SAP: ver.di kritisiert Schlingerkurs

Europas größter und umsatzstärkster Softwarekonzern SAP eiert beim Umbau des Unternehmens rum. Erneut sollen tausende Stellen abgebaut werden, Versprechen werden nicht gehalten. ver.di fordert mehr Weiterbildung und mehr Investitionen ins Personal
© dpa Bildfunk
Ausschnitt: Blick auf die SAP-Konzernzentrale in Walldorf
26.01.2024

ver.di kritisiert die Maßnahmen zum Unternehmensumbau beim Softwarekonzern SAP. Zu den Maßnahmen zählen ein erneutes Stellenabbauprogramm, eine Rückkehr zur Büropräsenz der Beschäftigten an mindestens drei Tagen pro Woche und der Neuzuschnitt von vielen Unternehmensbereichen. Das Stellenabbauprogramm übertrifft dabei mit der Streichung von 8.000 Stellen beträchtlich das erst im vergangenen Jahr durchgeführte Programm mit damals rund 3.000 abgebauten Stellen. „Die angekündigten Maßnahmen sind angesichts des stetigen Umsatzwachstums in den vergangenen Jahren und der hohen Gewinne nicht nachzuvollziehen“, sagt Christine Muhr, ver.di-SAP-Unternehmensbetreuerin.

Bezogen auf seinen Umsatz ist SAP in Europa der größte Softwarekonzern, weltweit steht das Unternehmen an dritter Stelle. Im vergangenen Jahr wurde SAP in Deutschland zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen gekürt, mit großem Abstand vor Siemens und der Deutschen Telekom. An Kapital mangelt es SAP also nicht. Für die ver.di-Unternehmensbetreuerin Muhr gehen die geplanten Maßnahmen, vor allem der Stellenabbau, daher in die falsche Richtung. „Wir fordern mehr Budget für Weiterbildung, um Mitarbeitende in die neuen Wachstumsbereiche ohne Personalabbau zu entwickeln.“ 

Angekündigte Väterzeit wurde nicht eingeführt

Der Schlingerkurs bei vielen Themen lasse das Vertrauen der Belegschaft in die Unternehmensführung schwinden, so Muhr weiter. Ein Beispiel dafür sei auch das Versprechen flexibler Home-Office-Konzepte, das jetzt nach weniger als zwei Jahren wieder zurückgezogen werde. Zudem sei die Väterzeit, deren Ankündigung öffentlich viel beachtet wurde, nicht eingeführt worden. Auch beim Thema Altersprogramm setzt sich der Schlingerkurs fort. Hier sei zwei Jahre lang verstärkt auf Altersteilzeit gesetzt worden, jetzt werde aber doch wieder ein Vorruhestandsprogramm angekündigt.

 

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei diesen wichtigen Themen der Lebensplanung sehr verunsichert, da das Wort der Unternehmensleitung offenbar keinen langen Bestand hat.“

Christine Muhr, ver.di-SAP-Unternehmensbetreuerin

ver.di fordert verlässliche Tarifvereinbarungen

ver.di stehe klar an der Seite der Beschäftigten und setze sich sowohl für den Erhalt der Stellen als auch der flexiblen Arbeitskonzepte ein. „Deshalb fordern wir verlässliche Vereinbarungen, wie sie Tarifvereinbarungen garantieren. Wir bleiben selbstverständlich darüber gesprächsbereit, wie SAP noch erfolgreicher werden kann. Allerdings dürfen die damit verbundenen Veränderungen nicht auf Kosten der Belegschaft geschehen. Wir sehen hier die Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen – etwa bei Gehalt, Weiterbildungen und nicht-finanziellen Anreizen“, betont die Gewerkschafterin.

Weiterhin seien die angekündigten Neuzuschnitte von vielen Unternehmensbereichen mit Neubesetzungen bis in höchste Managementbereiche aktuell nur grob skizziert. Die betroffenen Mitarbeitenden aus den Bereichen mit angekündigten Veränderungen seien im Unklaren über die Zukunft ihrer Stellen. Auch hier wäre eine klare und verlässliche Strategie des Vorstandes wichtig. „Weder Beschäftigten noch Kunden noch Anteilseignern ist damit gedient, die Firma im Zustand konstanter Unruhe und Unsicherheit zu halten“, so Muhr. Für die Beschäftigen sei die Botschaft jetzt allerdings klar: „Es ist Zeit, sich in starken Gewerkschaften zu engagieren, um die eigenen Interessen wirksam durchsetzen und weitere Einschnitte verhindern zu können.“

 

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