Tarifrunde 2021 erfolgreich abgeschlossen – nur Amazon will nicht abschließen

    Berlin, 01.11.2021 – Bundesweit sind die Tarifverhandlungen im Einzel- und Versandhandel abgeschlossen. Nur der Versandhändler Amazon will weiterhin keinen Tarifvertrag abschließen. „Es kann nicht angehen, dass sich ein milliardenschwerer multinationaler Konzern dumm und dusselig verdient und sich dennoch weigert, den Beschäftigten die Lohnsteigerungen zukommen zu lassen, die andere Unternehmen der Branche den Kolleginnen und Kollegen zahlen“, so Orhan Akman, ver.di-Bundesfachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel. ver.di hat die Amazon-Beschäftigten deshalb für den 1. November 2021 an den Standorten in Leipzig und an zwei Standorten in Bad Hersfeld zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Mit der ersten Arbeitsschicht in der Nacht zum 2. November treten dann auch Beschäftigte an den Amazon-Standorten in Werne, Rheinberg, Koblenz und Graben in den Ausstand.

    Nachdem am Freitag, den 8. Oktober 2021, im größten Bundesland – in Nordrhein-Westfalen – der entscheidende Durchbruch im Tarifkonflikt im Einzelhandel erreicht werden konnte, haben unterdessen alle anderen Bundesländer nachgezogen. Zwei Nächte lang war bereits Ende September im hessischen Handel verhandelt worden. Dann stand am 29. September nach fast sechsmonatigen Tarifverhandlungen dort der erste Tarifabschluss überhaupt in der Handelstarifrunde auf Papier.

    Nicht nur ein Verhandlungsmarathon, sondern auch eine mehrmonatige durch zahlreiche Streiks und öffentliche Aktionen geprägte Tarifrunde gehe damit zuende, hatte Bernhard Schiederig, Landesfachbereichsleiter Handel in ver.di Hessen und Verhandlungsführer für den hessischen Einzel- und Versandhandel, nach den durchverhandelten Nächten gesagt. „Neben der materiellen Erhöhung der Gehälter, Löhne und Ausbildungsvergütungen ist es uns gelungen, die von den Arbeitgebern lange Zeit favorisierte Differenzierung der Branche und damit von ihnen abgeleitete Ungleichbehandlung der Beschäftigten verschiedener Bereiche des Einzel- und Versandhandels zu verhindern. Unsere Forderung ‚Gleiche Erhöhung für alle im Handel‘ war nicht nur populär unter den Beschäftigten, sondern fand auch eine positive Resonanz in der Öffentlichkeit“, so Schiederig. „Erneut konnten wir eine überproportionale Erhöhung für die unteren Entgeltgruppen erreichen. Das ist ein großer Erfolg“, kommentierte Silke Zimmer, die ver.di-Verhandlungsführerin in NRW, den Abschluss in ihrem Bundesland.

    Beschäftigte im Handel

    Beschäftigte im Handel
    © ver.di

    Die Ergebnisse im Detail

    Die Entgelte werden rückwirkend zum 1. August bzw. zum 1. September in NRW dieses Jahres um 3 Prozent und zum 1. April 2022 (1. Mai 2022 in NRW) um weitere 1,7 Prozent angehoben. Die Ausbildungsvergütungen steigen in beiden Tarifjahren in allen drei Ausbildungsjahren um jeweils 30 Euro. Dies entspricht einer durchschnittlichen Steigerung je Tarifjahr um 2,5 bis 3 Prozent.

    In der Tarifrunde im Einzel- und Versandhandel haben mehrere zehntausend Kolleg*innen für einen Tarifabschluss gekämpft. Mit dem Abschluss in Hessen wurde der erste Durchbruch erzielt. In Sachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen konnte am 4. Oktober in der 5. Verhandlungsrunde ein identischer Abschluss für die 280.000 Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel dort erzielt werden ebenso wie für die Beschäftigten im bayerischen Groß- und Außenhandel nach 100 Streikaktionen. Dort steigen die Ausbildungsvergütungen allerdings jeweils nur um 20 Euro. Am 18. Oktober wurden in Niedersachsen/Bremen und in Hamburg die nächsten Abschlüsse erreicht. Dort steigen die Löhne rückwirkend zum 1. September um 3 Prozent, zum 1. Mai 2022 steigen die Löhne um weitere 1,7 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen steigen zum 1. September 2021 und 2022 jeweils um 30 Euro.

