Geld & Tarif

    Je mehr ver.di-Mitglieder, desto mehr springt rum

    Tarifrunde Banken: Getrennte Verhandlungen

    Berlin, 30.06.2021 – Beschäftigten bei Banken wird gerne nachgesagt, krisensichere und gut bezahlte Arbeitsplätze zu haben. Die Realität sieht anders aus: In den Jahren 2011 bis 2020 ging die Zahl der Bankinstitute um knapp 22 Prozent, die der Bankfilialen um 33 Prozent und die der Beschäftigten in der Branche um gut 16 Prozent zurück. Oder in anderen Zahlen: 2011 arbeiteten noch 653.550 Menschen im Bankengewerbe, 2020 sind es nur noch 544.900 gewesen. Über einhunderttausend Arbeitsplätze in der Branche sind im vergangenen Jahrzehnt verschwunden. Zudem: Allein im vergangenen Jahr wurden 2.585 Zweigstellen von Banken geschlossen. Und ein Ende des Abbaus ist nicht in Sicht. Trotzdem führt ver.di immer wieder erfolgreiche Tarifrunden in der Branche, vor allem dann, wenn sich viele Beschäftigte in der Gewerkschaft organisieren und in den Tarifrunden engagieren. Die aktuellen Runden bei den öffentlichen und privaten Geldinstituten haben gerade begonnen.

    „In der aktuellen Tarifrunde geht es für alle Bankbeschäftigten um viel: um die zukünftigen Einkommens- und Arbeitsbedingungen in unserer Branche, die sich durch Corona und die Digitalisierung im Umbruch befindet.“

    Jan Duscheck, ver.di-Verhandlungsführer

    Die erste Verhandlungsrunde für die Beschäftigten bei den öffentlichen Banken ging am 23. Juni ergebnislos zu Ende. „Wir erwarten, dass die Arbeitgeber in der nächsten Verhandlungsrunde beim Gehalt ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen“, sagte der ver.di-Verhandlungsführer Jan Duscheck nach den Beratungen der Bundestarifkommission der Gewerkschaft. Die nächste Verhandlungsrunde soll am 22. September 2021 stattfinden. Die erste Verhandlungstermin bei den privaten Banken wurde für den 1. Juli angesetzt, dort geht es voraussichtlich am 26. August 2021 weiter. „In der aktuellen Tarifrunde geht es für alle Bankbeschäftigten um viel: um die zukünftigen Einkommens- und Arbeitsbedingungen in unserer Branche, die sich durch Corona und die Digitalisierung im Umbruch befindet“, so Duscheck.

    Streiks sind in der Tarifrunde bei den Banken nicht ausgeschlossen Christian Ditsch Streiks sind in der Tarifrunde bei den Banken nicht ausgeschlossen

    Was fordert ver.di im Einzelnen?

    ver.di fordert in beiden Tarifrunden eine Erhöhung der Gehälter um 4,5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten und einer sozialen Komponente über 150 Euro, sowie einem Wahlrecht zwischen Gehalt und Freizeit und einer Regelung zur mobilen Arbeit. Die Beschäftigten sollen einen Anspruch darauf haben, bis zu 60 Prozent ihrer Arbeitszeit mobil zu arbeiten. Auf die Arbeitswoche bezogen wären das bis zu drei Arbeitstage, die beispielsweise im Homeoffice getätigt werden könnten. Dafür sollen die Beschäftigten auch einen Anspruch auf eine Erstausstattungspauschale in Höhe von 1.500 Euro erhalten. Die Ausbildungsvergütungen sollen jeweils um 150 Euro steigen. Bei den öffentlichen Banken fordert ver.di zusätzlich nur für die ver.di-Mitglieder in Form einer Mitgliedervorteilsregelung die Einführung einer jährlichen Sonderzahlung in Höhe von 1.000 Euro.

    Was sagen die Beschäftigten?

