Geld & Tarif

    Arbeitgeber haben es weiter in der Hand, Streiks zu vermeiden

    ÖPNV

    Warnstreiks werden fortgesetzt

    6. Oktober 2020 – Im Tarifkonflikt mit den rund 130 Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Deutschland will ver.di bundesweit einheitliche Regelungen in Fragen wie Nachwuchsförderung sowie den Ausgleich von Überstunden und Zulagen für Schichtdienste erreichen. Mit einer Forderung für Auszubildende sollen Anreize zum Einstieg in den Beruf und zur Nachwuchsförderung geschaffen werden. Und das alles schon lange. Doch statt mit ver.di und den Beschäftigten darüber zu verhandeln, haben sich die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft bisher nur Absagen der kommunalen Arbeitgeber eingehandelt. Mehr als 90 Prozent der Beschäftigten haben sich deshalb bereits am 29. September an einem bundesweiten Warnstreik beteiligt. In den meisten Städten blieben alle Busse und Bahnen in den Betriebshöfen. Nun werden die Warnstreiks fortgesetzt, weil die kommunalen Arbeitgeber weiterhin jegliche Verhandlungen ablehnen.

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    „Die Arbeitgeber haben das Signal nicht verstanden. Ihre Verweigerung ist völlig unverständlich, denn es stehen angesichts des Fachkräftemangels auch die Verkehrswende und die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Spiel.“

    Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende

    „Wir hoffen auch im Interesse der Bürgerinnen und Bürger, dass die Arbeitgeber ihre Verweigerung zu Verhandlungen überdenken und damit weitere Streiks unnötig machen“, sagt Christine Behle, die stellvertretende ver.di-Vorsitzende. ver.di hatte die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) unmittelbar nach den ersten Warnstreiks ein weiteres Mal aufgefordert, mit der Gewerkschaft in Verhandlungen für einen bundesweiten Rahmentarifvertrag für die rund 87.000 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr einzutreten, um weitere Streiks zu vermeiden. „Der ÖPNV braucht dringend bundeseinheitliche Regelungen zur Entlastung für die Beschäftigten. Wer angesichts der Situation der Beschäftigten den Kopf in den Sand steckt, spielt in unverantwortlicher Weise mit der Gesundheit der Beschäftigten, dem Vertrauen der Fahrgäste in einen funktionierenden ÖPNV und provoziert weitere Streiks“, so Behle. „Wir werden diese weiterhin frühzeitig ankündigen, damit Fahrgäste Alternativen finden können. Die Arbeitgeber haben das Signal nicht verstanden. Ihre Verweigerung ist völlig unverständlich, denn es stehen angesichts des Fachkräftemangels auch die Verkehrswende und die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Spiel.“

    Bis 2030 benötigt der ÖPNV 100.000 neue Beschäftigte

    Aus Sicht von ver.di sei die Haltung der Arbeitgeber, keine Tarifverhandlungen aufnehmen zu wollen, unverständlich und den Beschäftigten gegenüber auch nicht erklärbar, so Behle. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im ÖPNV müssten die Arbeitsplätze attraktiver werden und die Belastungen der Beschäftigten deutlich reduziert werden. In einer Befragung unter Betriebsräten in 110 ÖPNV-Unternehmen beklagen 95 Prozent Personalmangel, besonders in den Werkstätten und im Fahrdienst. In 60 Prozent der Unternehmen fallen dadurch regelmäßig Fahrten aus.

    Doch nicht nur die Fahrgäste leiden unter der Sparpolitik. Aufgrund der Belastungen kommt es zu überdurchschnittlich hohen Krankenständen und einer Anhäufung von Überstunden. Gerade auf den Überstundenkonten der Busfahrer und Bahnfahrerinnen sammeln sich regelmäßig 50 Überstunden und mehr an. Die Situation droht sich weiter zu verschärfen, denn der Altersdurchschnitt in den Unternehmen beträgt 49 Jahre. Somit geht bis 2030 jeder zweite Beschäftigte in den Ruhestand. Nur mit besseren Arbeitsbedingungen könnten die bis 2030 benötigten 100.000 Neubeschäftigten in der Branche gewonnen werden.

    Am Dienstag, 6. Oktober, soll es im ÖPNV in Hessen sowie einen Tag später in Bremen und Niedersachsen zu Arbeitsniederlegungen kommen. Am Donnerstag, 8. Oktober, werden Beschäftigte kommunaler Nahverkehrsunternehmen in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg in den Warnstreik treten, am Freitag, 9. Oktober, dann in Bayern und in Berlin und Brandenburg. Mit der frühzeitigen Bekanntgabe der Streiks soll den Bürger*innen die Möglichkeit gegeben werden, sich auf die Streiks einzustellen und nach Alternativen zu suchen.

     

     

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