Geld & Tarif

    Steuererklärung 2020

    Belege sammeln

    13. Januar 2021 – ver.di berät ihre Mitglieder auch in Corona-Zeiten. Zu den besonderen Leistungen, die die Gewerkschaft ihnen bietet, gibt es auch regelmäßige Videokonferenzen. In den Online-Treffs geht es um allgemeine Zusatzleistungen oder um Steuertipps. Nähere Infos zu den Terminen und den Veranstaltungen gibt es hier.   

    Steht das Thema Lohnsteuer auf dem Programm ist der Leiter der Zentralen Arbeitsgruppe (ZAG) für den ver.di-Lohnsteuerservice, Edmund Lennartz, mit dabei. Er gibt hier schon mal erste Tipps dazu, was bei der Lohnsteuererklärung für 2020 wegen Corona besonders zu beachten ist.

    Kinder

    2020 ist für jedes kindergeldberechtige Kind ein Bonus in Höhe von insgesamt 300 Euro gezahlt worden. Wer ihn noch nicht bekommen hat, sollte sich an die zuständige Kindergeldstelle wenden, rät Edmund Lennartz. Bezieht jemand ein höheres Einkommen, prüft das Finanzamt wie bisher auch im Rahmen der Steuererklärung, ob Kindergeld oder Kinderfreibeträge steuerlich günstiger sind. Dabei wird in diesem Jahr auch der Bonus einberechnet.

    Der bisherige Entlastungsbetrag für Alleinerziehende von bisher 1.908 Euro pro Jahr wird ab 2020 auf 4.008 Euro erhöht. „Die Anhebung hat eine durchschnittliche Erstattung von zirka 550 Euro zur Folge“, rechnet Edmund Lennartz vor. Anspruch auf den Entlastungsbetrag haben Alleinstehende nur, wenn sie keine Hausgemeinschaft mit einer weiteren volljährigen Person gebildet haben. Für jedes weitere Kind wird ein Erhöhungsbeitrag von jeweils 240 Euro gewährt.

    Bonuszahlungen

    Klatschen vom Balkon ist zwar nett, macht aber nicht satt. Daher hat die Bundesregierung für Arbeitgeber die Möglichkeit geschaffen, bis zu 1.500 Euro an jede*n Beschäftigte*n zu zahlen, auf die keine Steuern und Abgaben erhoben werden. Voraussetzungen: Die Zahlung muss zwischen dem 1. März 2020 und dem 30. Juni 2021 und zusätzlich zum Lohn erfolgt sein. Es darf also nicht das bisherige Weihnachtsgeld in einen Corona-Bonus umbenannt ­werden. Liegen die Corona-Zuwendungen über 1.500 Euro, wird der übersteigende Betrag wie der Lohn mit Steuern und Sozialabgaben belastet. Ursprünglich musste die Zahlung bis zum 31. Dezember 2020 erfolgt sein, mittlerweile ist der Zeitraum verlängert worden. Allerdings bleibt es bei der Höhe von 1.500 Euro.

    Kurzarbeitsgeld

    Um Entlassungen in Zeiten wirtschaft­licher Unsicherheit erst mal zu umgehen, können Betriebe ihre Beschäftigten ganz oder teilweise in Kurzarbeit schicken. Wie viel Lohn und wie viel Kurzarbeitsgeld jemand im Jahr bezogen hat, weist der Arbeitgeber auf der Lohnsteuerbescheinigung aus. Aufstockungen durch den Arbeitgeber sind möglich, ver.di hat dazu in vielen Branchen entsprechende Vereinbarungen ausgehandelt.
    Dennoch gibt es steuerlich einiges zu beachten.

