Gesundheit

    Kündigungswelle bedroht Zukunft der Schildautalkliniken

    Asklepios kündigt Schließung der Reha-Klinik in Seesen an

    17. November 2020 | Der privatwirtschaftliche Konzern Asklepios fährt eine ehemals renommierte Klinik vor die Wand: Am 16. November hat der Konzern gegenüber dem Betriebsrat der Schildautalklinken in Seesen erklärt, seine Rehaklinik schließen zu wollen. Die Entscheidung bedeutet das Aus für ein Konzept, das jahrelang Erfolgsgarant der Klinik war, weil Reha, Akuthaus und Therapiebereich Hand in Hand arbeiteten. Die Beschäftigten rechnen nun mit Kündigungen und drastischen Auswirkungen auch auf die Akutklinik.

    Demonstration Kampf der Beschäftigten des  Asklepios-Konzerns Foto: André Sandner Kampf um Tarifvertrag im Asklepios-Konzern


    Aus ver.di-Sicht ist die Schließung auch deshalb besonders dreist, weil Asklepios noch in diesem Jahr mehrere Hunderttausend Euro Corona-Zahlungen für die Reha-Klinik kassiert hat, um Kapazitäten umzuschichten und Betten für Corona-Patienten freizuhalten. Für die Vorsorge für den Notfall hatte es Ausgleichszahlungen von der Politik gegeben.

    Nicht nachvollziehbar ist auch das: Noch letzte Woche hatte der Prokurist der Rehaklinik, Felix Sasse, gegenüber den Beschäftigten in einer Mitteilung angekündigt, im November über Vergütungsgrundsätze für die Reha-Klinik verhandeln zu wollen. Laut ver.di habe er sich auf die künftige Zusammenarbeit gefreut. Nun aber soll laut Asklepios-Konzern alles ganz anders kommen: Statt über die Zukunft des Hauses zu sprechen will Asklepios die Reha-Klinik schließen. Die Beschäftigten fühlen sich wieder einmal hintergangen. Bis zu 140 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

    Seit Monaten kämpfen die Beschäftigten in Seesen um einen Tarifvertrag, um konkurrenzfähig zu bleiben, denn langjähriges Personal verlässt zuhauf die Klinik, weil kurzgedachte Sparziele zu schlechter Personalausstattung geführt haben. Und neues Personal ist beim anhaltenden Fachkräftemangel auf dem Markt schwer zu bekommen, solange die Arbeitsplätze nicht attraktiv sind.

    „Was die Öffentlichkeit hier sieht, ist die Geisterfahrt eines Konzerns, der den Bezug zu den Notwendigkeiten unseres Gesundheitssystems voll und ganz verloren hat."

    Jens Havemann, ver.di-Gewerkschaftssekretär

    Mit der Schließung der Reha-Klinik finden die Auseinandersetzungen für eine gute Patientenversorgung und die Rettung des Standortes einen weiteren, traurigen Höhepunkt. Die Stärke der Schildautalkliniken war immer die enge Verzahnung von Reha, Therapie und Akuthaus gewesen. Das Erfolgsrezept bestand aus der übergreifenden Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten zum Wohle der Patienten. Ohne die Reha-Klinik wird das so nicht mehr möglich sein.

    Gewerkschaftssekretär Patrick von Brandt: „Asklepios macht wieder einmal deutlich: es geht dem Konzern um Profitmaximierung, sonst nichts. Obwohl die Reha profitabel betrieben wurde, reichte das dem Konzern nicht aus. Das ist nackte Kapitalmacht, die hier ihre hässliche Fratze zeigt. “

    Die Beschäftigten rechnen damit, dass die Schließung der Reha auch drastische Auswirkungen auf das Akut-Haus haben wird. So haben bereits zahlreiche Beschäftigte in der Pflege angekündigt, das Haus zu verlassen, die für den Betrieb der Klinik unerlässlich sind.

    „Was hier passiert ist betriebswirtschaftlicher und gesundheitspolitischer Unsinn“, sagt Gewerkschaftssekretär Jens Havemann.“ Um ein Haus erfolgreich zu betreiben sei nichts wichtiger als Personal zu halten und zu gewinnen. „Was die Öffentlichkeit hier sieht, ist die Geisterfahrt eines Konzerns, der den Bezug zu den Notwendigkeiten unseres Gesundheitssystems voll und ganz verloren hat. Hier muss die Politik handeln.“

    Mehr erfahren

    Bericht in der ver.di-publik zum Tarifstreit bei den Asklepios-Kliniken Schildautal Seesen: https://publik.verdi.de/ausgabe-202007/eine-belegschaft-steht-auf/