Gleichstellung

    Hiebe statt Liebe

    Eine Milliarde erhebt sich gegen Gewalt

    Weltweit beteiligen sich jedes Jahr am Valentinstag, am Tag der Liebe, eine Milliarde Frauen an der Aktion „One Billion Rising“. One Billion Rising, englisch für Eine Milliarde erhebt sich, ist eine weltweite Kampagne für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für Gleichstellung. Sie wurde im September 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler initiiert. Die „eine Milliarde“ deutet auf eine UN-Statistik hin, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben entweder vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung wird. Gewalt gegen Frauen ist auch in Deutschland ein großes Problem. Fast jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau ermordet, jede vierte Frau wird mindestens einmal im Leben Opfer von körperlicher oder sexualisierter Gewalt, etwa 600 versuchte Tötungen von Frauen und Mädchen pro Jahr weist die Statistik auf. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 140.755 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Davon waren 114.393 Opfer weiblich, 122 Frauen wurden getötet (Quelle: Bundeskriminalamt).

    Gewalt am Arbeitsplatz

    Mit der #MeToo-Debatte ist zudem auch sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz weltweit zum Dauerthema geworden. Mit der Konvention 190 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wurde im vergangenen Jahr ein internationales Übereinkommen gegen Gewalt und sexuelle Belästigung in der Arbeitswelt samt Empfehlungen zur Umsetzung in den Nationalstaaten beschlossen. Die Konvention regelt internationale Mindeststandards und setzt Grenzen.

    19. Oktober 2016: In Buenos Aires protestieren tausende von Menschen gegen Gewalt gegen Frauen. Aufgerufen dazu hat die soziale Bewegung „Ni Una Menos“ (Nicht eine weniger), nachdem erneut ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet worden ist Foto: David Fernández/dpa 19. Oktober 2016: In Buenos Aires protestieren tausende von Menschen gegen Gewalt gegen Frauen. Aufgerufen dazu hat die soziale Bewegung „Ni Una Menos“ (Nicht eine weniger), nachdem erneut ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet worden ist


    Gewalt und Belästigung im Sinne des ILO-Übereinkommens 190 wird definiert „als eine Bandbreite von inakzeptablen Verhaltensweisen und Praktiken oder deren Androhung (…), die darauf abzielen, zur Folge haben oder wahrscheinlich zur Folge haben, physischen, psychischen, sexuellen oder wirtschaftlichen Schaden zur verursachen und umfasst auch geschlechtsspezifische Gewalt und Belästigung“. Der Text weist die ILO-Mitgliedsstaaten darauf hin, dass sie „eine große Verantwortung dafür haben, ein allgemeines Umfeld von Nulltoleranz gegenüber Gewalt und Belästigung zu fördern“.

    „Sie erfahren etwa sexuelle Belästigung durch Arbeitskollegen oder Vorgesetzte. Arbeiten Frauen in Geschäften oder bei anderen, öffentlich zugänglichen Einrichtungen, kommt oft auch Gewalt durch Kunden oder Bürger hinzu. Das reicht von Beschimpfungen, Bedrohungen, gezielten sexuellen Anzüglichkeiten und Abwertungen bis hin zu körperlichen Angriffen oder Raubüberfällen. Respekt und Würde sind das Fundament menschengerechter Arbeit und dafür gibt die neue ILO-Konvention nun auch wichtige Orientierungen für den Abschluss von betrieblichen Regelungen oder Tarifverträgen.“

    Stefanie Nutzenberger, bei ver.di zuständig für Gender-, Frauen- und Gleichstellungspolitik

    Denn sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist schwerwiegend. Sie kann das Betriebsklima vergiften, die Leistung des Unternehmens beeinträchtigen, betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter demotivieren und krank machen. Stefanie Nutzenberger, die bei ver.di unter anderem zuständig für Gender-, Frauen- und Gleichstellungspolitik ist, sagte anlässlich der Verabschiedung der IlO-Konvention im letzten Jahr, dass viele Frauen bei der Arbeit regelmäßig mit Gewalt konfrontiert seien: „Sie erfahren etwa sexuelle Belästigung durch Arbeitskollegen oder Vorgesetzte. Arbeiten Frauen in Geschäften oder bei anderen, öffentlich zugänglichen Einrichtungen, kommt oft auch Gewalt durch Kunden oder Bürger hinzu. Das reicht von Beschimpfungen, Bedrohungen, gezielten sexuellen Anzüglichkeiten und Abwertungen bis hin zu körperlichen Angriffen oder Raubüberfällen. Respekt und Würde sind das Fundament menschengerechter Arbeit und dafür gibt die neue ILO-Konvention nun auch wichtige Orientierungen für den Abschluss von betrieblichen Regelungen oder Tarifverträgen.“

    Trotzdem ist sexuelle Belästigung in den meisten Betrieben kein Thema. Das bedeutet aber nicht, dass sie im Unternehmen nicht vorkommt. Ungefähr jede*r zweite Beschäftigte hat bereits sexistische Witze, anzügliche Bemerkungen, unerwünschte Berührungen oder andere Formen sexueller Belästigungen erlebt. Nur in den seltensten Fällen wird offen darüber gesprochen. Dieses Thema ist viel zu oft noch ein Tabu. 

    Kosten häuslicher Gewalt: 3,8 Milliarden Euro

    Der Schaden und das Leid für Frauen, deren Kinder und Familien ist unermesslich. Der ökonomische Schaden der Gewalt an Frauen wird in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro jährlich beziffert (Studie BTU, Cottbus-Senftenberg). Dafür kommt die deutsche Gesellschaft auf. Das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen wird trotz der erschreckend hohen Zahl von Politik und Gesellschaft zu wenig ernst genommen oder verharmlost. Dabei ist es ein Phänomen, für das es Gründe gibt: tradierte Rollenmuster mit immer noch vorherrschenden männlichen Dominanz- und Besitzansprüchen.

    Frauenverbände fordern deshalb ein angemessenes strafrechtliches Vorgehen, eine verbesserte bundesweite Erhebung von Daten zu Gewalt an Frauen, um das Ausmaß und die Folgen von Häuslicher Gewalt deutlich zu machen, eine gründliche Erforschung von Gewaltpotentialen in Familie und Partnerschaft, um gezielt gegen Männergewalt vorgehen zu können, und eine angemessene und institutionalisierte Förderung der Hilfsangebote für Opfer Häuslicher Gewalt.

    Wo mitgestreikt und mitgetanzt werden kann, zeigt eine interaktive Karte auf:
    onebillionrising.de

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