Gesundheit

    Medizintechnik- und Gesundheitskonzern in der Kritik

    Fresenius: Profite auf Kosten von Kranken und Beschäftigten

    FreseniusWatch

    Berlin, 28. August 2020 – Die Jahreshauptversammlungen von Fresenius und Fresenius Medical Care finden wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr digital statt. Wie üblich wird sich der weltweit tätige Medizintechnik- und Gesundheitskonzern ins beste Licht rücken. Dabei steht das deutsche Unternehmen massiv in der Kritik wegen Korruption und Steuertricksereien. Die Fresenius Global Union Alliance, ein internationaler Zusammenschluss von Gewerkschaften, werfen dem Konzern zudem anlässlich der diesjährigen Hauptversammlung erneut schlechte Arbeitsbedingungen in diversen Ländern und die aktive Bekämpfung von Arbeitnehmervertretungen vor. In den USA etwa arbeiten die dortigen Niederlassungen mit Firmen zusammen, die sich auf die Bekämpfung von Gewerkschaften („Union Busting“) spezialisiert haben.

    Beschäftigte der Fresenius Medical Care in Bogota (Kolumbien): In einem Raum mit geringster Konzentration luftgetragener Teilchen stellen sie Dialyse-Produkte her Soeren Stache/dpa Beschäftigte der Fresenius Medical Care in Bogota (Kolumbien): In einem Raum mit geringster Konzentration luftgetragener Teilchen stellen sie Dialyse-Produkte her


    Neben den globalen Geschäftsaktivitäten ist Fresenius in fast allen bekannten Steueroasen der Welt vertreten, unter anderem auf den Kaimaninseln und den britischen Jungferninseln, in Hongkong, Delaware, Singapur und Panama. Das Unternehmen nutzt dieses Netz an Steuerparadiesen, um Gewinne dorthin zu verschieben und höhere Unternehmenssteuern in Deutschland und anderen Ländern, in denen es geschäftlich tätig ist, zu umgehen. Auch vor Bestechung schreckt Fresenius nicht zurück: In den USA hat sich das Unternehmen 2019 bereit erklärt, 231 Millionen Dollar Strafe zu zahlen, weil Untersuchungen zahlreiche Bestechungen in 15 Ländern wie Angola oder Saudi-Arabien nachgewiesen haben und der Konzern in anderen Ländern seine Buchhaltung nicht sauber geführt hat.

    „Längst nicht alles was legal ist, ist auch legitim. Wenn ein Gesundheitskonzern auf Kosten von Kranken, Kunden, Beschäftigten und zulasten der öffentlichen Hand seine Profite steigert, dann ist das nicht zu akzeptieren. Nirgendwo auf der Welt.“

    Sylvia Bühler, ver.di-Vorstandsmitglied

    Mittlerweile sind 50 Gewerkschaften aus der ganzen Welt in der „Fresenius Global Union Alliance“ zusammengeschlossen, auch die deutsche Gewerkschaft ver.di gehört dem Bündnis an. ver.di-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler fordert, dass Fresenius weltweit die Rechte von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen achtet. „Längst nicht alles was legal ist, ist auch legitim. Wenn ein Gesundheitskonzern auf Kosten von Kranken, Kunden, Beschäftigten und zulasten der öffentlichen Hand seine Profite steigert, dann ist das nicht zu akzeptieren. Nirgendwo auf der Welt“, sagt die Gewerkschafterin. In Chile hatten unlängst die Klinik-Beschäftigten einer Fresenius-Tochter über den mangelnden Schutz gegen das Corona-Virus geklagt.

    In Deutschland informiert die Fresenius Global Union Alliance mit der Initiative „FreseniusWatch“ über die Machenschaften des deutschen Medizinkonzerns. Eines der Ziele der Initiative: ein internationales Rahmenabkommen zur Einhaltung von Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechten.


    Informationen zu den Arbeitsbedingungen in den USA

    https://aflcio.org/sites/default/files/2019-10/EuroSouth_Oct2019_FINAL.pdf

    https://gesundheit-soziales.verdi.de/mein-arbeitsplatz/krankenhaus/++co++a881363a-8c18-11e7-857e-525400f67940

    Informationen zu den Steuertricks von Fresenius

    https://www.netzwerk-steuergerechtigkeit.de/pressemitteilung-fresenius-und-steuervermeidung-21-1-2020/

    https://publicservices.international/resources/publications/fresenius-failing-to-care-fullreport?id=10578&lang=en