Amazon: Her mit dem Tarifvertrag

    Aktionstag gegen Ausbeutung beim Online-Händler

    Zahltag bei Amazon

    Berlin, 25.11.2021 – Morgen, beziehungsweise heute Nacht, wenn die Uhren auf 0:01 umspringen, startet die Rabattschlacht am sogenannten „Black Friday“. Weltweit werden vor allem auch auf der Online-Plattform des Online-Händlers Amazon dann wieder vermeintliche Schnäppchen gemacht. So billig wie möglich versucht der amerikanische Handelskonzern seit Jahren auch seinen Vertrieb und seine Beschäftigten zu halten. Weltweit wehren sich die Amazon-Beschäftigten inzwischen dagegen. Immer wieder heißt es deshalb am Black Friday „Make Amazon Pay“.

    Auch ver.di ruft die Amazon-Beschäftigten in Deutschland erneut zu Streiks auf. Ab heute Nacht wollen die Beschäftigten in den Versandzentren Rheinberg, Koblenz und Graben bei Augsburg die Arbeit niederlegen. Auch an den anderen Standorten werden Aktivitäten vorbereitet. An sieben Standorten wird ver.di auch auf die Ausbeutung der Auslieferer aufmerksam machen. Vor allem auf der sogenannten „letzten Meile“ sind die Arbeitsbedingungen der Zusteller der Waren teils verheerend.

    „ver.di unterstützt den weltweiten Aktionstag, denn auch hier gilt: Amazon muss zur Kasse gebeten werden! Es muss Schluss sein mit Steuervermeidung und Tariflosigkeit.“

    Orhan Akman, Fachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel in der ver.di-Bundesverwaltung

    Die Aktionen sind Bestandteil eines weltweiten Aktionstages, den die internationale Dienstleistungsgewerkschaft UNI Global Union, der auch ver.di angehört, zum „Black Friday“ gegen die Ausbeutung durch Amazon organisiert. An den Aktivitäten beteiligen sich in diesem Jahr Beschäftigte unter anderem in den USA, Bangladesch, Spanien, Indien, Frankreich, Italien und Großbritannien. „ver.di unterstützt den weltweiten Aktionstag, denn auch hier gilt: Amazon muss zur Kasse gebeten werden! Es muss Schluss sein mit Steuervermeidung und Tariflosigkeit“, sagt Orhan Akman, Fachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel bei ver.di.

    Preiskrieg mit Riesengewinnen

    Für die Aktionstage „Black Friday“ (26. November) und „Cyber Monday“ (29. November) erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) einen Gesamtumsatz von rund 4,9 Milliarden Euro, das wäre ein Zuwachs von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Es ist absehbar, dass der Löwenanteil, der durch die Aktionstage generierten Umsätze auch dieses Mal wieder auf Amazon und wenige andere Großkonzerne entfallen wird“, so Akman. Auf der Strecke blieben kleinere Unternehmen, die keine Millionenetats für Werbung und Rabattschlachten aufbringen könnten.

    Amazon verschärft durch seine Preiskriege den Verdrängungs- und Vernichtungswettbewerb auch in Deutschland. Ausbaden müssten das die Beschäftigten, warnt Akman. „Amazon finanziert seine aggressive Strategie durch Dumpinglöhne und Steuervermeidung. Damit bezahlen die Kolleginnen und Kollegen und letztlich auch die gesamte Gesellschaft die Milliardenprofite dieses US-Giganten mit.“ Nach wie vor weigere sich Amazon, mit ver.di über die Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels sowie einen Tarifvertrag für Gute und Gesunde Arbeit zu verhandeln. „Das zeigt, dass der Konzern – anders als in Werbespots präsentiert – den Kolleginnen und Kollegen keine Wertschätzung entgegenbringt, sondern sie lediglich als Kostenfaktoren ansieht. Milliardengewinne und Dumpinglöhne sind zwei Seiten ein und derselben Medaille bei Amazon“, so Akman.

    Bad Hersfeld: Wo alles begann, streiken die Amazon-Beschäftigten immer wieder für einen Tarifvertrag Foto: Bernd Hartung Bad Hersfeld: Wo alles begann, streiken die Amazon-Beschäftigten immer wieder für einen Tarifvertrag