Geld & Tarif

    Laschen ist Hafenarbeit

    Reeder halten sich nicht an Tarifvertrag

    Berlin, 24. Januar 2020 – Zahlreiche Reeder und Charterer begehen Tarif- und Vertragsbruch: Sie haben den IBF-Tarifvertrag vom Februar 2018 zwischen internationalem Gewerkschaftsverband ITF (International Transport Workers' Federation) und internationalem Arbeitgeberverband IMEC (International Maritime Employers Council), der unter anderem regelt, dass in den Häfen weltweit Ladungssicherungsarbeiten auf Seeschiffen von Hafenbeschäftigten durchzuführen sind, bislang einfach nicht umgesetzt. Teilweise haben sie sogar erklärt, dass sie den Vertrag nicht einhalten. ver.di kritisiert das scharf.

    Ein Hafenarbeiter bewacht das Entladen eines Schiffs im Seehafen Wismar. Der Tarifabschluss für die Beschäftigten in Seehäfen bringt eine tabellarische Erhöhung aller Lohngruppen um 2,7 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten Foto: Büttner/dpa-Bildfunk Ein Hafenarbeiter im Seehafen Wismar bewacht das Entladen eines Küstenmotorschiffs

    Körperlich anstrengend und gefährlich

    Ausdrücklich auf Wunsch der Arbeitgeber wurde eine Übergangsfrist für Europa und Kanada bis zum 1. Januar 2020 vereinbart, um die Umsetzung zu erleichtern. Seit dem 1. Januar 2020 müssen auf tarifgebundenen Schiffen in Europa und Kanada ebenfalls alle Ladungssicherungsarbeiten (Laschen) von Hafenbeschäftigten durchgeführt werden. Im Fokus stehen in Europa die Zulieferverkehre auf See, die sogenannten Feederverkehre. Bisher haben die Seeleute auf Feederschiffen, zusätzlich zu ihren umfangreichen Aufgaben auf See, diese körperlich anstrengenden und gefährlichen Arbeiten während ihrer Ruhezeiten übernommen, teilweise noch während der Fahrt, was in Deutschland verboten ist. ver.di fordert die Politik auf, dafür zu sorgen, dass die Hafenbehörden, die Arbeitsschutzämter und die Berufsgenossenschaften ihren Aufgaben und Pflichten nachkommen und gegen diese Verstöße vorgehen. 

    „Wir haben die Anregung der Politik aufgenommen, das Problem auf Ebene der Sozialpartner zu lösen und nehmen nun diesen Vertragsbruch nicht hin. Das unsoziale und gierige Verhalten der Reeder und Charterer muss gestoppt werden“, sagt Robert Hengster, bei ver.di zuständig für die maritime Wirtschaft. Die Reeder und Charterer hätten für die Umsetzung der sogenannten „Dockers' clause“ eine fast zweijährige Übergangsfrist erhalten. Die meisten Unternehmen hätten diese Frist ungenutzt verstreichen lassen und auf Zeit gespielt oder erklärt, den bestehenden Vertrag nicht einzuhalten. Mit diesem Tarif- und Vertragsbruch würden sich die meisten Feeder-Reeder einen Kostenvorteil gegenüber den vertragstreuen Mitbewerbern verschaffen.

    Die europäischen und kanadischen Gewerkschaften der Hafenbeschäftigten haben beschlossen, gemeinsam mit ihren Dachverbänden ITF und ETF diese Praxis zu bekämpfen. Die Unternehmen werden aufgefordert, den Tarifvertrag einzuhalten und die Verstöße dagegen unverzüglich einzustellen.

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