    Einen Tag später wurde in Berlin und Brandenburg die Tarifrunde mit einem Abschluss beendet. Die Löhne und Gehälter für die Beschäftigten steigen zum 1. November 2021 um 3 Prozent. Für die Auszubildenden steigen die Vergütungen jeweils zum 1. September in diesem und im darauffolgenden Jahr um 30 Euro. Ab dem 1. Juli 2022 erhalten alle Beschäftigten des Einzelhandels weitere 1,7 Prozent. Und inzwischen konnten in Baden-Württemberg, dem Saarland, in Schleswig-Holstein, in Rheinland-Pfalz und zu guter Letzt in Mecklenburg-Vorpommern am 27. Oktober nahezu identische Abschlüsse erzielt werden. Im Groß- und Außenhandel wurden ebenfalls erste Abschlüsse erzielt, Details zu den Abschlüssen finden sich weiter unten für jedes einzelne Bundesland.

    Die neuen Gehalts- und Lohntarifverträge haben eine Laufzeit von 24 Monaten.

    Unternehmen im Handel

    Unternehmen im Handel
    © ver.di

    Das ist der Verhandlungsstand in den einzelnen Bundesländern

    Baden-Württemberg

    Ab­schluss im Ein­zel- und Groß­han­del
    Die Ab­schlüs­se im De­tail

    Im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Ein­zel und Ver­sand­han­del wur­de für ei­ne Lauf­zeit von 24 Mo­na­ten (1.4.2021 bis 31.03.2023) fol­gen­des ver­ein­bar­t: • Ab 1. Au­gust 2021 wer­den Ge­häl­ter und Löh­ne um 3 % er­höht • Ab 1. April 2022 gibt es ei­ne wei­te­re Er­hö­hung um 1,7 % • Die Aus­bil­dungs­ver­gütun­gen wer­den je­weils zum be­gin­nen­den Aus­bil­dungs­jahr an­ge­ho­ben: 30 € zum 1.8.2021 und wei­te­re 30 € zum 1.8.2022. ­Die Ver­ein­ba­rung ist oh­ne Er­klä­rungs­frist ab­ge­schlos­sen, wird so­mit so­fort wirk­sam. Im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Groß- und Au­ßen­han­del wur­de be­reits ab­ge­schlos­sen. Dort stei­gen die Löh­ne zum 1. Ok­to­ber um 3,0 Pro­zent, im März 2022 gibt es noch ein­mal 1,7 Pro­zent mehr. Au­ßer­dem konn­te ei­ne Ein­mal­zah­lung in Hö­he von 84 Eu­ro im kom­men­den Ja­nu­ar durch­ge­setzt wer­den. Die Lauf­zeit des Ta­rif­ver­trags be­trägt 25 Mo­na­te.

    Bayern

    Ab­schluss im Groß- und Au­ßen­han­del
    Der Ab­schluss im De­tail

    Nach über 100 Streikak­tio­nen im baye­ri­schen Groß- und Au­ßen­han­del konn­ten sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in den spä­ten Abend­stun­den auf einen Ta­ri­fab­schluss ei­ni­gen. Die Be­schäf­tig­ten im Groß- und Au­ßen­han­del er­hal­ten rück­wir­kend zum 1. Ok­to­ber 2021 ei­ne Ent­gelt­er­hö­hung von 3%. Zum 1.4.2022 wer­den die Ent­gel­te um wei­te­re 1,7 % stei­gen. Die Ver­gü­tung der Aus­zu­bil­den­den wird in 2021 um 30 € und in 2022 um 20 € an­ge­ho­ben. Der neue Ta­rif­ver­trag hat ei­ne Lauf­zeit von 24 Mo­na­ten. Im Ein­zel- und Ver­sand­han­del wird am 22.10.2021 wie­der ver­han­del­t.

