Gesundheit

    Eingreifen der Politik ist nötig

    Gesetz ebnet Weg für Tarifvertrag in der Altenpflege

    Berlin, 21. Oktober 2019 – ver.di hat anlässlich der Anhörung zum Gesetz für bessere Löhne in der Pflege, zum sogenannten Pflegelöhneverbesserungsgesetz, ihre Forderung nach einer deutlichen Aufwertung der Altenpflege bekräftigt. Das Gesetz selbst sorge zwar nicht automatisch für bessere Löhne, ebne aber den Weg für einen Tarifvertrag, der auf die gesamte Altenpflege erstreckt werden könne, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. Damit ausreichend viele Beschäftigte für die Altenpflege gewonnen und gehalten werden könnten, bräuchte es bessere Arbeitsbedingungen. Neben mehr Personal müsse die verantwortungsvolle und oft auch körperlich und emotional anstrengende Arbeit angemessen vergütet werden, so Bühler.

    „Bei weit über 10.000 nicht tarifierten Einrichtungen und Diensten können wir nicht alle Arbeitgeber einzeln durch Streiks an den Verhandlungstisch zwingen.“

    Sylvia Bühler, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    Ein Eingreifen der Politik sei notwendig, weil sich vor allem kommerzielle Arbeitgeber in der Altenpflege einer besseren Bezahlung und Tarifverträgen verweigerten. „Bei weit über 10.000 nicht tarifierten Einrichtungen und Diensten können wir nicht alle Arbeitgeber einzeln durch Streiks an den Verhandlungstisch zwingen“, betont Bühler. Seit Einführung der Pflegeversicherung tobe in der Altenpflege der wirtschaftliche Wettbewerb. „Hedgefonds ziehen hohe Profite aus diesem gesellschaftlich relevanten Feld der Daseinsvorsorge. Die Politik hat die Altenpflege dem wirtschaftlichen Wettbewerb ausgesetzt, deshalb ist die Politik jetzt auch in der Verantwortung, die unsägliche Entwicklung zu stoppen und die Beschäftigten vor Ausbeutung zu schützen.“

    ver.di fordert eine Aufwertung der Pflege, mehr Geld und mehr Personal Renate Koßmann Personalmangel in der Altenpflege ist nur eines von mehreren Problemen

     

    Der Pflegemindestlohn habe zu keiner grundsätzlichen Besserung geführt, sagt Bühler. Er sei zu niedrig und differenziere nicht zwischen Hilfs- und Fachkräften. Selbst die ver.di-Forderung, einen Urlaubsanspruch über dem gesetzlichen Anspruch zu regeln, sei in der Pflegekommission gescheitert.  

    Am Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes orientieren

    ver.di begrüßt deshalb, dass nach dem Pflegelöhneverbesserungsgesetz ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag Vorrang vor dem Pflegemindestlohn hat, und fordert die Arbeitgeber auf, sich an Tarifverhandlungen zu beteiligen. Am 25. Oktober beginnen die Verhandlungen zwischen ver.di und dem Arbeitgeberverband BVAP. Bis Ende des Jahres soll ein Tarifvertrag abgeschlossen werden, der dann vom Bundesarbeitsminister auf die gesamte Altenpflege in Deutschland erstreckt wird. Die Tarifregelungen müssten dann alle Arbeitgeber einhalten. Bestehende bessere Tarifverträge blieben davon aber unberührt, so Bühler. Ein bundesweit geltender Tarifvertrag mit rechtlich verbindlichen 

    Mindestbedingungen sichere das Lohnniveau nach unten ab und schütze auch die Anbieter vor einem ruinösen Wettbewerb. Nach Forderung der ver.di-Tarifkommission soll sich der Altenpflegetarifvertrag am Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes orientieren. Darüber hinaus fordert ver.di in einem ersten Schritt eine Begrenzung des Eigenanteils der Pflegebedürftigen. Bisher steigen bei jedem Tarifabschluss die Kosten für die Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen. „Der Zielkonflikt zwischen fairer Bezahlung der Beschäftigten, ausreichendem Personal und Begrenzung der Kosten für die Pflegebedürftigen muss gelöst werden“, sagt Bühler. Die Einführung einer Pflegevollversicherung sei der nächste Schritt, um das Pflegerisiko solidarisch zu finanzieren. 

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