Geld & Tarif

    Nur Tarifverträge schaffen gute Löhne

    Kommentar: Es geht um mehr als um Prämien

    15. Juli 2020 | Viele Menschen, die in der Krankenpflege arbeiten, sind derzeit verärgert, weil sie – anders als die Beschäftigten in der Altenpflege – keinen Bonus und keine Prämie für ihre besondere Leistung und schwere Belastung in Zeiten von Corona erhalten haben. Nicht nur sie, auch viele andere wünschen sich endlich einen Zuschlag und mehr Anerkennung für ihre wichtige Arbeit. Und das wäre auch nur gerecht.

    Um es klar vorwegzunehmen: Natürlich steht den Beschäftigten in der Altenpflege die Sonderzahlung zu. Ein Bonus, der im Übrigen auf eine Tarifinitiative von ver.di für allgemeinverbindliche Regelungen in der Altenpflege zurückgeht. Doch auch Krankenpflegerinnen und -pfleger in Kliniken, und all die anderen Menschen, die ebenfalls den Laden zusammenhalten – ob in der Behindertenhilfe, im Sozialwesen, in der Reinigung, im Nahverkehr oder im Handel – auch sie hätten einen Corona-Bonus ganz sicher verdient. Und ver.di fordert ihn auch seit Wochen schon ein.

    Doch es geht um weitaus mehr: Der Unmut derjenigen, die jetzt leer ausgegangen sind, lenkt den Blick auf das eigentliche Problem. Es kann nicht nur um eine einmalige Prämie als Anerkennung für wichtige Arbeit in der Daseinsvorsorge in Pandemie-Zeiten gehen, es geht vor allem um dauerhaft gute Löhne für systemrelevante Arbeiten. Dazu braucht es Tarifverträge – und die fallen nicht vom Himmel.

    In Zeiten von Corona wurde für viele Menschen wie unter einem Brennglas sichtbar, welche Arbeiten unverzichtbar sind. Das ist gut so. Die bittere Wahrheit ist aber auch, viele dieser Arbeiten sind frauendominierte Berufe, die schlecht bezahlt werden. Dort, wo überwiegend Frauen arbeiten, wird und wurde schon immer weniger anerkannt, weniger wertgeschätzt und weniger entlohnt. Das lässt sich auch nicht mit einmaligen Prämien heilen.

    Frauen und Männer in systemrelevanten Berufen haben mehr verdient. Sie machen unverzichtbare, dringend notwendige Arbeiten. Sie riskieren ihre Gesundheit für andere. Sie schuften bis an ihre Grenzen. Sie liefern ab. Dann sollen sie bitteschön auch eine anständige Entlohnung bekommen. Sie haben ein Recht auf gute Löhne und gute Gehälter.

    Verkäuferinnen, Krankenpflegerinnen, Altenpflegerinnen und Sozialarbeiterinnen, sie alle möchten keine frommen Worte, sie wollen eine spürbare Anerkennung. Die aber gibt es dauerhaft und in angemessener Höhe nur per Tarifvertrag. Deshalb müssen sie in die Gewerkschaft eintreten und notfalls auch für ihre Rechte streiken. Die Arbeitgeber werden ihnen sicher nichts schenken, jedenfalls nicht aus freien Stücken.

    Für die eigenen Interessen selbstbewusst einzutreten und für wichtige Arbeit auch gute Löhne zu fordern, das ist ebenfalls systemrelevant und unverzichtbar. Sonst ändert sich nie etwas.

    Marion Lühring

    Krankenschwester Cornelia Möller prüft ein Beatmungsgeräte in einem Zimmer der Intensivstation in der Helios-Klinik. Auf den Isolierstationen tragen die Ärzte, Schwestern und Mitarbeiter Schutzanzüge, Brillen und Mundschutz. Das Helios Klinikum bereitet sich auf einen Anstieg bei Corona-Fälle vor Foto: DPA Krankenschwester Cornelia Möller prüft ein Beatmungsgerät in einem Zimmer der Intensivstation in der Helios-Klinik. Auf den Isolierstationen tragen die Ärzte, Schwestern und Mitarbeiter Schutzanzüge, Brillen und Mundschutz

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