Geld & Tarif

    Tarifabschluss bei Edeka

    Wir lieben Streiks

    Tarifabschluss bei Edeka

    31.08.2011 | Sabine Zimmer ist bei ver.di Berlin-Brandenburg für den Großhandel zuständig. Im Interview mit der ver.di-PUBLIK berichtet sie vom Streik und erklärt den Tarifvertrag.

    ver.di PUBLIK: Glückwunsch! Ihr habt in der Nacht zum 31. August einen Tarifabschluss für den genossenschaftlichen Großhandel in Brandenburg durchgesetzt, in der zehnten Verhandlungsrunde. Nach einem überraschenden Streik ging es sehr schnell. Was habt Ihr erreicht?
    Sabine Zimmer: Der Abschluss entspricht dem, was in anderen Bundesländern üblich ist – das hatten wir gefordert. Wir haben mit Edeka einen unternehmensbezogenen Verbandstarifvertrag abgeschlossen, der in einem Stufenplan die Angleichung an das allgemeine Tarifniveau bis Ende 2015 bringt. Das bedeutet im Durchschnitt 180 Euro mehr pro Monat für die Beschäftigten. Für die Lagerarbeiter der Lohngruppe 3 heißt das beispielsweise fürs zweite Halbjahr dieses Jahres insgesamt 400 Euro mehr und zusätzlich eine Einmalzahlung von 80 Euro im Oktober. Der Abschluss bringt auch für alle 30 Tage Urlaub im Jahr.

    "Der Kraftfahrer, der am 29. August früh als erster auf den Hof kam und den Streikaufruf sah, rief sofort: Es wird Zeit!"

    Sabine Zimmer, ver.di Berlin-Brandenburg

    Rund 600 Beschäftigte des Edeka-Logistikzentrums und der Verwaltung in Freienbrink und Mittenwalde waren am 29. August um null Uhr in den Streik getreten, 95 Prozent der Frauen und Männer, die dort arbeiten. Von den 130 LKW-Touren, die früh anstehen, um die Edeka-Märkte mit frischen Lebensmitteln zu beliefern, sind nur fünf rausgegangen. Wie kam es zu dem Arbeitskampf?
    Mit dem genossenschaftlichen Arbeitgeberverband, zu dem Edeka gehört, hatten wir zum letzten Mal vor 15 Jahren einen Tarifvertrag abgeschlossen. Seitdem gab es nur noch gnädige „freiwillige Zulagen“ für die Beschäftigten. Dadurch bekamen sie zum Beispiel als Weihnachtsgeld immer noch 55 Prozent des Tarifentgelts – wie schon 1996. Der Kraftfahrer, der am 29. August früh als erster auf den Hof kam und den Streikaufruf sah, rief sofort: Es wird Zeit!

    Wie haben die Kunden in den Edeka-Märkten reagiert?
    Verständnisvoll. Von Freienbrink und Mittenwalde aus werden rund 1000 Edeka-Filialen in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt beliefert. In einem Markt sind durch den Streik die Radieschen ausgegangen, frisches Obst und Gemüse, frische Milch und Fleisch wurden auch an anderen Orten knapp. Händler haben angerufen und gefragt, was los ist, aber auch Kundinnen. Die meisten haben den Streik akzeptiert. Viele wissen auch, dass der Edeka-Großhandel der größte Arbeitgeber in der Region ist.

    Wie ist die Stimmung jetzt?
    Super! Nach fünfzehn Jahren war ein Streik Neuland für uns, aber es lief großartig – und zum richtigen Zeitpunkt: Wir haben den Arbeitgeber kalt erwischt.

    Das Interview führte Claudia von Zglinicki

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