    Wie alle Lohnersatzleistungen – dazu zählen auch Eltern-, Arbeitslosen- und Krankengeld – wird auch das Kurzarbeitsgeld netto ausgezahlt. Versteuert werden muss es nicht, fällt aber unter den Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass die Summe der Lohnersatzleistungen mit dem ohnehin zu versteuernden Einkommen addiert wird. Nach der Höhe dieses Gesamteinkommens richtet sich der Steuersatz, mit dem der einkommenssteuerpflichtige Teil des Jahreseinkommens versteuert wird. Je nachdem wie viel Lohnersatz jemand in dem Jahr bezogen hat, können Nachzahlungen fällig werden bzw. die Erstattung durch das Finanzamt geringer ausfallen als in den Jahren zuvor. Auch wenn der Ehepartner oder die Ehepartnerin Einkünfte erzielt hat, kann sich das negativ auswirken.

    Ehepaaren empfiehlt Lennartz, zu prüfen, ob sich der Wechsel zur Einzelveranlagung lohnt. Er weist außerdem darauf hin, dass eine Pflicht zur Lohnsteuererklärung besteht, wenn jemand in einem Jahr mehr als 410 Euro an Lohnersatzleistungen ­bezogen hat.

    Arbeitszimmer

    Neben Kurzarbeit ist die Arbeit im Homeoffice eine häufige Folge der Corona-Pandemie. Die Hürden, um Kosten für ein Arbeitszimmer steuerlich absetzen zu können, sind allerdings hoch. Es darf kein Arbeitsplatz im Büro zur Verfügung stehen und das Arbeitszimmer zu Hause muss ein separater Raum sein.

    Mit dem Jahressteuergesetz 2020 wurde eine Homeoffice-Pauschale eingeführt. Das Finanzamt erkennt pauschal für jeden Tag, an dem zu Hause gearbeitet wurde, 5 Euro an. Die Summe ist insgesamt auf 600 Euro pro Jahr gedeckelt, das entspricht 120 Arbeitstagen. Diese Regelung soll auch für 2021 gelten. Die Pauschale zählt zu den Werbungskosten. Wer insgesamt mit seinen Werbungskosten (inklusive dieser Pauschale) nicht über 1000 Euro kommt, hat von dieser Regelung keinen finanziellen Vorteil. 

    Arbeitsmittel

    Ob Schreibtischstuhl, Computer, Monitor, Repeater, Druckerpapier oder ein Kugel­schreiber – eine Liste möglicher ­Arbeitsmittel im Homeoffice ist lang. Sie können bei der Steuererklärung geltend gemacht werden, wenn die entsprechenden Belege vorhanden sind. Wer 2020 viel im Homeoffice gearbeitet hat, hat auch mehr davon gebraucht als vielleicht in anderen Jahren. Arbeitsmittel, die mehr als 800 Euro gekostet haben, ­werden entsprechend ihrer voraussichtlichen Nutzungsdauer über mehrere ­Jahre abgeschrieben; die liegt etwa bei einem Computer bei drei Jahren.

    Ist Homeoffice angeordnet worden und ist es dabei notwendig, mit dem Büro/Arbeitgeber beruflich zu kommunizieren, können meist pauschal 20 Euro pro ­Monat für Telefon- und Internetkosten geltend gemacht werden.

    Fahrtkosten

    Wer häufig im Homeoffice gearbeitet hat, kann an weniger Tagen Fahrtkosten für den Arbeitsweg absetzen. Hier rät Lennartz unbedingt dazu, ehrlich zu bleiben – sonst ist schnell ein Straftatbestand erfüllt.

    Wer für den Weg zur Arbeitsstätte eine Bahncard oder ein Jahres-Abo für öffentliche Verkehrsmittel nutzt, muss bestimmte Kriterien berücksichtigen, um den vollen Betrag absetzen zu können. Entscheidend ist der Zeitpunkt des Kaufs. Konnte man zu diesem Zeitpunkt von ­einem ganz normalen Arbeitsjahr ausgehen, dürfte die Absetzbarkeit problemlos sein. Erkennt das Finanzamt das nicht an, lohnt es sich, Einspruch einzulegen. Wer jedoch beispielsweise Anfang April im Homeoffice war, der kann bei einem Kauf zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt von der Notwendigkeit einer Jahreskarte ausgehen.

