Hier setzen wir uns für euch ein

    Coronavirus, Inflation, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die daraus resultierende Energiekrise – das alles stellt unseren Alltag und unser Leben auf den Kopf. Viele Kolleg*innen wissen nicht, wovon sie die rasant steigenden Preise bezahlen sollen und was noch an Einschränkungen auf sie zukommt. Gerade in so unsicheren Zeiten ist klar: Auf ver.di ist Verlass!

    © Dave Kittel
    Vor allem viele junge Beschäftigte der Krankenhäuser in Berlin und NRW haben sich an den Streiks für mehr Entlastung beteiligt
    29.11.2022

    INHALT

    Kurz­ar­beit und Kurz­ar­bei­ter­geld sind ein wich­ti­ges In­stru­ment, um Un­ter­neh­men und Arbeitsplätze zu sichern. In der Co­ro­na-Kri­se konn­ten wir durch­set­zen, dass das Kurz­ar­bei­ter­geld bei anhaltender Kurzarbeit bis En­de Juni 2022 er­höht wurde. Das war ein wichtiger Schritt! 

    Die Anhebung des Mindestlohns ist ein weiterer Schritt und für viele Menschen dringend notwendig, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. ver.di hat lange für den Mindestlohn gekämpft und sich für eine Anhebung stark gemacht, von der knapp 9 Millionen Menschen profitieren.

    Zuletzt wurde eine wichtige ver.di-Forderung im dritten Entlastungspaket umgesetzt. Wir konnten einen Strompreisdeckel durchsetzen und kämpfen aktuell für weitere Entlastungen wie ein zweites Energiegeld, auch für Rentner*innen und Studierende in Höhe von 500 Euro, einen wirksamen Preisdeckel für Strom und Gas und einen Mietendeckel.

     

    ver.di streikt: Wir kämpfen um jeden Euro und jeden Cent und finden tarifvertragliche Lösungen

    Für das Jahr 2022 ist mit einer Inflationsrate von mindestens 8 Prozent zu rechnen. Das beste gewerkschaftliche Mittel dagegen sind entsprechende, nachhaltige Einkommenssteigerungen. Allein in den letzten drei Monaten haben wir für rund 50.000 Kolleg*innen Tarifverträge abgeschlossen. Das ging nur, weil sich unsere Mitglieder organisiert und mit Streiks Druck gemacht haben. 

    Hast du’s gewusst? Mit Tarifvertrag müssen Beschäftigte im Schnitt 54 Minuten weniger pro Woche arbeiten. Und sie verdienen 11 Prozent mehr als jemand, der in einem vergleichbaren Unternehmen ohne Tarifbindung arbeitet. Das hat eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung festgestellt. Im Schnitt haben Menschen mit Tarifvertrag aber nicht nur mehr Geld in der Tasche. Sie haben mehr Urlaubsanspruch und erhalten zu 74 Prozent ein Urlaubsgeld von ihren Arbeitgebern. 

    Ob es der Gewerkschaft gelingt, eine Tariferhöhung oder bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln, hat nicht allein mit Verhandlungsgeschick zu tun. Die Grundformel ist einfach: Je mehr Mitglieder, desto mehr Durchsetzungskraft, desto bessere Tarifverträge. 

     

    Das rechnet sich!

    Ein Mitgliedsbeitrag von 1 Prozent des Bruttolohns mag für manche viel klingen. Doch Beschäftigte machen bereits bei einer leichten Tariferhöhung Plus. Hier mal ein einfaches Rechenbeispiel: Bei einem Brutto-Gehalt von 3.000 Euro bei ver.di-Eintritt entfällt ein Mitgliedsbeitrag von zunächst 30 Euro. Gehen wir von einer erkämpften Tariferhöhung von 1,75 Prozent nach 12-monatiger Mitgliedschaft aus, wäre dies ein Lohnzuwachs von zunächst 52,50 Euro und nach zwei Jahren bereits von 107,77 Euro. Bei einer Mitgliedschaft von drei Jahren ergibt sich abzüglich der Mitgliedsbeiträge im Durchschnitt ein Netto-Vorteil von 802,06 Euro.


