Internationales

    Morddrohungen gegen Gewerkschafter*innen in Kolumbien

    Solidarität mit Fresenius-Beschäftigten

    Berlin, 21.2.22 – Claudia López ist Beschäftigte von Quironsalud, einer Fresenius-Tochterfirma in Kolumbien. Und hat ebenso wie Julian Parra, der im Dezember 2021 bei Quironalsud gekündigt hat, Morddrohungen erhalten – weil sich beide gewerkschaftlich engagieren. Knapp drei Jahre ist es her, dass sich Fresenius-Beschäftigte aus der ganzen Welt in Frankfurt am Main getroffen haben, um eine gemeinsame Resolution und ein weltweit bis dahin einmaliges Bündnis von Arbeitnehmerorganisationen im Medizintechnik- und Gesundheitswesen zu besiegeln, die Fresenius Global Union Alliance. Alle Teilnehmer*innen waren Beschäftigte des multinationalen Konzerns Fresenius mit Hauptsitz im hessischen Bad Homburg und seiner Tochtergesellschaften. Fresenius unternimmt so wenig wie möglich, um Arbeitnehmerrechte zu schützen. Es gibt keine einheitlichen Standards, sondern der Konzern orientiert sich lokal oft am untersten Standard, der vor Ort eingehalten werden muss. Vor allem die seinerzeit angereisten Gewerkschafter*innen aus den USA und Asien warfen der Firma mit knapp 300.000 Beschäftigten in 100 Ländern „Union busting“ vor, die massive Behinderung von Gewerkschaften und Gewerkschaftsarbeit. Einzelne Angestellte würden brutal unter Druck gesetzt und Arbeitnehmerrechte systematisch unterlaufen. 

    Claudia López und Julian Parra erhielten ihre Morddrohungen, als sie und ihre Kolleg*innen des deutschen multinationalen Unternehmens in Kolumbien sich gewerkschaftlich organisierten und Verhandlungen aufnahmen. Seit vielen Jahren gilt Kolumbien als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter und andere Aktivisten. Seit 2016 wurden rund 1.300 Gewerkschaftsführer*innen und soziale Aktivist*innen in dem Land getötet und eine unbekannte Zahl weiterer Personen bedroht. Der kolumbianische Staat hat unlängst bestätigt, dass allein 2021 insgesamt 145 Menschen in führenden Positionen von Gewerkschaften und sozialer Bewegungen ermordet wurden.

    Beschäftigte der Fresenius Medical Care in Bogota (Kolumbien): In einem Raum mit geringster Konzentration luftgetragener Teilchen stellen sie Dialyse-Produkte her Soeren Stache/dpa Beschäftigte der Fresenius Medical Care in Bogota (Kolumbien): In einem Raum mit geringster Konzentration luftgetragener Teilchen stellen sie Dialyse-Produkte her


    Wenn Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter Morddrohungen in Kolumbien erhalten, nehmen sie diese sehr ernst, auch Claudia López und Julian Parra. Claudia López meldete die Drohungen der örtlichen Polizei. Julian Parra hat gekündigt und ist aus Kolumbien geflohen. Beide haben ihren deutschen Arbeitgeber aufgefordert, diese und auch alle ähnlichen Drohungen öffentlich zu verurteilen. Fresenius und Quironsalud hingegen haben wiederholte Anfragen in Kolumbien, Spanien und Deutschland bisher ignoriert oder abgelehnt.

    Trotz mehrerer Treffen mit dem Unternehmen, auch mit der obersten Führungsebene, weigert sich Fresenius, die Morddrohungen öffentlich zu verurteilen und damit das Leben der Beschäftigten zu schützen. „Das Schweigen von Fresenius ist gefährlich. Es ist völlig inakzeptabel, dass das Unternehmen sich weigert, Morddrohungen gegen seine Mitarbeitenden öffentlich anzuprangern – vor allem in einem Land, in dem es eine grausame Liste von Gewalttaten gegen Aktivist*innen und Gewerkschafter*innen gibt“, sagte David Boys von der Fresenius Global Union Alliance.

    „Ein globales Unternehmen erfordert globale Verantwortung, und Fresenius kann sich nicht länger seiner Verantwortung gegenüber den kolumbianischen Beschäftigten entziehen.“

    Alke Boessiger, stellvertretende Generalsekretärin von UNI Global Union

    Unterstütze den Protest

    „Wir fordern Fresenius nicht nur zum Handeln auf, weil es das Richtige ist. Wir fordern auch konkrete Maßnahmen, weil so die Beschäftigten geschützt werden können“, sagte Alke Boessiger, stellvertretende Generalsekretärin von UNI Global Union. „Ein globales Unternehmen erfordert globale Verantwortung, und Fresenius kann sich nicht länger seiner Verantwortung gegenüber den kolumbianischen Beschäftigten entziehen.“ 

    Die internationalen gewerkschaftlichen Dachverbände IÖD und UNI Global sowie die gewerkschaftliche Kampagnenplattform LabourStart rufen deshalb jetzt zu einer weltweiten Unterstützungskampagne für die beiden Kolleg*innen in Kolumbien auf, am 23. Februar mit einem Globalen Tag der Solidarität und einer Protestnote und Unterstützungsliste (s.unten). Schließe Dich Claudia, Julian, PSI, UNI Global Union, IndustriALL und der Fresenius Global Union Alliance an und fordere Fresenius auf, diese und ähnliche Drohungen gegen die eigenen Beschäftigten unverzüglich und bedingungslos zu verurteilen und mit guten Absichten mit den gewählten Gewerkschaftsvertreter*innen der Fresenius-Beschäftigten zu verhandeln. Die haben sich bisher auch nicht einschüchtern lassen. Laut dem letzten Bericht von der oben erwähnten Fresenius Global Union Alliance konnten in Kolumbien zuletzt 500 neue Mitglieder für die Gewerkschaft gewonnen werden.

    Hier kannst Du für Claudia und Julian unterzeichnen.

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