Geld & Tarif

    Kompletter Entwurf für Tarifvertrag liegt vor

    Arbeit von uni-assist e.V. als öffentliche Aufgabe anerkennen

    Die bei ver.di organisierten Beschäftigten der Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerbungen (uni-assist e.V.) fordern einen Haustarifvertrag, mit dem die Arbeitsbedingungen an die des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst angeglichen werden. Dem 2003 gegründeten Verein mit Sitz in Berlin gehören mehr als 180 deutsche Hochschulen an, für die er Studienbewerbungen aus aller Welt prüft. Etwa 300 Menschen arbeiten für uni-assist e.V.. Mittlerweile sind mehr als 60 Prozent der unbefristet Beschäftigten bei ver.di organisiert. Neben einer Vergütung nach TVöD Bund wollen sie klare Entfristungsregeln, eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit bei Vollzeit auf 38,5 Stunden und verbindliche Jahressonderzahlungen. VERDI.DE sprach mit ver.di-Verhandlungsführerin Jana Seppelt  

    VERDI.DE: Wie kam es zur Bildung der Tarifinitiative bei uni-assist? Wie gut ist ver.di dort verankert?

    Zuerst haben wir bei uni-assist einen Betriebsrat gegründet. Der hat dann zwei Jahre lang gearbeitet und dabei in der Praxis gemerkt, dass er bestimmte Sachen nicht regeln kann, die aber geregelt werden müssen. Sei es gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder eine ordentliche Eingruppierungsstruktur. Dafür ist ein Betriebsrat nach der Betriebsverfassung einfach nicht zuständig. Aus dem Betriebsrat entstand die Idee: Jetzt reden wir einfach mal mit ver.di und gucken, wie wir zu einem guten Haustarifvertrag kommen. Der Fachbereich hat dann begonnen, diesen Prozess eng zu begleiten, so wie wir das in vielen Betrieben machen. Das hatte bei den Beschäftigten eine äußerst positive Resonanz. Seit dem 1. März stand dann fest, dass wir zu Tarifverhandlungen auffordern werden. Wir arbeiten völlig transparent, kommunizieren sehr klar mit der Belegschaft. Die im Frühsommer 2018 gewählte Tarifkommission ist für die Beschäftigten ein echter Ansprechpartner. Sie hat den Prozess der bedingungsgebundenen Mitgliederwerbung für ver.di vorangetrieben und damit die Voraussetzung geschaffen, dass wir ein Mandat der Belegschaft haben. 

    VERDI.DE: Wie realistisch ist eine Angleichung der Tarife bei uni-assist an die des öffentlichen Dienstes? Wer soll dafür aufkommen?

    Wir haben ausgerechnet, was die Erfüllung unserer Forderungen einschließlich aller Entfristungen kosten würde. Da geht es um einen Betrag von 1,8 Millionen Euro im Jahr. Teilt man diese Summe auf die 180 Mitgliedshochschulen von uni-assist auf, ergeben sich 10.000 Euro pro Hochschule. Das entspricht gerade mal 20 Prozent des Gehalts bei einer E9-Stelle. Dem stellen wir gegenüber, was es eine Hochschule kosten würde, die Leistungen von uni-assist selbst zu erbringen. 

    VERDI.DE: Das klingt finanzierbar. Fehlt es am politischen Willen?

    Die Bearbeitungskosten, die uni-assist verlangt, werden fast ausschließlich von den Menschen getragen, die hier in Deutschland studieren wollen. Das wird auch von den ASten der Hochschulen heftig kritisiert. Schließlich hat sich die Bundesrepublik zur Internationalisierung von Hochschule und Forschung vertraglich verpflichtet. Dazu gehört, internationale Studierende aufzunehmen. Die Hochschulen müssen dabei stärker finanziell in die Pflicht genommen werden und ebenso Bund und Länder. 

     

    Tarifinitiative uni-assist ver.di Der Kompass ist auf Tarifvertrag gestellt.

    VERDI.DE: uni-assist wurde nun Gastmitglied im Kommunalen Arbeitgeberverband Berlin. Fangen durch den Wechsel in der Verhandlungsführung die Gespräche wieder bei Null an? 

    Wir sind tatsächlich wieder nahe Null. Wir hatten ja zuvor bereits zwei Verhandlungsrunden mit einem von uni-assist beauftragten Anwaltsbüro. Dessen Zusagen wurden nun wieder in Frage gestellt. Das hatte zur Folge, dass in den vergangenen zwei Monaten nicht über Inhalte gesprochen werden konnte. Der Eintritt in den KAV hat uns erst einmal gefreut, weil damit indirekt die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes als Bezugspunkt anerkannt werden. Gleichzeitig sehen wir solche Gastmitgliedschaften ohne Tarifbindung generell kritisch. 

    VERDI.DE: Warum besteht ihr darauf, in den Räumen von uni-assist e.V. zu verhandeln?

    In dieser Frage ringen wir noch mit dem KAV. Bei uni-assist haben wir eine sehr junge Belegschaft. Sie hat einen hohen Anspruch an Transparenz und Demokratie, den ich teile. Dieser Anspruch soll sich auch in der Art des Verhandlungsprozesses widerspiegeln. Die Leute bei uni-assist arbeiten 40 Stunden in der Woche, und sie arbeiten unter einem hohen Druck. Deshalb möchten wir die Tarifkommissionsmitglieder so wenig wie möglich belasten. Dazu gehört für mich auch, dass wir bei uni-assist verhandeln, um die Wege kurz zu halten. Es geht schließlich um einen Haustarifvertrag. Wir reden ja nicht von Gesprächen mit vielen Partnern, bei denen wir einen neutralen Ort bräuchten.

    VERDI.DE: Wie geht es jetzt weiter und wann ist mit Ergebnissen zu rechnen? 

    Wir verstehen natürlich, dass die Gegenseite sich mit unseren Forderungen genau beschäftigen muss. Die stehen bereits seit einem halben Jahr klar formuliert im Raum: ver.di hat einen kompletten Entwurf für einen Tarifvertrag bei uni-assist vorgelegt. Am 29. Juli gibt es das nächste Treffen mit dem KAV. Wir erwarten, dass dann endlich auch konkret über unseren Vorschlag gesprochen wird. Sollten echte Verhandlungen weiter hinausgezögert werden, werden wir neben Aktionen im Betrieb natürlich auch auf Warnstreiks zurückgreifen. 

    Weitere Informationen und die Möglichkeit der direkten Unterstützung: www.verdi-uni-assist.de

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