    Urlaub

    Kosten von Reise-Rückholaktionen können als außergewöhnliche Belastungen nur geltend gemacht werden, wenn der Urlaub bereits vor einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes angetreten ­wurde. Ob auch Kosten für Urlaube, die nicht angetreten werden konnten, weil zum Beispiel bei der Rückkehr eine 14-tägige Quarantäne gedroht hat, absetzbar sind, wird sich noch zeigen. Rund um Corona und Steuerrecht wird vieles in den nächsten Monaten sicherlich noch durch Gerichte geklärt werden müssen. Lennartz empfiehlt daher, diese Kosten im Zweifel geltend zu machen – auch wenn er wenig optimistisch ist, dass sie als außergewöhnliche Belastung anerkannt werden.

    Kita, Schule und Hort geschlossen, die Großeltern hatten anderes vor – in Situationen wie diesen haben viele im Jahr 2020 unbezahlten Urlaub nehmen müssen. Wer dafür eine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz bekommen hat, der sollte den Abschnitt über das Kurzarbeitergeld genau lesen. Denn ähnlich wie diese Lohnersatzleistung wird auch diese Entschädigung steuerfrei
    ausgezahlt, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt.

    Krankheitskosten

    Zuzahlungen zu Medikamenten oder Kosten für die Fahrten zu Ärzt*innen sind von der Steuer absetzbar, wenn sie einen bestimmten Anteil am Jahreseinkommen überschreiten. Daher gilt es in diesem Jahr doppelt aufzupassen. Wer viel Kurzarbeitergeld bezogen hat, hat ein niedriges Jahreseinkommen – und überschreitet den Wert für die zumutbare ­Eigenbelastung schneller. Zum anderen erhöhen Kosten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie die Belastung. Edmund Lennartz rät, Belege jeglicher Art zu sammeln, ganz gleich ob für Masken, Desinfektionsmittel, Fahrten zu Teststellen oder für die Tests selbst.

    Nützliche Links

    Weitere ständig aktualisierte Informationen gibt es auf folgenden offiziellen Seiten der Bundesregierung:

    Familien, Steuerhilfen, Arbeitnehmer*innen

    Außerdem gibt es beim Bundesfinanzministerium eine Website mit laufend aktualisierten FAQ zum ­Thema Corona und Steuer

    Beratung bei ver.di

    ver.di-Mitglieder können sich rund um die Lohnsteuer kostenlos von ver.di be­raten lassen. Termine dazu können sie über die Bezirksgeschäftsstellen vereinbaren. Allerdings sind sie sehr begehrt. Edmund Lennartz rät, sich um einen Beratungstermin zu kümmern, sobald die Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers vorliegt. Die Steuererklärung muss bis zum 31. Juli beim Finanzamt sein. ­Viele Finanzämter seien mittlerweile schnell dabei, Verspätungszuschläge zu erheben, warnt der oberste ver.di-­Steuerexperte.

    Der ver.di-Lohnsteuerservice darf ausschließlich abhängig Beschäftigte sowie Rentner*innen und Versorgungsempfänger*innen beraten. Mehr Infos dazu gibt es für ver.di-Mitglieder im ver.di-Mitgliedernetz unter dem Stichwort Lohnsteuerservice.

    Für ver.di-Mitglieder aus Nordrhein-Westfalen bietet der ver.di-Landesbezirk NRW Video-Chats für bestimmte Gruppen wie ehrenamtlich Aktive, Azubis, Behinderte oder Frauen. Auch hierzu stehen weitere Infos und die Termine im ver.di-Mitgliedernetz, die unter dem Stichwort Steuertipps zu finden sind. Mit Hilfe dieses Suchbegriffs stoßen ver.di-Mitglieder übrigens auch auf dem Beitrag „Steuertipps für den Veranlagungszeitraum 2020“. 

    Soloselbstständige finden Steuertipps und Hilfe bei Steuerangelegenheiten hier

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