Soziale Berufe aufwerten

    Dokumentation

    (Ver-)Handeln Sie!

    Dortmund, 24. Mai 2015

    Sehr geehrter Herr Böhle,
    Sehr geehrter Herr Hoffmann,
    Sehr geehrter Herr Roters,

    am 28. Mai 2015 werden Sie sich mit den Mitgliedern der VKA (Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeber) treffen und zur aktuellen Situation in der Tarifauseinandersetzung im Sozial- und Erziehungsdienst beraten. Aus diesem Anlass wenden wir uns heute an Sie.

    Aus zahlreichen E-Mails und Gesprächen mit Dortmunder Eltern wissen wir um die Folgen dieses Arbeitskampfes und wissen, wie das Verhalten der VKA und Ihrer Verhandlungsführer bewertet wird. Hierüber möchten wir Sie heute informieren, da wir hoffen, dass dies für Sie von Bedeutung ist und Sie sich davon beeindrucken lassen.

    „Die von Ihnen gezeigte Haltung in den bisherigen fünf Verhandlungsrunden präsentiert sich aus Sicht der Eltern als eine Verweigerung, die Interessen und Forderungen ihres Konfliktpartners ernst zu nehmen.“

    In den Verhandlungen mit ver.di wurde bisher von Ihrer Seite kein verbindliches Angebot vorgelegt. Die von Ihnen gezeigte Haltung in den bisherigen fünf Verhandlungsrunden präsentiert sich aus Sicht der Eltern als eine Verweigerung, die Interessen und Forderungen ihres Konfliktpartners ernst zu nehmen. Sie zeigten bisher keine Bereitschaft, sich Ihrem Konfliktpartner anzunähern und auf einen Kompromiss einzulassen. Sie handeln durch Nichthandeln!

    Verantwortliches Handeln in konflikthaften Auseinandersetzungen zeigt sich nicht in einem kompromisslosen Durchsetzen von eigenen Interessen und einer Nichtberücksichtigung der hieraus entstehenden Schäden. Verantwortliches Handeln zeigt sich in der Würdigung und im ernst nehmen der Interessen der anderen Konfliktparteien. Verantwortliches Handeln in einem Konflikt zeigt sich in einem Interesse, durch die eigenen Verhandlungsstrategien sowenig Schaden wie möglich zu erzeugen.

    Solch verantwortungsvolles Handeln erleben die Eltern von der VKA bisher nicht!

    Um die Betreuung der Kinder zu gewährleisten, müssen die Eltern Urlaubstage aufwenden, geplante Erholungsurlaube müssen dafür abgesagt werden, Gehaltseinbußen entstehen, die allgemeinen Lebenskosten bleiben aber erhalten. Beschäftigungsverhältnisse werden belastet, immer mehr Arbeitgeber zeigen zunehmend weniger Verständnis und Entgegenkommen für die besondere Belastung der Eltern. Kinder im Alter unter 3 Jahren und Kinder mit Förderbedarf sind zusätzlichen Belastungen ausgesetzt, diese können kaum durch andere Elternteile oder auf Notplätzen in einer fremden Umgebung betreut werden. Ausflüge, Projekte, Ferienfreizeiten und andere auch mit ehrenamtlichem Engagement der Eltern geplante und teilweise auch kostenpflichtige und durch Fördervereine finanzierte Freizeitaktivitäten müssen abgesagt werden. Ebenso Sommerfeste und Feste zur Verabschiedung der Vorschulkinder.

    „Die Eltern erleben sich durch die aktuellen Folgen dieses Arbeitskampfes ohnmächtig, hilflos und wütend.“

    Das tägliche Organisieren einer Sicherstellung der Kinderbetreuung geht weit über das Erleben einer Herausforderung bei allen Beteiligten (Kinder, Eltern, Großeltern und andere Vertrauenspersonen, Arbeitgeber und Arbeitskollegen) hinaus. Die Eltern erleben sich durch die aktuellen Folgen dieses Arbeitskampfes ohnmächtig, hilflos und wütend. Die Kinder sind traurig und enttäuscht aufgrund der nicht stattfindenden Aktionen und Feste, gerade gegen Ende des Kindergartenjahres und besonders vor dem Wechsel in die Schule. Ihnen fehlt der sichere und vertraute Rahmen mit den ihnen vertrauten ErzieherInnen und Kindern. Es fehlen Rituale und vertraute Alltagsstrukturen.

    Dies alles führt zunehmend zu emotionalem Stress und Überforderungssymptomen.

    Die betroffenen Eltern erleben das Verhalten der VKA als ein Machtgebaren auf dem Rücken der Eltern und Kinder. Die (Nicht-)Verhandlungsstrategie der VKA wird als verantwortungslos und rücksichtslos erlebt. Die vielfältige Betroffenheit bei Eltern und Kindern wirkt kalt kalkuliert. Das Leiden der Eltern und Kinder wird scheinbar nicht nur in Kauf genommen, es erscheint geradezu als ein gewolltes Druckmittel in diesem Machtkampf.

    Die Eltern und Kinder wollen dies nicht! Sie wollen nicht mit ihrer Not ein Druckmittel in der Auseinandersetzung zwischen Ihnen und ver.di sein.

    Die Eltern und Kinder wollen, dass der Arbeitskampf zu einem Ergebnis gebracht wird. Sie wollen, dass die Kindertageeinrichtungen wieder öffnen. Dies ließe sich sehr schnell herstellen, wenn Sie Ihrem Konfliktpartner ein Angebot machen würden, welches ihm ermöglicht, von seiner gegenwärtigen Strategie abzurücken und den Erzwingungsstreik zu unterbrechen.

    Dies erfordert von Ihnen, dass Sie sich mit verantwortlich fühlen für das Leiden der Eltern und Kinder. Dies erfordert von Ihnen, dass Sie Interesse zeigen an einer Einigung mit Ihrem Konfliktpartner. Dies erfordert von Ihnen, dass Sie sich beeindrucken und berühren lassen von der Not der von diesem Arbeitskampf hauptsächlich betroffenen Menschen.

    Die Eltern und Kinder wollen sich wieder sicher fühlen und wollen wieder Vertrauen haben. Sie wollen vertrauen in Politiker und Entscheidungsträger, die sich verantwortlich verhalten und die Interessen und Bedürfnisse der Eltern und Kinder bei ihren Verhandlungsstrategien berücksichtigen.

    Im Namen der Dortmunder Eltern von ca. 7.000 vom aktuellen Arbeitskampf betroffenen Kindern appellieren wir an Ihr Herz, an Ihre Vernunft und an Ihr soziales und gesellschaftliches Verantwortungsgefühl:

    • Hören Sie auf mit diesem Machtkampf!
    • Machen Sie ver.di verbindliche Angebote und sorgen Sie dadurch für eine Aussetzung des Streiks!
    • Zeigen Sie sich verantwortlich für die Kinder und Eltern in diesem Land!
    • Gehen Sie auf ver.di zu und tun Sie das Ihnen Mögliche, um diesen Arbeitskampf schnell zu beenden!
    • Folgen Sie dem Aufruf von Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau, schnellstmöglich Verhandlungen mit den Gewerkschaften aufzunehmen!
    • (Ver-)Handeln Sie!

    Mit freundlichen Grüßen
    Stadtelternrat Dortmund

    Ina Müller ist Elternbeiratsvorsitzende und Organisatorin der Kinderbetreuung durch Eltern in Stuttgart Foto: Daniel Naupold/dpa Eine Mutter trotzt dem Streik in einer Stuttgarter Kita – mit anderen Eltern hat sie die Betreuung der Kinder übernommen