Geld & Tarif

    Zum 5. Mal Streiks vor Weihnachten

    Amazon

    „Weihnachten steht vor der Tür – wir auch“

    Berlin, 18.Dezember 2018 | Vergangene Woche in Rheinberg, diese Woche in Werne und Leipzig – alle Jahre wieder, in diesem Jahr zum fünften, streiken die Amazon-Beschäftigten an den verschiedenen Amazon-Standorten in Deutschland dafür, dass ihr Arbeitgeber endlich den Tarifvertrag für den Einzelhandel unterzeichnet. „Nach den Tarifverträgen des Einzelhandels steht den Kolleginnen und Kollegen in der Branche ein Weihnachtsgeld in Höhe von 62,5 Prozent des individuellen Monatsentgelts zu. Bei einem Picker oder Packer bei Amazon wären das derzeit 1.436,25 Euro. Bei dem Online-Riesen werden allerdings lediglich 400 bis 600 Euro gezahlt und das auch erst seitdem wir streiken“, sagt die Landesbezirksfachbereichsleiterin für den Handel in Nordrhein-Westfalen, Silke Zimmer. Bei dem Umsatz, den Amazon in der Weihnachtszeit auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen erwirtschafte, sei dies durch nichts zu rechtfertigen. „Die Beschäftigten brauchen das Weihnachtsgeld, um beispielsweise ihre Versicherungen zu zahlen oder sich auch mal etwas außer der Reihe leisten zu können“, so Zimmer.

    Wer hat Angst vor Amazon? Uwe Zucchi/dpa Bildfunk Planet Amazon: monstermäßige Streiks

    Für den in Werne zuständigen Gewerkschaftssekretär, Karsten Rupprecht, sind die Streiks wichtig, um weiterhin Druck auf den Arbeitgeber auszuüben: „Den Kolleginnen und Kollegen wird nichts geschenkt. Gerade in der Weihnachtszeit hätten sie es zwar verdient, aber die Erfahrung mit Amazon zeigt, dass es nur der Druck durch die Beschäftigten war, der bislang zu Verbesserungen geführt hat.“

    Eher Gutscheine als Päckchen

    „Weihnachten steht vor der Tür – wir auch“, sagt in Leipzig der ver.di-Streikleiter Thomas Schneider. „Wir haben Amazon immer wieder Zeit gelassen, auf unsere Forderung nach Tarifverhandlungen zu reagieren.“ Das Amazon weiter die Aufnahme von Tarifverhandlungen ablehne, sei eine Provokation. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir auf Erfolge verweisen können, die ohne unsere Arbeitskämpfe nicht möglich wären. Nichts desto trotz bleibt es bei unserer Forderung, die Arbeitsbedingungen tarifvertraglich zu regeln. Dafür werden wir weiter vor den Toren stehen“, so der Gewerkschafters.

    Die Leipziger Amazon-Beschäftigten rufen also vorerst weiter vor dem Amazon-Gebäude in Leipzig in der Amazonstraße 1 die Früh- und Spätschichten zum Streik auf. Dass unter zahlreichen Weihnachtsbäumen deshalb in diesem Jahr eher Gutscheine als Päckchen liegen werden, ist nicht mehr auszuschließen, auch wenn Amazon weiterhin verspricht, pünktlich bis Weihnachten zu liefern.