Geld & Tarif

    Der Spieß ist umgedreht

    Ameos: Beschäftigte streiken für den Tarif wie beim TVöD

    28. Januar 2020 | Die Empörung über 14 fristlose Kündigungsbegehren bei den Ameos-Kliniken kurz vor Weihnachten war groß: Jeweils vier Kündigungen waren an den Standorten Bernburg und Aschersleben-Staßfurt, jeweils drei in Schönebeck und Haldensleben ausgesprochen worden. Kliniken, in denen sich in den vergangenen Wochen insgesamt mehr als 1.800 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt hatten. Die Beschäftigten wollen den Schutz eines Tarifvertrages und eine bessere Bezahlung. Jetzt muss Regionalgeschäftsführer Lars Timm selbst seinen Platz räumen. Wie die Ameos-Gruppe bekanntgab, ist er ab dem 27. Januar 2020 von seiner Funktion als Ameos-Regionalgeschäftsführer Ost entbunden und per sofort frei gestellt.

    Das ist ganz im Sinne der empörten Beschäftigten: In einer Klinik in Bochum hatten sie bereits den Spieß umgedreht und ihrerseits Kündigungen an Timm geschickt. Dabei nutzten sie Formulierungen, die aus Schreiben stammten, mit denen er die fristlosen Kündigungen in Sachsen-Anhalt begründet hatte, wie: Störung des Betriebsfriedens, unakzeptables Verhalten gegenüber Beschäftigten, Ignoranz gegenüber dem Grundgesetz und der Tarifautonomie, mangelnde Einsicht und mangelnde Kooperationsbereitschaft.

    Überwältigende Mehrheit für Streik

    Die Beschäftigten führen ihren Arbeitskampf fort. Seit Montag wird an den Ameos-Kliniken Aschersleben-Staßfurt, Bernburg, Schönebeck und Haldensleben in Sachsen-Anhalt gestreikt. Die überwältigende Mehrheit der ver.di-Mitglieder der betroffenen Kliniken hatte sich in einer Urabstimmung dafür ausgesprochen. 92 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder an den vier Kliniken haben sich an der Abstimmung beteiligt. Von diesen stimmten 99,7 Prozent für die Durchführung eines Erzwingungsstreiks.  Sie fordern einen Anwendungstarifvertrag zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Davon rücken sie nicht ab und lassen sich auch nicht einschüchtern.

    Regionalgeschäftsführer Lars Timm hatte jedoch anstatt in Tarifverhandlungen mit ver.di zu treten, auch noch öffentlich mit dem Abbau von 800 Arbeitsplätzen gedroht. „Die Beschäftigten haben seit 2012 auf Gehaltserhöhungen verzichtet. Es ist überfällig, dass sie für ihre tägliche Arbeit an und mit Menschen einen guten und fairen Tarifvertrag bekommen“, sagte ver.di-Verhandlungsführer Bernd Becker. „Die Drohungen und Einschüchterungsversuche sind nicht akzeptabel. Ein Klinikbetreiber kann doch nicht mit der Schließung von Abteilungen und ganzer Standorte drohen, nur weil ihm die Tarifforderung der Beschäftigten nicht passt. Es geht um die elementare Gesundheitsversorgung der Menschen in der Region. Da dürfen solche Methoden und kommerzielle Interessen keinen Einzug halten.“

    Gestreikt wird jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit von 6 Uhr bis zum Ende der Spätschicht um spätestens 22 Uhr. ver.di hat dem Arbeitgeber erneut eine Notdienstvereinbarung angeboten, um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten zu garantieren. Wie schon bei den Warnstreiks im November hat Ameos nicht darauf reagiert. „Anders als offenbar das Unternehmen nehmen wir unsere Verantwortung für die Menschen wahr. Deshalb halten wir unser Angebot für eine Notdienstvereinbarung aufrecht und setzen sie einseitig um“, kündigte Bernd Becker vor Streikbeginn an.

    Sachsen-Anhalt, Staßfurt: Krankenschwestern des Ameos-Klinikums stehen vor dem Krankenhaus und streiken. Im Streit um bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld für das Personal der Ameos-Kliniken sind die Beschäftigten in Sachsen-Anhalt an mehreren Standorten in einen unbefristeten Streik getreten © Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa Bei Ameos in Sachsen-Anhalt wird gestreikt

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