    Berlin/Brandenburg

    Ab­schluss im Ein­zel- und Ver­sand­han­del
    Der Ab­schluss im De­tail

    Die Löh­ne und Ge­häl­ter für die Be­schäf­tig­ten, die bis zur Ge­halts­grup­pe Ver­käu­fe­rin/­Ver­käu­fer im letz­ten Be­rufs­jahr (2.663 Eu­ro in Voll­zeit) ein­grup­piert sin­d, stei­gen zum 1. No­vem­ber 2021 um 3 Pro­zent. Be­schäf­tig­te in hö­he­ren Ent­gelt­grup­pen er­hal­ten einen Fest­be­trag in Hö­he von 80 Eu­ro. Die ge­rin­ge­ren Ein­kom­men er­hö­hen sich al­so über­pro­por­tio­nal. Das Glei­che gilt für die Aus­zu­bil­den­den: De­ren Ver­gü­tun­gen stei­gen je­weils zum 1. Sep­tem­ber in die­sem und im dar­auf­fol­gen­den Jahr um 30 Eu­ro. Ab dem 1. Ju­li 2022 er­hal­ten al­le Be­schäf­tig­ten des Ein­zel­han­dels wei­te­re 1,7 Pro­zent.

    Hamburg

    Ab­schluss im Ein­zel- und Ver­sand­han­del
    Der Ab­schluss im De­tail

    In Ham­burg stei­gen die Löh­ne rück­wir­kend zum 1. Sep­tem­ber um 3,0 Pro­zent, ei­ne wei­te­re Lohn­stei­ge­rung gibt es am 1. Mai 2022 um 1,7 Pro­zent. Die Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen stei­gen zum 1. Sep­tem­ber 2021 und 2022 je­weils um 30 Eu­ro. Die Ta­rif­ver­trä­ge lau­fen bis zum 30. April 2023.

    Hessen

    Ers­ter Ab­schluss im Han­del
    Der Ab­schluss im De­tail

    Am 29. Sep­tem­ber 2021 wur­de im hes­si­schen Ein­zel- und Ver­sand­han­del der ers­te Ab­schluss in den Ta­rifrun­den des Han­dels er­ziel­t. Die Ent­gel­te wer­den rück­wir­kend zum 1. Au­gust die­ses Jah­res um 3 Pro­zent und zum 1. April 2022 um wei­te­re 1,7 Pro­zent an­ge­ho­ben. Die Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen stei­gen in bei­den Ta­rif­jah­ren in al­len drei Aus­bil­dungs­jah­ren um je­weils 30 Eu­ro. Dies ent­spricht ei­ner durch­schnitt­li­chen Stei­ge­rung je Ta­rif­jahr um 2,5 bis 3 Pro­zent.

    Mecklenburg-Vorpommern

    Ab­schluss im Ein­zel- und Ver­sand­han­del
    Der Ab­schluss im De­tail

    Die Löh­ne und Ge­häl­ter für die Be­schäf­tig­ten, die bis zur Ge­halts­grup­pe der Ver­käu­fer*in im letz­ten Be­rufs­jahr (2,622,58 Eu­ro in Voll­zeit) ein­grup­piert sin­d, stei­gen zum 1. No­vem­ber 2021 um 3 Pro­zent. ­Für al­le Be­schäf­tig­ten in hö­he­ren Ent­gelt­grup­pen gibt es einen Fest­be­trag in Hö­he von 78,68 Eu­ro. Ab dem 1. Ju­li 2022 er­hal­ten al­le Be­schäf­tig­ten des Ein­zel­han­dels wei­te­re 1,7 Pro­zent. ­Die Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen stei­gen je­weils zum 1. Sep­tem­ber in die­sem und im dar­auf­fol­gen­den Jahr um 30 Eu­ro. ­Der neue Ta­rif­ver­trag hat ei­ne Lauf­zeit von 24 Mo­na­ten.

    Niedersachsen/Bremen

    Ab­schluss im Ein­zel- und Groß­han­del
    Der Ab­schlüs­se im De­tail

    In Nie­der­sach­sen/­Bre­men stei­gen die Löh­ne im Ein­zel- und Ver­sand­han­del rück­wir­kend zum 1. Sep­tem­ber um 3,0 Pro­zent, ei­ne wei­te­re Lohn­stei­ge­rung gibt es am 1. Mai 2022 um 1,7 Pro­zent. Die Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen stei­gen zum 1. Sep­tem­ber 2021 und 2022 je­weils um 30 Eu­ro. Die Ta­rif­ver­trä­ge lau­fen bis zum 30. April 2023. ­Die Be­schäf­tig­ten im Groß- und Au­ßen­han­del er­hal­ten rück­wir­kend zum 1. Ok­to­ber 2021 ei­ne Ent­gelt­er­hö­hung von 3%. Zum 1.4.2022 wer­den die Ent­gel­te um wei­te­re 1,7 % stei­gen. Die Ver­gü­tung der Aus­zu­bil­den­den wird in 2021 um 30 € und in 2022 um 20 € an­ge­ho­ben. Der neue Ta­rif­ver­trag hat ei­ne Lauf­zeit von 24 Mo­na­ten.