    Hier verhandeln wir als nächstes

    Zusammen wollen wir in der Tarifrunde für Beschäftigte von Bund und Kommunen mehr erreichen und haben vorab gemeinsam die Diskussion über die Forderungen zu der ab Januar 2023 laufenden Tarifrunde geführt. Der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) betrifft 2,5 Millionen Beschäftigte und ist der zweitgrößte Tarifvertrag in Deutschland. Wir nehmen uns Zeit, die Tarifauseinandersetzung gründlich vorzubereiten, dabei mehr zu werden und dann zusammen loszulegen. Die Tarifforderung hat ein ehrenamtliches Gremium auf Grundlage der Diskussionen mit den Beschäftigten am 11. Oktober entschieden: 10,5 Prozent mehr für alle sollen es sein, mindestens aber 500 Euro. Was wir davon nächstes Jahr durchsetzen können, hängt vor allem davon ab, wie viele Kolleg*innen sich für die Forderungen starkmachen. Dazu machen wir jetzt einen Stärketest, denn Zusammen geht mehr.

    Die Verhandlungen für die Post beginnen Anfang Januar 2023. Aktuell laufen hier bundesweit die Befragungen zur Forderung, die am 21. November 2022 von der Tarifkommission aufgestellt wird. Als nächstes folgt der Fachbereich Handel, dazu gehören der Einzelhandel sowie der Groß- und Außenhandel. Gewerkschaftsmitglieder im Handel wollen ihren Anteil an den steigenden Gewinnen der Händler. Dafür streiken sie in Tarifrunden und melden sich mit vielfältigen Aktionen zu Wort. ver.di als starke Interessenvertretung gibt dafür die Rückendeckung.

    Beim Thema Energiegeld für Banken und Versicherungen ist viel in Bewegung. Nachdem wir bereits bei der ING-DiBa ein Energiegeld für die Beschäftigten aushandeln konnten, ist das nun auch für alle Kolleginnen und Kollegen beim Commerzbank-Konzern gelungen, inklusive der Beschäftigten der Tochtergesellschaften. Zusammen mit den Beschäftigten der Commerzbank-Tochter ComTS kämpfen wir seit zwei Jahren für einen Tarifvertrag und damit für dauerhaft gerechte Löhne für die Kolleginnen und Kollegen. 


    Hier haben wir uns zuletzt für Euch eingesetzt

    Seehäfen – kräftige Lohnsteigerung und Inflationsausgleich: An den Nordseehäfen in Deutschland haben ver.di und die Beschäftigten nach vielen Wochen und einigen Streiks ein Tarifergebnis für rund 12.000 Beschäftigte erzielt. Es sieht deutliche Entgelterhöhungen vor und gleicht darüber hinaus die Preissteigerungsrate aus: Ab 1. Juli 2022 sind die Entgelte in Vollcontainerbetrieben in der Ecklohngruppe 6 (inklusive Sonderzahlung und Pauschale) um 9,4 Prozent gestiegen; in den konventionellen und Stückgut-Hafenbetrieben sind sie in derselben Referenzlohngruppe (inklusive Sonderzahlung und Pauschale) um 7,9 Prozent gestiegen. Ab 1. Juni 2023 erhöhen sich die Entgelte in den genannten Betriebsarten um jeweils weitere 4,4 Prozent. Sollte die Preissteigerungsrate darüber liegen, tritt eine Inflationsklausel in Kraft, die eine Preissteigerungsrate bis 5,5 Prozent ausgleicht. Für den Fall einer höheren Inflationsrate haben die Tarifparteien eine Verhandlungsverpflichtung, inklusive eines Sonderkündigungsrechtes, vereinbart. 

    Condor – Einigung für Kabinen- und Bodenbeschäftigte: ver.di hat auch für die bundesweit rund 3.000 Beschäftigten der Condor Flugdienst GmbH in der Kabine und am Boden eine Tarifeinigung erzielt. Die Einigung beinhaltet eine inflationsabhängige Gehaltsteigerung für beide Beschäftigtengruppen vom 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2024 in Höhe von mindestens 7 Prozent und bis zu 9 Prozent bei entsprechendem Anstieg des Verbraucherpreisindexes im Jahr 2023. 

