Geld & Tarif

    „Sozialpartnerschaft statt Raubtierkapitalismus“

    Gelbwesten gegen Celenus

    Berlin, 12. Dezember 2018 | Sie fordern nichts Utopisches, die Beschäftigten der Reha-Klinik Bad Langensalza in Thüringen. Sie fordern gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen, kurzum einen Tarifvertrag, der ihnen genau das sichert. Und weil der private Klinikbetreiber Celenus mehr Geld und gute Bedingungen verweigert, rabiat und massiv gegen die Beschäftigten vorgeht, die sich für einen solchen Tarifvertrag einsetzen, haben die Beschäftigten aus Bad Langensalza am 11. Dezember erneut in Berlin protestiert. Unterstützt wurden die rund 30 Beschäftigten, die aus Thüringen angereist kamen, von mehr als 100 streikenden Kolleginnen und Kollegen der Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum GmbH. Die Therapeut/innen und Anmeldekräfte des Tochterunternehmens der Berliner Universitätsklinik streiken derzeit für eine Angleichung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Zusammen kamen alle vor dem Novotel in Berlin-Mitte – in Gelbwesten.


    Dort auf der Fischerinsel fand der „Reha-Wirtschaftstag“ statt, und die Celenus-Vorstandsvorsitzende Susanne Leciejewski war eine der erwarteten Referent*innen. Und da sie sich in Bad Langensalza draußen bei den Streikenden noch nie hat sehen lassen, haben sie sich auf den Weg zu ihr gemacht. Aus gutem Grund: Seit nunmehr 21 Wochen streiken die Beschäftigten der Thüringer Klinik für einen Entgelt-Tarifvertrag. Derzeit erhalten Fachkräfte bis zu 42 Prozent weniger Geld als beispielsweise die Beschäftigten in Kliniken der Deutschen Rentenversicherung. Statt mit ver.di in Tarifverhandlungen nach einem fairen Kompromiss zu suchen, geht Celenus mit aller Härte gegen die Streikenden vor: Aussperrungen, Freistellungen, Kündigungen. Die fristlosen Kündigungen von zwei Gewerkschafterinnen hat das örtliche Arbeitsgericht inzwischen für unwirksam erklärt.

    „Im Gesundheitswesen muss es um Menschen gehen, nicht um größtmögliche Gewinne.“

    Sylvia Bühler, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    „Die Beschäftigten im Gesundheitswesen haben gute Arbeitsbedingungen und eine anständige Bezahlung verdient, doch bei Celenus in Bad Langensalza werden sie drangsaliert, ausgesperrt und entlassen, weil sie sich für einen Tarifvertrag stark machen“, sagt das zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. „Celenus erweist der gesamten Branche mit diesem unsäglichen Angriff auf Arbeitnehmerrechte einen Bärendienst, deshalb ist der Reha-Wirtschaftstag ein geeigneter Ort für den Protest.“ Auch das zur französischen Orpea-Gruppe gehörende Unternehmen Celenus müsse sich an Recht und Gesetz halten, so Bühler weiter. „Im Gesundheitswesen braucht es gelebte Sozialpartnerschaft statt Raubtierkapitalismus.“ Dass die streikenden Kolleginnen und Kollegen sich nicht einschüchtern ließen, verdiene Respekt. Deshalb erführen sie bundesweit und auch aus dem europäischen Ausland viel Solidarität.


    „Ich kann Celenus nur dringend empfehlen, sich endlich auf eine Schlichtung einzulassen, damit sich in der Klinik wieder auf die Patienten konzentriert werden kann", so Bühler. Es sei eine Schande, wenn Frauen nach Jahrzehnten hochqualifizierter und engagierter Arbeit in der Altersarmut landeten. „Im Gesundheitswesen muss es um Menschen gehen, nicht um größtmögliche Gewinne.“ Der Celenus-Mutterkonzern Orpea erzielte 2017 in Europa eine operative Umsatzrendite von 27 Prozent – mehr als die meisten Industriefirmen. Das geschieht auf Kosten der Beschäftigten, in Thüringen und anderswo. Überall in Europa berichten Gewerkschaften von ausbeuterischen Methoden und schlechten Arbeitsbedingungen bei Orpea. Dagegen wehren sich die Beschäftigten, hierzulande zusammen mit ver.di.

    Mehr als 100 streikende Kolleginnen und Kollegen der Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum GmbH solidarisierten sich mit den Celenus-Beschäftigten aus Bad Langensalza Foto: Renate Koßmann Mehr als 100 streikende Kolleginnen und Kollegen der Charité solidarisierten sich mit den Celenus-Beschäftigten aus Bad Langensalza

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