Gesundheit

    Beschäftigte im Rettungsdienst brauchen bessere Bedingungen

    Ausufernde Arbeitszeiten und hoher Leistungsdruck

    Berlin, 23.08.2022 – Rund 7.000 Beschäftigte haben sich im Frühjahr an einer ver.di-Befragung zu ihren Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst beteiligt. Die Auswertung zeigt: Es besteht akuter Handlungsbedarf!

    Die Umfrageergebnisse im Detail

    Die Dienstpläne sind nicht verlässlich: Fast die Hälfte der Befragten arbeiten mindestens einmal pro Woche über ihre reguläre Arbeitszeit hinaus. Unzuverlässige Arbeitszeiten machen es schwer, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Das belastet. Ebenfalls belastend ist, dass fast alle Beschäftigten im Rettungsdienst – 95 Prozent – ihre gesetzlich vorgeschriebene Pause nicht immer wie vorgesehen nehmen können.

    Die Folgen bekommen die Kolleginnen und Kollegen auch gesundheitlich zu spüren. Die hohe Belastung trägt dazu bei, dass 84 Prozent fürchten, nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter im Beruf bleiben zu können. Das ist ein Alarmsignal. Für die Betroffenen kann das bedeuten, dass sie nach einem harten Arbeitsleben Rentenkürzungen hinnehmen müssen. Und für den Rettungsdienst insgesamt verstärkt sich der Fachkräftebedarf. Denn 58 Prozent der Retter*innen gehen davon aus, ihren Beruf maximal noch zehn Jahre auszuüben. Soll diese Lücke gefüllt werden, müssen sich die Bedingungen deutlich verbessern.

    Auf Schicht mit dem Notfallsanitäterteam


    „Gute Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst – das ist für die ganze Gesellschaft wichtig. Alle brauchen im Notfall schnelle und kompetente Hilfe. Deshalb muss die Politik gute Rahmenbedingungen schaffen. Und die Arbeitgeber stehen in der Pflicht, ordentliche Arbeitsbedingungen zu bieten“, sagt Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und Leiterin des Fachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft. ver.di ist die Gewerkschaft für alle Rettungskräfte – ob beim Deutschen Roten Kreuz, beim Arbeiter-Samariter-Bund, beim Malteser Hilfsdienst, bei der Johanniter-Unfall-Hilfe oder im kommunalen Rettungsdienst – und streitet für gute Arbeitsbedingungen, angemessene Bezahlung per Tarifvertrag und eine auskömmliche Finanzierung. Aber bessere Arbeitsbedinungen kommen nicht von allein. „Die Erfahrung zeigt: Wenn sich die Beschäftigten für ihre gemeinsamen Belange zusammenschließen und sich bei ver.di organisieren, können wir viel bewegen“, so Bühler.

    Höchstarbeitszeiten reduzieren

    Ein Hebel für bessere Arbeitsbedingungen ist die Begrenzung der ausufernden Arbeitszeiten. Im kommunalen Rettungsdienst hat ver.di deshalb eine Kampagne für die Verkürzung der Höchstarbeitszeiten gestartet. Im ersten Schritt soll die maximale Wochenarbeitszeit (inklusive Bereitschaftszeit) von 48 auf 44 Stunden reduziert werden. Denn mehr freie Zeit bedeutet mehr Möglichkeiten zur Regeneration und Freizeitgestaltung. Dieses Ziel will ver.di im öffentlichen Dienst angehen. Daher gilt es, Durchsetzungskraft aufzubauen. Denn bereits in der letzten Tarifrunde hat sich gezeigt, dass die kommunalen Arbeitgeberverbände Verbesserungen blockieren – wenn sie nicht dazu gezwungen werden.

    „Es ist ganz klar: Um bessere Arbeitsbedingungen und ordentliche Tarifverträge zu erreichen, brauchen wir Durch- und Umsetzungskraft. Und die hängt davon ab, wie viele Kolleginnen und Kollegen sich mit uns in ver.di organisieren“, sagt Norbert Wunder, Vorsitzender der ver.di-Bundesfachkommission Rettungsdienst und Leiter der kommunalen Rettungswache in Elmshorn. „Weil wir beim DRK in vielen Regionen gut aufgestellt sind, konnten wir die Wochenarbeitszeit im Reformtarifvertrag schon von 48 auf 45 Stunden reduzieren. Wir wollen weiter runter. Gerade auch im öffentlichen Dienst und bei anderen Rettungsdienstbetreibern. Ob wir das schaffen, hängt letztlich vom Organisationsgrad ab. Geschenkt kriegen wir nichts.“

    Der Haustarifvertrag für die Rettungs- und Sozialdienste ASB Löbau ist auch für andere wegweisend Desert/dpa-Bildfunk Rettungsdienst des ASB unterwegs


    Befragung zu 24-Stunden-Schichten

    ver.di hat bereits in der Tarifrunde 2020 die Reduzierung der Wochenhöchstarbeitszeit im Rettungsdienst ins Spiel gebracht. Die Arbeitgeber signalisierten dazu grundsätzliche Gesprächsbereitschaft, wollen aber dann auch im Tarifvertrag 24-Stunden-Schichten ermöglichen. Wir wissen, dass es unter unseren Mitgliedern unterschiedliche Positionen dazu gibt. Für ver.di ist klar, dass 24-Stunden-Schichten, wenn überhaupt, dann nur mit Auflagen tarifiert werden können. Dazu gehört, den Anteil der tatsächlichen Arbeitsleistung auf ein vernünftiges und zumutbares Maß zu begrenzen, individuelle Gefährdungsbeurteilungen und natürlich die Freiwilligkeit. Damit ver.di für die Gespräche mit den Arbeitgebern ein Meinungsbild der Mitgliedschaft im kommunalen Rettungsdienst bekommt, läuft auch dazu eine Befragung. Je mehr mitmachen, je klarer wird das Bild. Teilnahmeschluss ist der 29. September 2022.

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