Geld & Tarif

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    2021: Tarifrunden für über 12 Millionen Beschäftigte

    Berlin, 9. November 2020 – Auch in pandemischen Zeiten lassen sich höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen. Das haben unlängst die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen gezeigt. Mit Abstand, aber Entschlossenheit konnte Ende Oktober ein umfassender Tarifvertrag für die Beschäftigten vereinbart werden. Auch in der Papierindustrie, der ostdeutschen Glasindustrie und für die Gebäudereinigungskräfte wurden gerade neue Tarifvereinbarungen abgeschlossen. Und derzeit werden unter anderem noch für den öffentlichen Nahverkehr sowie zahlreiche kleinere Tarifbereiche Tarifverhandlungen geführt. Das Tarifjahr 2020 ist trotz Corona also noch im vollen Gange.

    Und in vielen Branchen laufen auch schon die Vorbereitungen für die Tarifrunden 2021. Insgesamt werden die Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes, DGB, zu denen auch ver.di zählt, im nächsten Jahr für mehr als 12 Millionen Beschäftigte neue Vergütungstarifverträge verhandeln. Neben der Metall- und Elektroindustrie, für die die IG Metall verhandeln wird, stehen für ver.di große Tarifrunden im Einzelhandel, im Groß- und Außenhandel sowie im öffentlichen Dienst bei den Bundesländern an.

    Bereits noch im Dezember diesen Jahres werden im Bewachungsgewerbe in verschiedenen Regionen für rund 156.000 Beschäftigte die gültigen Tarifverträge auslaufen, ab März 2021 bis hinein in den Juni 2021 die laufenden Tarifverträge im Groß-, Außen- und Einzelhandel. Insgesamt sind davon mehr als 3,5 Millionen beschäftigte betroffen. Für die knappe Million Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Länder läuft der Tarifvertrag dann im September 2021 aus.

    Tarifbindung zahlt sich für Beschäftigte aus

    Jedes Jahr listet das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung fein säuberlich in Zahlen auf, warum die Arbeitsbedingungen in tarifgebundenen Unternehmen durchweg besser sind als in Unternehmen ohne Tarif. So arbeiten Vollzeitbeschäftigte in tariflosen Betrieben nach der jüngsten WSI-Untersuchung im bundesweiten Schnitt wöchentlich eine knappe Stunde länger und verdienen gleichzeitig deutlich weniger als die Kolleg*innen in Betrieben mit Tarifbindung. Allerdings: Im Jahr 2019 konnten der Studie nach nur noch 52 Prozent der Beschäftigten in Deutschland auf einen Tarifvertrag zählen, im Jahr 2018, dem aktuellsten, für das auch differenzierte Länder-Daten vorliegen, waren es noch 54 Prozent. Im Vergleich der Bundesländer liegen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit 60 Prozent vorn, Schlusslicht ist Sachsen mit nur 40 Prozent tarifgebundenen Betrieben.

    In Baden-Württemberg arbeiten Vollzeitbeschäftigte in tariflosen Unternehmen jede Woche 72 Minuten mehr, in Bremen sind es 64 Minuten. Über das Jahr gesehen entspricht dies gut einer zusätzlichen Arbeitswoche.

    Gemeinsam ist allen Bundesländern, dass die Arbeitsbedingungen in wesentlichen Punkten wie Arbeitszeit und Entgelt in tariflosen Betrieben deutlich schlechter sind. Teilweise lassen sich die Unterschiede damit erklären, dass tarif­gebundene Betriebe im Schnitt größer und in Branchen mit tendenziell höheren Löhnen angesiedelt sind. Doch auch um diese Umstände bereinigt bleiben die Unterschiede groß: Vollzeitbeschäftigte in tariflosen Betrieben arbeiten bundesweit im Schnitt wöchentlich 53 Minuten länger und verdienen elf Prozent weniger als Beschäftigte in Betrieben mit Tarifbindung. Auch regional gibt es deutliche Unterschiede: Längere Arbeitszeiten ohne Tarif sind in den westdeutschen Bundesländern besonders ausgeprägt. In Baden-Württemberg etwa arbeiten Vollzeitbeschäftigte in tariflosen Unternehmen jede Woche 72 Minuten mehr, in Bremen sind es 64 Minuten. Über das Jahr gesehen entspricht dies gut einer zusätzlichen Arbeitswoche – und dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass Beschäftigte ohne Tarifvertrag häufig auch weniger Urlaubstage haben.

    Beim Entgelt zeigen sich die größten Nachteile in den neuen Bundesländern: In Brandenburg zum Beispiel verdienen Beschäftigte in tariflosen Betrieben monatlich 17,7 Prozent weniger als Beschäftigte in vergleichbaren Betrieben mit Tarifbindung. In Sachsen-Anhalt beträgt der Rückstand sogar 18,3 Prozent. Um auf ein volles Jahresgehalt ihrer Kolleg*innen mit Tarifvertrag zu kommen, müssen Beschäftigte in tariflosen Betrieben dort also bis in den März des Folgejahres hinein arbeiten, was wiederum nahezu dem sogenannten Gender-Pay-Gap entspricht, der bei rund 20 Prozent liegt und die geringeren Verdienste von Frauen markiert. Am kommenden 14. März wird mit dem Equal Pay Day 2021 erneut auf die Lohnlücke zwischen den Einkommen von Frauen und Männern aufmerksam gemacht werden. Unter dem Motto „Game Changer – Mach dich stark für equal pay!“ ist bereits am 2. November 2020 in Berlin die Equal-Pay-Day-Kampagne 2021 gestartet.

    Tarife lohnen sich WSI – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung Tarife lohnen sich

     

    Tarifverträge fallen nicht vom Baum

    Das beste Mittel gegen schlechtere Arbeitsbedingungen und schlechtere Bezahlung sind und bleiben Tarifverträge. Nur fallen die nicht wie Fallobst von den Bäumen, das man und frau einfach aufsammelt. „Tarifverträge schaffen mehr Gerechtigkeit, müssen aber oft hart erkämpft werden“, sagt der WSI-Experte Malte Lübker. Umgekehrt heißt das: Je mehr Mitglieder eine Gewerkschaft in einem Betrieb hat, desto wahrscheinlicher lassen sich Verbesserungen auch durchsetzen.

    Mit Tarifverträgen seien in Deutschland über Jahre kürzere Wochenarbeitszeiten durchgesetzt, Lohnerhöhungen festgeschrieben oder Wahlmöglichkeiten zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit eingeführt worden, so Lübker. Vor diesem Hintergrund sei es aber „eine bedrohliche Entwicklung“, dass die Tarifbindung in den vergangenen zwei Jahrzehnten abgenommen hat – zur Jahrtausendwende hatten noch 68 Prozent der Beschäftigten einen Tarifvertrag. Ein Grund für diese Entwicklung sei einerseits, laut der WSI-Studie zur Tarifbindung, der wirtschaftliche Strukturwandel: In industriellen Großbetrieben sind Arbeitsplätze verloren gegangen, während in kleinteiligeren Bereichen neue entstanden sind. Dies mache es für Gewerkschaften heute schwieriger, Mitglieder zu organisieren. Doch selbst dort, wo es Gewerkschaften gelinge, durch erfolgreiche Mitgliedergewinnung in tariflosen Betrieben Fuß zu fassen, stoße die Durchsetzung von Tarifverträgen zum Teil auf heftigen Widerstand der Arbeitgeber. Dagegen hilft am Ende eben nur genauso heftiger Widerstand der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaft.

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