Gesundheit

    Studie zum Tag der Menschen mit Behinderung veröffentlicht

    Behindertenhilfe: Aktuelle Studie zeigt hohe Belastungen

    03.12.2021 – Wie schlecht es um die Arbeitsbedingungen in der Behindertenhilfe bestellt ist, macht eine Beschäftigtenbefragung der TU Darmstadt deutlich, deren zentrale Ergebnisse am 3. Dezember 2021 veröffentlicht wurden. Demnach denkt fast die Hälfte der Beschäftigten darüber nach, ihren Beruf aufzugeben, weil die Belastungen zu hoch und durch die Pandemie noch weiter gestiegen sind. Über 60 Prozent der mehr als 8.000 Befragten sind in den vergangenen zwölf Monaten krank zur Arbeit gegangen. Fast 80 Prozent berichten von gestiegenen Anforderungen infolge der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie deckt auf, dass auch die Versorgungsqualität unter den schlechten Arbeitsbedingungen leidet. So gaben nur gut 21 Prozent der Beschäftigten an, genug Zeit zu haben, um auf die Bedarfe und Anforderungen ihrer Klientinnen und Klienten eingehen zu können. Der hohen Belastung steht aus Sicht der Beschäftigten eine unzureichende Bezahlung gegenüber: Über drei Viertel der Befragten halten ihr Einkommen nur in geringem Maß oder gar nicht für angemessen.

    Mädchen im Rollstuhl vor dem Computer: Von der Kindheit an ein Leben mit Behinderung – das braucht gute Begleitung und auch eine gute Behindertenhilfe Foto: Andi Weiland/gesellschaftsbilder.de Von der Kindheit an ein Leben im Rollstuhl – das braucht gute Begleitung


    Anlässlich der Studienergebnisse forderte ver.di am 3. Dezember, am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, bessere Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen der Behindertenhilfe. „Für eine gelingende Inklusion brauchen Menschen mit Behinderung die bestmögliche individuelle Unterstützung, das geht nur mit genug qualifiziertem Personal“, sagte Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. „Gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung sind Voraussetzungen dafür, dass sich in Zukunft genug Menschen für diese so wichtigen und verantwortungsvollen Berufe entscheiden und dort auch bleiben.“ Das Ziel, Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und nach dem Bundesteilhabegesetz gleichzeitig die Kosten drücken zu wollen, passe nicht zusammen, betonte Bühler. Inklusion erfordere nicht weniger, sondern mehr professionelle Unterstützung. „Beschäftigte in der Behindertenhilfe müssen vor Überforderung geschützt werden – auch im Interesse der Klientinnen und Klienten“, so die Gewerkschafterin. Zudem müsse der angekündigte Pflegebonus auch den Beschäftigten in der Behindertenhilfe ausgezahlt werden. Und: „Neben besseren Arbeitsbedingungen braucht es eine weitere finanzielle Aufwertung der Berufe in der Behindertenhilfe“, sagte Bühler auch unter Verweis auf die im nächsten Jahr anstehenden Tarifverhandlungen im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst. „Ob in öffentlichen, freigemeinnützigen, kirchlichen oder privaten Einrichtungen – die Bedingungen müssen sich flächendeckend verbessern." Dafür mache sich ver.di, die Gewerkschaft der Sozialen Arbeit, weiter stark.

    Mehr erfahren: Ergebnisse der Studie

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