Geld & Tarif

    Sie haben tausende unbezahlte Überstunden geleistet

    Edeka-Beschäftigte fordern gute Arbeit

    Der Konflikt schwelt seit Wochen, vor Weihnachten überreichte eine ver.di-Delegation eine Petition in der Zentrale der Edeka Hannover-Minden, in der sich mehr als 130 Beschäftigte aus Wolfsburg für die Sicherung der Arbeitsplätze, Maßnahmen zum Gesundheitsschutz und sofortige Tarifbindung einsetzten. Mitte Januar protestierten 300 Betroffene, ver.di und Unterstützer auf dem Markt in Wolfsburg-Detmerode, auf der Internetseite „EDEKAanns besser“ setzen sich prominente Paten wie Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und der Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger für die Beschäftigten ein. Denn nicht allein an tariflicher Bezahlung hapert es in den Wolfsburger Edeka-Märkten, obendrein haben die Kolleginnen und Kollegen in der Vergangenheit tausende von unbezahlten Überstunden geleistet. Außerdem müssen die Märkte dringend baulich saniert werden. Einer ist vom Abriss bedroht.

    „In der Zeit von 2005 bis 2007 hat Edeka Herrn Grimmann einen Teil der Gehaltskosten zugeschossen. Sehr weit her ist es mit der Unabhängigkeit also nicht.“

    Katharina Wesenick, ver.di-Bezirk Göttingen

    „Zumindest die überfällige Sanierung will nun die Edeka Minden-Hannover selbst in die Hand nehmen, hat dafür sogar Herrn Grimmann in den Urlaub geschickt. Die Geschäftsleitung fühlt sich also offenkundig doch zuständig“, sagt Katharina Wesenick aus dem ver.di-Bezirk Göttingen, die sich seit längerem mit den Auswirkungen der sogenannten Privatisierung bei Edeka beschäftigt. Und es gibt aus ihrer Sicht weitere Ungereimtheiten: „In der Zeit von 2005 bis 2007 hat Edeka Herrn Grimmann einen Teil der Gehaltskosten zugeschossen. Sehr weit her ist es mit der Unabhängigkeit also nicht.“ Sicher könne der Kaufmann angewiesen werden, die Beschäftigten in den Wolfsburger Läden nach Tarif zu bezahlen und für den Abbau der Überstunden zu sorgen. „Edeka hatte zwar angekündigt, dass sich bei den Überstunden etwas tun werde. Doch ignorieren sie bis heute unsere Forderung nach Verhandlungen“, so Katharina Wesenick. Mit weiteren Aktionen soll nun nachgeholfen werden. Das Verhalten gegenüber den Beschäftigten sei ausbeuterisch und müsse angeprangert werden.

    Grimmann ist wahrhaftig kein Einzelfall. Bundesweit werden bei Edeka rund 129.000 Beschäftigte nicht nach Tarif bezahlt und haben meistens auch keinen Betriebsrat. Bereits Anfang November vergangenen Jahres hatte ver.di eine Studie präsentiert, die die massenhafte Ausgliederung von Edeka- und Rewe-Filialen an selbstständige Kaufleute beschreibt. Folge sei, „dass nahezu alle Beschäftigten ab diesem Zeitpunkt mit Niedriglöhnen abgespeist werden“, hieß es bei der Vorstellung der Studie. Das ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel, Stefanie Nutzenberger, kritisierte: „Ein aus dem Genossenschaftsgedanken entstandenes Betriebsformat mutiert unter der Federführung der Konzerne zu einem nahezu betriebsratsfreien, tarifvertragslosen und damit ungeschützten Bereich, der vielfach mit Dumpinglöhnen den Verdrängungswettbewerb weiter anheizt.“

    Mit einem Hamburger Appell „Gute Arbeit für Edeka“ wenden sich mittlerweile mehr als 1.200 Unterzeichner/innen an den Vorsitzenden der Edeka-Zentrale, Markus Mosa, und verlangen gleiche Arbeitsbedingungen und tarifliche Bezahlung in den privatisierten Märkten. Initiiert worden ist der Appell von ver.di-Handel in Hamburg, und dessen Leiter Arno Peukes erklärt, dass weiter Druck gemacht werde. „Mitte, Ende Februar starten wir Aktionen vor Edeka-Filialen, und wir sammeln weiter Unterschriften.“  Der Hamburger Appell findet sich auf der Internetseite „faidea – fair arbeiten, verdienen, handeln“.   

    Text: Gudrun Giese

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