    Lufthansa – Monatlich 377 bis zu 498 Euro mehr Lohn: Mit der Lufthansa hat sich ver.di auf ein Tarifergebnis für die rund 20.000 Beschäftigten der Bodendienste unter anderem bei der Lufthansa AG Boden, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems, Lufthansa Technik Logistik Services (LTLS), Lufthansa Cargo und der Lufthansa Service Gesellschaft (LSG) sowie LEOS (Lufthansa Engineering and Operational Services GmbH) geeinigt. Die Gehälter der Beschäftigten erhöhen sich in drei Schritten, zunächst um einen Festbetrag in Höhe von 200 Euro monatlich ab dem 1. Juli 2022, ab dem 1. Januar 2023 um weitere 2,5 Prozent, mindestens aber um 125 Euro monatlich sowie nochmals um 2,5 Prozent ab 1. Juli 2023. Auszubildende erhalten ab 1. Juli 2022 einen Festbetrag von 180 Euro monatlich. Die Laufzeit des Tarifvertrages beträgt 18 Monate und endet am 31. Dezember 2023. 

    DHL Home Delivery – 2.820 Euro mehr Gehalt bis Ende 2023: Die ver.di-Mitglieder und Aktiven bei der DHL Home Delivery haben sich einen deutlich besseren Tarifvertrag mit bis zu 8,6 Prozent höheren Löhnen erstritten. Mit der Gehaltszahlung im Monat August haben die Beschäftigten bei der DHL Home Delivery zunächst eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro erhalten. Diese 500 Euro werden dann ab 2023 für die Entgeltgruppen 1-4 als Jahressonderzahlung jeweils im November des Jahres gezahlt. Für die Entgeltgruppen 5-6 wird die Richtgröße zur Ermittlung des variablen Entgelts zum 1. Januar 2023 um diese 500 Euro erhöht. Darüber hinaus werden die Monatsentgelttabellen zum 1. Oktober 2022 zusätzlich für alle um 140 Euro erhöht. Durch die Tarifeinigung werden für Vollzeitbeschäftigte ab August 2022 die Einkommen aufs Jahr gerechnet um 920 Euro erhöht. Für das Jahr 2023 summiert sich das insgesamt auf 1.900 Euro (Teilzeitbeschäftigte anteilig). In der Entgeltgruppe 2 Stufe 2 steigen die Tarifentgelte somit insgesamt um 8,6 Prozent. Auch die Ausbildungsvergütung steigt: zum 1. Oktober 2022 im ersten Jahr auf 850 Euro, im zweiten Jahr auf 950 Euro, im dritten Jahr auf 1.050 Euro und im vierten Jahr auf 1.100 Euro.

    Geld- und Wertbranche – Gehälter steigen zweistellig: Die rund 11.000 Beschäftigten in der Geld- und Wert-Branche erhalten seit 1. August 2022 deutlich mehr Geld. Je nach Tätigkeit und Region werden die Gehälter um Festbeträge angehoben, die im ersten Schritt eine Anhebung zwischen 7,5 Prozent und 11,7 Prozent ausmachen. Im zweiten Schritt zum 1. August 2023 liegen die Erhöhungen umgerechnet zwischen 3,25 Prozent und 4,7 Prozent. Zudem wurde eine Anpassungsklausel vereinbart, die noch höhere Steigerungen vorsieht, falls die Inflationsrate 5 Prozent übersteigt. Dafür werden im Zeitraum von Januar bis Mai 2023 die Preissteigerungen beobachtet. Außerdem sieht die Tarifvereinbarung für die neuen Bundesländer zum 1. August 2024 einen Angleichungsschritt zur weiteren Harmonisierung der Einkommensverhältnisse vor. Über die gesamte Laufzeit steigen die Einkommen dort sogar um etwa 18 Prozent. Die Tarifvereinbarung hat eine Laufzeit von 27 Monaten bis zum 30. September 2024. 

     

    Starke Betriebsräte, starke Mitbestimmung

    Nie war gewerkschaftliche Solidarität und Zusammenhalt wichtiger, nie waren die Rechte und Interessen der Beschäftigten und Solo-Selbstständigen schutzwürdiger. Immer mehr Arbeitgeber sehen, dass sie die Krise nur mit ihren Beschäftigten stemmen. Aber: nicht alle. Deshalb: Nur eine starke Mitbestimmung, starke Betriebsräte und Vertrauensleute im Betrieb und gewerkschaftliche Organisation garantieren Mitsprache und Einfluss gegenüber Arbeitgebern und Politik.