungswachstum, wiederkehrende Krisen, extreme Armut und unzureichende soziale Basisschutzmaßnahmen in den letzten fünf Jahren zu zusätzlich rund 17 Millionen Mädchen und Jungen in Kinderarbeit geführt. Auf der fünften Globalen Konferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit im Mai dieses Jahres in Südafrika haben Delegierte von Regierungen, Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen, UN-Organisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen mit dem „Durban Call to Action“ ihr Bekenntnis und Ziel erneuert, Kinderarbeit in allen Formen zu unterbinden. Sie forderten konkrete Schritte zur Umsetzung. Dazu zählten vorneweg, faire Arbeit und Löhne für Erwachsene und Heranwachsende oberhalb des Mindestalters sicher zu stellen, flächendeckende soziale Schutzsysteme zu und ein Zugang zu kostenfreier, verpflichtender und qualitativ hochwertiger Bildung für alle Kinder.

    Hier geht’s zum Bericht von ILO und UNICEF: „Child Labour: Global Estimates 2020, trends and the road forward” („Kinderarbeit: Globale Schätzungen 2020, Trends und der Weg in die Zukunft”)

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