    Nordrhein-Westfalen

    Ab­schluss im Ein­zel- und Groß­han­del
    Der Ab­schlüs­se im De­tail

    Die Löh­ne und Ge­häl­ter für die Be­schäf­tig­ten im Ein­zel- und Ver­sand­han­del, die bis zur Ge­halts­grup­pe Ver­käu­fe­rin im letz­ten Be­rufs­jahr (2.704 Eu­ro in Voll­zeit) ein­grup­piert sin­d, stei­gen rück­wir­kend zum 1. Sep­tem­ber 2021 um 3 Pro­zent. Für al­le Be­schäf­tig­ten in hö­he­ren Ent­gelt­grup­pen gibt es einen Fest­be­trag in Hö­he von 81,12 Eu­ro. Ab dem 1. Mai 2022 er­hal­ten al­le Be­schäf­tig­ten des Ein­zel­han­dels wei­te­re 1,7 Pro­zent. Die Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen stei­gen je­weils zum 1. Sep­tem­ber in die­sem und im dar­auf­fol­gen­den Jahr um 30 Eu­ro. Der neue Ta­rif­ver­trag hat ei­ne Lauf­zeit von 24 Mo­na­ten. ­Die Löh­ne und Ge­häl­ter im Groß- und Au­ßen­han­del stei­gen rück­wir­kend zum 1. Ok­to­ber 2021 um 3 Pro­zent und ab dem 1. April 2022 um wei­te­re 1,7 Pro­zent. Die Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen stei­gen zum 1. Sep­tem­ber 2021 um 30 Eu­ro und am 1. Sep­tem­ber 2022 um 20 Eu­ro. Der neue Ta­rif­ver­trag hat ei­ne Lauf­zeit von 24 Mo­na­ten.

    Rheinland-Pfalz

    Ab­schluss im Ein­zel- und Groß­han­del
    Die Ab­schlüs­se im De­tail

    Das Ver­hand­lungs­er­geb­nis im Ein­zel- und Ver­sand­han­del sieht im Ein­zel­nen fol­gen­de Er­hö­hun­gen der Ein­kom­men vor­: 3,0 % mehr (höchs­tens 81,12 €) ab dem 1. Sep­tem­ber 2021 (nach 4 Null­mo­na­ten) Wei­te­re 1,7 % mehr ab dem 1. Mai 2022 ­Die Aus­zu­bil­den­den­ver­gü­tun­gen wer­den zum 1. Au­gust 2021 und zum 1. Au­gust 2022 je­weils um 30 € je Aus­bil­dungs­jahr er­höht ­Die Lauf­zeit des Ta­rif­ver­trags be­trägt 24 Mo­na­te, er läuft so­mit bis zum 30. April 2023. Im Groß- und Au­ßen­han­del sieht der Ab­schluss wie folgt aus­: Ab 1.10.2021 3% Ab 1.4.2022 1,7 % ­Aus­zu­bil­den­de: 1.9.2021 pro Aus­bil­dungs­jahr 30,-€ 1.9.2022 pro Aus­bil­dungs­jahr 20,- € b­zw. Ab 1.11.2021 3% Ab 1.5.2022 1,7 % ­Aus­zu­bil­den­de: 1.9.2021 pro Aus­bil­dungs­jahr 30,-€ 1.9.2022 pro Aus­bil­dungs­jahr 20,- € je nach Re­gi­on.

    Saarland

    Ab­schluss im Ein­zel- und Ver­sand­han­del
    Der Ab­schluss im De­tail

    Das Ver­hand­lungs­er­geb­nis sieht fol­gen­de Er­hö­hun­gen der Ein­kom­men vor­: • 3,0 % mehr (höchs­tens 81,12 €) ab dem 01. Au­gust 2021 (nach 4 Null­mo­na­ten) • Wei­te­re 1,7 % mehr ab dem 1. April 2022 • ­Die Aus­zu­bil­den­den­ver­gü­tun­gen wer­den zum 1. Au­gust 2021 und zum 01. April 2022 je­weils um 30 € je Aus­bil­dungs­jahr er­höht • ­Die Lauf­zeit der Ta­rif­ver­trä­ge dau­ert 24 Mo­na­te, so­mit bis zum 31. März 2022 K­ei­ne Ei­ni­gung gab es in der Fra­ge der ge­for­der­ten All­ge­mein­ver­bind­lich­keit der Ta­rif­ver­trä­ge für den saar­län­di­schen Ein­zel- und Ver­sand­han­del. Ver­.­di wird die­se For­de­rung auf der po­li­ti­schen Ebe­ne wei­ter­ver­fol­gen.

