Geld & Tarif

    Beschäftigte glauben an Tarifvertrag

    Erstmals Streik bei der Caritas

    25. November 2020 – Premiere in der katholischen Caritas: Bundesweit zum ersten Mal überhaupt haben am frühen Morgen Caritas-Beschäftigte, in diesem Fall der Liebenau Leben im Alter gGmbh, die Arbeit niedergelegt. Ihr Glaube an Streik ist stärker, als der an ein Einlenken des Arbeitgebers, der im November nach zehn Runden plötzlich die Verhandlungen abgebrochen hat.

    Die Beschäftigten fordern von der Tochter der Caritas-Stiftung Liebenau einen Tarifvertrag auf dem Niveau des öffentlichen Dienstes. Anlässlich des Streikbeginns erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler: „Bei der Liebenau Leben im Alter gGmbH nehmen Beschäftigte erstmals ihr Grundrecht auf Streik wahr. Sie sind nicht länger bereit, die jahrelange Benachteiligung hinzunehmen“.

    „Die Beschäftigten, die sich mit großem Engagement für eine gute Versorgung einsetzen, haben gute Arbeitsbedingungen mehr als verdient. Es ist ein Unding, dass sie in einer solchen Zeit gezwungen sind, für ihre Interessen in den Streik zu treten.“

    Sylvia Bühler, ver.di Bundesvorstand

    21 Einrichtungen gibt es in der Liebenau Leben im Alter gGmbh. In ihnen herrschen schlechtere Arbeitsbedingungen als im öffentlichen Dienst. Aber nicht nur das: Sie sind auch schlechter als in anderen Caritas-Einrichtungen in Baden-Württemberg.

    Beharrlich hat sich der Arbeitgeber nicht nur an den kircheneigenen Regelungen versündigt. Auch vom Abschluss eines Tarifvertrags will er bislang nichts wissen. Die Konsequenz: Die Kolleg*innen haben sich zusammengetan. Waren 2019 lediglich vier Kolleg*innen gewerkschaftlich organisiert, steht der Arbeitgeber nun 240 Gewerkschaftsmitgliedern gegenüber, die sich mit dem Streik gegen die Benachteiligung wehren.

    „Während der Corona-Pandemie erfahren die Beschäftigten in den Pflegeeinrichtungen landauf, landab hohe Wertschätzung. Ausgerechnet ein Arbeitgeber mit konfessionellem Hintergrund sucht in dieser Situation die maximale Konfrontation mit seinen rund 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, sagt Bühler. Dass wegen der Arbeitsniederlegungen niemand zu Schaden kommt, darauf achte ver.di auch bei der Stiftung Liebenau.

    Bezahlung und Arbeitsbedingungen der rund 1,8 Millionen Beschäftigten in Kirchen, Diakonien und der Caritas werden im Prinzip von der Kirche bestimmt. Haben die Streiks Erfolg, wäre ein Tarifvertrag bei der Liebenau Leben im Alter gGmbH der bundesweit erste in einer Caritas-Einrichtung. Immerhin klappt es in Teilen der evangelischen Diakonie – etwa in Niedersachsen – schon besser. Dort finden schon länger konstruktive Tarifverhandlungen statt. Hallelujah!

    Gemeinsamer Protest von ver.di, Mitarbeiterseite der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas und Diözesaner Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im Dezember 2018 in Stuttgart ver.di Schon 2018 haben Beschäftigte der Caritas Liebenau gegen ihre Arbeitsbedingungen protestiert

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