Gesundheit

    Kaum Zeit für die Pflegebedürftigen, zu wenig Geld zum Leben

    #GemeinsameSache

    „Die rennen und rennen“

    Altenpflege

    Berlin, 18. Juni 2020 – Die Altenpflege ist ein wunderbarer Beruf – wenn die Bedingungen stimmen. Doch die stimmen leider landauf landab nicht. Die Bezahlung ist meist schlecht, und dass die Arbeitsbedingungen teils katastrophal sind, hat nicht zuletzt die Corona-Krise gezeigt. Fast allerorts haben in den Pflegeeinrichtungen Schutzausrüstungen gefehlt, um die Pflegekräfte und Pflegebedürftigen ausreichend zu schützen. Mancherorts ist der Mangel noch immer nicht behoben. Ein Drittel aller Corona-Todesfälle in Deutschland ist nach Angaben des Robert-Koch-Institutes in Altenpflegeheimen zu verzeichnen. Oder mit anderen Zahlen: 20 Prozent der Infizierten in Pflegeeinrichtungen überleben eine Covid-19-Infektion nicht. Was zuvor schon alle Beschäftigten und auch viele Heimbewohner*innen wussten, ist jetzt auch öffentlich geworden: Es mangelt an Personal und an Ausstattung.

    „Alle geben ihr Bestes und bekommen zu wenig dafür. Am Ende werden sie krank, das ist unmenschlich.“

    Ursula Siroky, stellvertretende Heimbeiratsvorsitzende im AWO-Seniorenzentrum Recklinghausen

    Am 17. Juni haben nun deshalb Pflegekräfte und Pflegebedürftige bundesweit an einem ersten Aktionstag #GemeinsameSache gemacht. Beschäftigte – unterstützt von Bewohner*innen, deren Angehörigen, Politiker*innen und Gewerkschafter*innen – sind vor dutzenden Pflegereinrichtungen zusammengekommen. Sie haben für bessere Arbeitsbedingungen, eine gute Bezahlung und eine solidarische Finanzierung der Pflege demonstriert. Gemeinsam mit ver.di fordern sie eine Vollversicherung, in die alle Bürger*innen einzahlen sollen: eine Solidarische Pflegegarantie.

    So standen Beschäftigte und Unterstützer*innen vor der Darmstädter Senioren-Residenz Kranichstein, deren Betreiber wie so viele in der Branche alles daran setzt, Tarifverträge zu verhindern. Von einem im vergangenen Jahr bereits mit ver.di ausgehandelten Eckpunktepapier wollte das Unternehmen plötzlich nichts mehr wissen. Im AWO-Seniorenzentrum Recklinghausen forderte die stellvertretende Heimbeiratsvorsitzende Ursula Siroky für alle Bereiche mehr Personal. „Die rennen und rennen und haben keine Zeit. Alle geben ihr Bestes und bekommen zu wenig dafür. Am Ende werden sie krank, das ist unmenschlich“, sagte die 74-Jährige.

    Seite an Seite für bessere Bedingungen in der Altenpflege – Pflegekraft und ihre zu Pflegenden Stefanie Loos Seite an Seite für bessere Bedingungen in der Altenpflege – Pflegekraft und Pflegebedürftige

     

    „Wir brauchen Vollzeitstellen, mehr Geld, damit wir davon leben können und nicht zum Amt aufstocken oder uns weitere Minijobs suchen müssen.“

    Heike Höppner-Sandmann, Betreuungsassistentin im AWO-Seniorenzentrum Recklinghausen

    Auch der 70-Jährige Heimbewohner Karl-Heinz Both sagt, dass mehr Personal hermüsse, „damit sich die Kolleg*innen nicht die Hacken abrennen müssen und doch keine Zeit für uns haben“. Für die Betreuungsassistentin Heike Höppner-Sandmann ist genau das belastend, den pflegebedürftigen Menschen wegen des Zeitmangels nicht richtig gerecht werden zu können. „Wir brauchen Vollzeitstellen, mehr Geld, damit wir davon leben können und nicht zum Amt aufstocken oder uns weitere Minijobs suchen müssen.“

    Bei einer Aktion im nordrhein-westfälischen Recklinghausen sagte der Landrat Cay Süberkrüb, SPD: „Applaus reicht nicht.“ Er unterstütze die Aktionen nicht nur politisch, sondern auch aufgrund persönlicher Betroffenheit. Er habe selbst pflegebedürftige Angehörige, die er gut versorgt wissen wolle. Eine gute Personalausstattung sei dafür die Voraussetzung. Herbert Hunkel, parteiloser Bürgermeister des südlich von Frankfurt am Main gelegenen Städtchens Neu-Isenburg, sagte, die Beschäftigten in der Altenpflege machten einen „hervorragenden und sehr verantwortungsvollen Job“, das habe sich nicht zuletzt in der Corona-Krise gezeigt. Ihre Arbeit brauche mehr Anerkennung, auch finanziell. „Ich hoffe, dass die Pandemie bei den Kostenträgern und Arbeitgebern zu einem Umdenken führt und diese Berufe nun besser bezahlt werden.“

    Für mehr Personal, mehr Geld und eine solidarische Finanzierung wird ver.di auch in den kommenden Wochen #GemeinsameSache mit allen machen, die an einer guten Versorgung pflegebedürftiger Menschen interessiert sind.

    Mehr erfahren unter gemeinsamesache.verdi.de