    Sachsen, Sachsen-Anhalt-Thüringen

    Ab­schluss im Ein­zel- und Ver­sand­han­del
    Der Ab­schluss im De­tail

    In der 5. Ver­hand­lungs­run­de ei­nig­ten sich ver­.­di und der Ein­zel­han­dels­ver­band in Mit­tel­deutsch­land für die 280.000 Be­schäf­tig­ten auf einen Ta­ri­fab­schluss. Die Löh­ne und Ge­häl­ter wer­den bis zum Ver­käu­fe­rin­ne­nend­ge­halt um 3 % zum 1. Ok­to­ber 2021 er­höht. Al­le Grup­pen dar­über wer­den um 79,98 Eu­ro er­höht. Zum 1. Ju­ni 2022 gibt es für al­le Grup­pen ei­ne wei­te­re Er­hö­hung von 1,7 %. Die Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen wer­den je­weils zum 1. Sep­tem­ber um 30 Eu­ro er­höht.

    Schleswig-Holstein

    Ab­schluss im Ein­zel- und Ver­sand­han­del
    Der Ab­schluss im De­tail

    Die Löh­ne und Ge­häl­ter für die Be­schäf­tig­ten, die bis zur Ge­halts­grup­pe der Ver­käu­fer*in im letz­ten Be­rufs­jahr (2.702,45 Eu­ro in Voll­zeit) ein­grup­piert sin­d, stei­gen rück­wir­kend zum 1.­Sep­tem­ber 2021 um 3 Pro­zent. ­Für al­le Be­schäf­tig­ten in hö­he­ren Ent­gelt­grup­pen gibt es einen Fest­be­trag in Hö­he von 81,07 Eu­ro. Ab dem 1. Mai 2022 er­hal­ten al­le Be­schäf­tig­ten des Ein­zel­han­dels wei­te­re 1,7 Pro­zent. ­Die Aus­bil­dungs­ver­gütun­gen stei­gen je­weils zum 1. Sep­tem­ber in die­sem und im dar­auf­fol­gen­den Jahr um 30 Eu­ro. ­Der neue Ta­rif­ver­trag hat ei­ne Lauf­zeit von 24 Mo­na­ten. ­Be­son­ders wich­tig ist aus Sicht von ver­.­di au­ßer­dem der Weg­fall der von der Ar­beit­ge­ber­sei­te ge­wünsch­ten Bran­chen­dif­fe­ren­zie­rung im Ta­rif­ver­trag.

    

    AVE – Allgemeinverbindlichkeit

    Das wol­len al­le Bun­des­län­der

    In ei­ner ge­mein­sa­men In­itia­ti­ve soll in je­dem Bun­des­land die All­ge­mein­ver­bind­lich­keit der Ta­rif­ver­trä­ge im Ein­zel­han­del wie­der er­reicht wer­den. Dann wür­den re­gio­nal im Ein­zel­han­del die glei­chen Löh­ne ge­zahlt wer­den.

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    Inzwischen gelten in allen Supermärkten in Deutschland strenge Hygienevorschriften für die Beschäftigten und Kund*innen
    © dpa

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    Worum ging es in der Tarifrunde im Handel?

    Das zurückliegende Jahr 2020 war im Handel nicht nur online ein Rekordjahr: Trotz der Lockdowns seit nunmehr über einem Jahr hat der Einzel- und Versandhandel den Gesamtumsatz intensiv gesteigert. Es war das elfte Wachstumsjahr in Folge und die Erlöse lagen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes real um knapp vier Prozent höher als 2019; im Großhandel waren es immerhin noch 1,8 Prozent. Darin steckt Rekordarbeit – und sie wird in großen und kleinen Geschäften, in Versandzentren, Lägern, auf LKWs sowie in Büros geleistet.

    Es gab in den anstehenden Tarifrunden im Einzel- und Großhandel also etwas zu verteilen, wenngleich Corona sich in der gesamten Branche sehr unterschiedlich ausgewirkt hat. Während außer dem Versand- und Onlinegeschäft zum Beispiel auch der Handel mit Lebensmitteln und Baustoffen oder Pharmaprodukten enorm nach oben schnellte, gab es empfindliche Einbußen beim Mode- und Innenstadthandel sowie beim Verkauf von Maschinen und Ausrüstungen.

