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    Amazon: Die Mauer muss weg

    Vierter Standort im Streik

    Berlin, 3. Juni 2014 – Mit einem Streik im Versandzentrum des Onlineversand-Händlers Amazon in Rheinberg am Niederrhein hat ver.di heute den vierten Standort des Unternehmens in die seit letztem Donnerstag laufende Streikwelle einbezogen. Mit Beginn der Frühschicht um 5 Uhr legten viele Beschäftigte – am Ende rund 400 – die Arbeit nieder und schlossen sich den bundesweiten Arbeitsniederlegungen an. Begonnen hatten diese in der letzten Woche in den Amazon-Versandzentren Bad Hersfeld, Leipzig und Graben. In Graben bei Augsburg streikten heute ebenfalls rund 400 Beschäftigte. Mit dem erneuten Ausstand reagiert ver.di auf die Weigerung des weltweit größten Internetversand-Händlers, über einen Tarifvertrag für die Beschäftigten zu verhandeln. „Wir sehen derzeit keinen Anlass, den von Ihnen geforderten Anerkennungstarifvertrag …. abzuschließen“, heißt es in einem Schreiben des Rheinberger Amazon-Geschäftsführers Cavit Yilmaz. Aus Protest gegen diese Haltung rissen die Streikenden heute vor dem Firmengebäude in Rheinberg symbolisch eine drei Meter hohe „Tarifmauer“ ein.


    ver.di fordert mit der betrieblichen Tarifkommission die Anerkennung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels in NRW für die etwa 2.000 Arbeitnehmer/innen von Amazon in Rheinberg. Darüber hinaus will die Gewerkschaft eine verbindliche Begrenzung befristeter Arbeitsverträge durchsetzen. „Wer seinen Beschäftigten jeden Tag ein hohes Maß an Flexibilität und Arbeitsleistung abverlangt, muss ihnen auch den Schutz eines Tarifvertrages zugestehen“, erklärte ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer. Amazon sei ein „weltweit agierender Konzern, der ohne Probleme sichere Arbeitsplätze finanzieren kann“, so Zimmer.

    ver.di wirft dem Internet-Versandhändler vor, sich Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen großen Versandhändlern zu verschaffen, indem den etwa 9.000 Beschäftigten in Deutschland garantierte Ansprüche auf existenzsichernde Einkommen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie geregelte Arbeitsbedingungen verwehrt werden.

    Offenbar setzt der börsennotierte US-amerikanische Konzern weiter auf Konfrontation, um den Beschäftigten jede Möglichkeit zu nehmen, über ihre Gewerkschaft verbindliche Schutz- und Tarifverträge abzuschließen. Alle Gesprächs- und Sondierungsangebote lehnt Amazon ab. Bisher existieren bei Amazon nur vom Konzern einseitig verordnete Regelungen und sogenannte „Bonuszahlungen“, die jederzeit rückgängig gemacht werden können. Dadurch verlieren die Beschäftigten im ersten Jahr ihrer Tätigkeit bis zu 660 Euro und ab dem dritten Jahr über 300 Euro pro Monat sowie Weihnachts- (1.316 Euro) und Urlaubsgeld (1.182 Euro).