Geld & Tarif

    Tarifvertrag soll Meilenstein setzen

    Charité: Durchbruch bei Verhandlungen zur Entlastung

    Berlin, 7.10.2021 – Nach vier Wochen Streik gibt es innerhalb der Berliner Krankenhausbewegung einen ersten Durchbruch: Die Verhandlungsgruppen der Charité und ver.di haben sich auf ein Eckpunktepapier als Grundlage zur Vereinbarung eines Tarifvertrages „Gesundheitsfachberufe Charité“ geeinigt. Mit dem Ziel, die Beschäftigten zu entlasten. Die Streikmaßnahmen an der Charité werden ab sofort ausgesetzt, von beiden Seiten angestrebt ist, innerhalb von fünf Wochen einen entsprechenden Tarifvertrag abzustimmen und den jeweiligen Gremien vorzulegen.

    Wie viele zusätzliche Stellen sind geplant?

    Um eine Entlastung für die Pflegekräfte an der Charité zu erreichen, sollen laut dem Eckpunktepapier in den nächsten drei Jahren mehr als 700 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege eingestellt werden. Die Richtwerte zur Personalbemessung ist für bettenführende Bereiche und Intensivstationen angepasst worden, ebenso die Besetzungsregelungen unter anderem für Operationssäle und Zentrale Notaufnahmen. Außerdem wird ein Belastungsausgleich mit einem Punktesystem (CHEPS) eingeführt, in dem zum einen ein Freizeitausgleich eingeplant ist, zum anderen aber auch die Möglichkeit besteht, in Erholungsbeihilfen, Kinderbetreuungszuschüsse, Altersteilzeitkonten und Sabbaticals zu investieren. Belastungspunkte erhalten Pflegekräfte beim Unterschreiten der Besetzungsregelungen, hohem Leasingeinsatz oder nach Gewaltsituationen.

    „ver.di war mit den Forderungen nach der Festlegung von Mindestbesetzungsregelungen für alle Stationen und Bereiche, der Regelung eines Belastungsausgleichs sowie der Forderung nach der Verbesserung der Ausbildungsbedingungen in die Tarifauseinandersetzung gegangen, alle Forderungen werden nun mit diesem Ergebnis adressiert.“

    Melanie Guba, ver.di-Verhandlungsführerin

    „Mit der Einigung auf die Eckpunkte sind wir unserem Ziel der nachhaltigen Entlastung der Beschäftigten der Charité einen großen Schritt nähergekommen, der Tarifvertrag wird einen Meilenstein der Entlastung setzen“, sagt Melanie Guba, ver.di-Verhandlungsführerin. Das Ergebnis habe nur erzielt werden können, weil die Beschäftigten entschlossen, aktionsbereit und mit einem langen Atem für ihre Interessen eintreten. Die Einigung trage dazu bei, die Gesundheitsberufe attraktiver und die Versorgung von Patientinnen und Patienten sicherer zu machen. „ver.di war mit den Forderungen nach der Festlegung von Mindestbesetzungsregelungen für alle Stationen und Bereiche, der Regelung eines Belastungsausgleichs sowie der Forderung nach der Verbesserung der Ausbildungsbedingungen in die Tarifauseinandersetzung gegangen, alle Forderungen werden nun mit diesem Ergebnis adressiert“, so Melanie Guba. 

    „Das Tarifergebnis an der Charité ist ein weiterer wichtiger Erfolg der bundesweiten Tarifbewegung für mehr Personal und Entlastung an den Krankenhäusern“, sagt Sylvia Bühler, die im ver.di-Bundesvorstand für das Gesundheitswesen zuständig ist. „Vor etwa sechs Jahren haben die Beschäftigten des Berliner Uniklinikums den Anfang gemacht und den seinerzeit ersten Tarifvertrag für Gesundheitsschutz und mehr Personal durchgesetzt“, so Bühler. „Mittlerweile bestehen an 17 Großkrankenhäusern solche Vereinbarungen, die inhaltlich von Mal zu Mal besser werden.“

    Auch seitens der Charité wird Zufriedenheit über das gemeinsam mit ver.di erzielte Ergebnis geäußert. „Die Gesundheitsfachberufe, vor allem aber die Pflege, stehen vor großen Herausforderungen. Ein Tarifvertrag ist dabei ein wichtiger Meilenstein in unserer Gesamtstrategie 2030“, erklärt Carla Eysel, Vorstand Personal und Pflege der Charité. Man gehe davon aus, dass die Charité durch die getroffenen Regelungen die Beschäftigten länger im Beruf halten könne, mehr Pflegekräfte ihren Stellenanteil erhöhen und verstärkt Beschäftigte mit akademischer Ausbildung aus den Gesundheitsfachberufen gewonnen werden können. 

    Die Charité kann in den letzten Jahren bereits einen Zuwachs an Pflegekräften verzeichnen. Weitere neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen nun gewonnen, langfristig der Arbeitsalltag auf den Stationen verändert werden.

    Auch die Tarif-Rebell*innen der ver.di Jugend sind seit dem 9. September bei den Streiks innerhalb der Berliner Krankenhausbewegung dabei Paul Zinken/dpa Auch die Tarif-Rebell*innen der ver.di Jugend sind seit dem 9. September bei den Streiks innerhalb der Berliner Krankenhausbewegung dabei


    Was ändert sich in der Ausbildung?

    Wesentliche Veränderungen soll es auch für Auszubildende geben, unter anderem durch die Einführung von drei neuen Ausbildungsstationen und einer multiprofessionellen Intensiv-Lernstation, Dienstplansicherheit zwei Monate im Voraus und einer Ausweitung der Betreuungszeit der sogenannten Praxisanleitenden, die sich um eine strukturierte Einführung von Auszubildenden kümmern.

    Wie geht's bei Vivantes weiter?

    Nach der Einigung an der Charité erwartet ver.di nun auch eine zügige Verständigung über einen Tarifvertrag für mehr Personal und Entlastung beim kommunalen Berliner Klinikkonzern Vivantes. „Jetzt ist Vivantes gefordert, dem Vorbild der Charité zu folgen. Für die Beschäftigten der öffentlichen Krankenhäuser Berlins müssen gleich gute Bedingungen gelten“, betont Bühler. „Wenn Vivantes verhindern will, dass Pflegekräfte in Scharen zur Charité abwandern, muss das Unternehmen nachziehen.“ Ebenfalls eine schnelle Lösung strebt die Gewerkschaft bei den Verhandlungen über die Anwendung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) auf alle Beschäftigten der Vivantes-Tochterunternehmen an. Am heutigen Donnerstag wurden hierzu die Gespräche wiederaufgenommen.

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