    Bei tarifgebundenen Unternehmen, die wegen der Pandemie in die Krise geraten sind, ist ver.di im Handel deshalb weiter offen für tarifpolitische Lösungen, um damit die Arbeitsplätze der Kolleginnen und Kollegen abzusichern. Am 28. April war der Auftakt zur ersten Verhandlungsrunde im Handel in Baden-Württemberg. Im Verlauf des Monats Mai starteten in fast allen anderen Bundesländern ebenfalls die Tarifrunden, lediglich in Mecklenburg-Vorpommern ging es erst am 24. Juni los. Dort wurde auch erst zuletzt abgeshlossen.

    4,5 Prozent und ein Festbetrag mehr

    Als Slogans hatten die Tarifkommissionen „Ohne uns kein Geschäft!“ beziehungsweise „Ohne uns kein Handel!“ gewählt, weil sehr viele Beschäftigte trotz extrem gestiegener Belastungen „den Laden am Laufen“ halten. Andere müssen durch Kurzarbeit empfindliche Gehaltseinbußen hinnehmen. Das braucht dringend einen Ausgleich, verlangt Respekt und Anerkennung.

    Hauptanliegen von ver.di im Einzel- und Versandhandel war es, die Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent und um 45 Euro zu erhöhen. Mit Blick auf eine Mindestabsicherung im Alter wird als nächster Schritt auch ein tariflicher Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde gefordert. Die Auszubildenden sollten in der Regel 100 Euro mehr im Monat bekommen.

    Für den Groß und Außenhandel war die Spannbreite der Forderungen relativ groß. Sie bewegten sich zwischen 4,5 Prozent plus Festbetrag und 6 Prozent, wobei alternativ Festbeträge bis zu 199 Euro verlangt wurden. In Sachsen sollten die Arbeitgeber 1 Euro mehr pro Stunde zahlen.

    Systemrelevanz muss sich in Euro und Cent ausdrücken

    Maurike Maaßen ist eine erfahrene Gewerkschafterin aus der Praxis, Betriebsrätin bei Netto in Essen, Mitglied der Tarifkommission und auf vielen Ebenen bei ver.di ehrenamtlich aktiv. Sie empfand das Verhalten der Arbeitgeber als „Dreistigkeit ohne Ende“. Denn, auch wenn es schon oft gesagt worden sei, stimme die Aussage: „Wir haben es verdient!“ Die Kolleg*innen in den Geschäften hätten in den zurückliegenden Monaten schwer geschuftet, aber mehr als Beifall sollten sie dafür nicht erhalten. Verzweifelt seien auch die Kolleg*innen gewesen, die wegen des Lockdowns nicht in den Läden vor Ort arbeiten konnten, inzwischen allerdings sehr viel für das Online-Geschäft getan hätten. „Es hieß ja so oft, dass wir ,systemrelevant‘ sind. Das muss sich nun in Euro und Cent ausdrücken.“

    Große Angst vor Altersarmut

    „Die Angst vor Altersarmut ist sehr groß, weil es bei den Einkommen hinten und vorne nicht reicht“, sagt Jürgen Schulz, der bei Saturn beschäftigt ist. Er gehört der Tarifkommission für den Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen an, in der kürzlich die Ergebnisse einer Tarifbefragung diskutiert wurden, in die fast 900 Betriebe einbezogen waren. Dass den Beschäftigten im Handel Altersarmut droht, untermauert auch eine aktuelle Studie, laut der jede zweite Verkäuferin in Nordrhein-Westfalen nur einen Niedriglohn bezieht. Dumping prägt bereits weite Teile des deutschen Einzel- und Versandhandels, angefacht durch die anhaltende Tarifflucht. Inzwischen sind rund 80 Prozent der Betriebe im Handel nicht mehr an die Flächentarifverträge gebunden.

    Neben einem deutlichen Gehaltsplus forderte ver.di deshalb für den gesamten Handel die sogenannte Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge, kurz: AVE, die dann für alle Betriebe gelten würden. Eine gemeinsame Beantragung von Gewerkschaft und Arbeitgebern bei den Arbeitsministerien, die dafür notwendig wäre, haben die Arbeitgeberverbände bis zum Ende verweigert.

    Mehr erfahren zur Tarifrunde im Handel