    Erstmals seit 1972 verhandeln die öffentlichen und privaten Banken getrennt. Zum zweiten Mal hat ver.di nach 2018 unter den Beschäftigten der Branche eine deutschlandweite Befragung durchgeführt. Insgesamt 21.696 Beschäftigte haben zwischen Februar und März 2021 an der Online-Umfrage teilgenommen, die von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena anschließend ausgewertet wurde. Herausgekommen ist dabei, dass die Bankenbeschäftigten auch im Corona-Jahr ähnliche Probleme beschäftigten:

    • Viele sind unzufrieden mit der Höhe ihrer Gehälter, vor allem aufgrund der steigenden Arbeitsbelastung bei anhaltendem Stellenabbau.
    • Die Pandemie hat zwar das mobile Arbeiten im Homeoffice vorangetrieben, aber viele Beschäftigte sehen in der tatsächlichen Umsetzung noch erheblichen Verbesserungsbedarf.
    • Der freie Samstag ist weiterhin eine wichtige Errungenschaft, die sich die Beschäftigten auch in den laufenden Tarifrunden nicht nehmen lassen wollen.
    • Insbesondere bei den Privatbanken hat die Arbeitsplatzsicherheit einen sehr hohen Stellenwert.

    Mehr erfahren unter wir-für-tarif.de/oeffentliche-banken

    Und auch hier wird in der Bankenbranche verhandelt

    Tarifierung für konzerneigene Tochtergesellschaften der Commerzbank
    Die Commerzbank weigert sich nach wie vor, für ihre konzerneigenen Tochtergesellschaften Tarifgespräche mit ver.di aufzunehmen. Die rechtlich selbstständigen Gesellschaften mit Sitz in Hamm/Westfalen, Duisburg, Erfurt, Halle und Magdeburg beschäftigen gemeinsam rund 2.000 Beschäftigte. Die Einstiegslöhne liegen nur knapp über Mindestlohnniveau. Darüber hinaus hat der Großteil der Belegschaft sogenannte Abruf-Arbeitsverträge, so dass die vertragliche Arbeitszeit auf meist 32 Stunden in der Woche festgelegt ist, tatsächlich aber oft Vollzeit gearbeitet wird. ver.di forderte bereits Anfang des Jahres die Commerzbank und die Geschäftsführungen der Gesellschaften zu Tarifverhandlungen auf. Dies wurde mit der Begründung abgelehnt, man wolle lieber selbst mit der Belegschaft verhandeln. ver.di fordert neben moderaten Lohnsteigerungen und Anspruch auf planbare Arbeitszeiten auch die im Konzern ansonsten üblichen Sozialleistungen und Rahmenbedingungen.

    Tarifverhandlungen bei den Sparda-Banken
    Bereits am 1. April sind die Tarifverhandlungen für die etwa 5.600 Beschäftigten der Sparda-Banken gestartet. ver.di fordert für die Beschäftigten eine Erhöhung der Gehälter in Höhe von 3,5 Prozent (mindestens 120 Euro), die Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 50 Euro, eine Umwandlungsoption von Geld in Zeit, sowie einen Kündigungsschutz. In den ersten beiden Verhandlungsrunden (29. April und 4. Juni) legten die Sparda-Banken kein Angebot vor. Im Gegenteil: Gefordert wird eine Nullrunde für mindestens 24 Monate. Den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen lehnen die Arbeitgebervertreter ebenfalls strikt ab. Am 14. Juli findet die nächste Verhandlungsrunde statt.

    Mehr Informationen unter wir-für-tarif.de/sparda-banken

    Tarifverhandlungen bei der Fiducia & GAD IT AG
    Für die rund 4.300 Beschäftigten des IT-Dienstleisters der Volksbanken Raiffeisenbanken, Fiducia & GAD IT AG haben am 17. Juni die Tarifverhandlungen begonnen. ver.di fordert für sie eine Erhöhung der Einkommen um 4,5 Prozent, ein Ausstattungsbudget für freiwilliges mobiles Arbeiten in Höhe von 750 Euro (alle 5 Jahre), sowie weitere Verbesserungen bei den Ausbildungsbedingungen und der betrieblichen Altersversorgung. Die zweite Verhandlungsrunde ist für den 15. Juli angesetzt.

    Mehr Informationen unter wir-für-tarif.de/fiducia-u-gad

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