Geld & Tarif

    Fotografiert und überwacht

    Unternehmenskultur geht anders

    Am 12. September haben die Kabinenbeschäftigten von Ryanair bundesweit zum ersten Mal gestreikt. Allein am Flughafen Frankfurt, dem größten internationalen Drehkreuz für Flüge in Deutschland, beteiligten sich 75 Prozent der Belegschaft an dem Streik. An dem Gebaren der irischen Billigfluglinie gegenüber seinem Personal hat das nichts geändert. In Folge des gestrigen Warnstreiks der Ryanair-Kabinenbeschäftigten hat die Geschäftsführung ihre Drohungen gegenüber den Streikenden verstärkt hat. ver.di fordert Ryanair dazu auf, die anhaltenden Einschüchterungen gegenüber den Beschäftigten umgehend zu unterlassen. 

    Allein am Flughafen Frankfurt beteiligten sich 75 Prozent der Ryanair-Kabienbeschäftigten am ersten Streik in Deutschland Foto: DPA Bildfunk Allein am Flughafen Frankfurt beteiligten sich 75 Prozent der Ryanair-Kabienbeschäftigten am ersten Streik in Deutschland

    Während des Streiks hat das Unternehmen an mehreren Flughäfen Führungskräfte eingesetzt, die Streikende fotografiert und überwacht haben. Darüberhinaus wurde allen Streikenden mit dem Status „unerlaubter Entzug der Arbeitskraft“ („no show“) versehen. Ryanair stellt damit das Streikrecht ihrer Beschäftigten infrage. ver.di prüft auch deshalb juristische Schritte bei dieser versuchten Einschränkung des Streikrechts.

    „Dieses Verhalten des Unternehmens ist ein Angriff auf die Grundrechte der Beschäftigten“, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Ryanair versuche mit allen Mitteln, die Beschäftigten unter Druck zu setzen. ver.di erwarte, dass das Unternehmen umgehend alle Einschüchterungsversuche gegenüber seinen Beschäftigten einstelle und seine Unternehmenskultur ändere. Behle fordert Ryanair auf, mit einem verhandlungsfähigen Angebot an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

    Dumpinglöhne: Basisgehalt ab 800 Euro bei Vollzeit

    In den letzten Monaten sind immer mehr Ryanair-Beschäftigte bei ver.di Mitglied geworden, weil ihre Arbeitsbedingungen mies sind und der Arbeitgeber sich nicht bewegt. „Wir sind mit unseren Forderungen noch nicht einmal beim Niveau anderer Billiganbieter“, sagt ver.di-Verhandlungsführerin Mira Neumaier. Ein erstes Ziel seien erst einmal gesicherte Einkommen. In der ersten Verhandlungsrunde hatte Ryanair zwar zugesagt, nationale Verträge abschließen zu wollen, hatte dies aber erst zum Jahr 2022 in Aussicht gestellt. Die bislang angebotenen Entgelterhöhungen reichen hingegen längst nicht aus. Sie bedeuten 41 Euro brutto mehr im Monat. Das sei völlig indiskutabel, sagt Mira Neumaier. Aktuell hätten die Beschäftigten ein Basisgehalt ab 800 Euro bei Vollzeit. Und das sei im Vergleich zum Billiganbieter Easy Jet bei vergleichbaren Positionen noch um 1.000 Euro brutto niedriger.

    Ryanair erkennt ver.di inzwischen als Gewerkschaft an. Bewegt hat das nach zwei Verhandlungsrunden noch nichts. Die Arbeitsbedingungen sind nach wie vor katastrophal. Wer auffällt, müsse mit heftigen Sanktionen rechnen, werde nach Dublin zitiert oder kurzfristig in ein anderes Land versetzt, sagt Christine Behle. Europaweit hat das Unternehmen 8.000 Flugbegleiterinnen und -begleiter, davon rund 1.000 in Deutschland und davon wiederum 700 Leiharbeiter/innen mit noch schlechteren Bedingungen, mit befristeten Arbeitsverträgen oder auch mit Kettenverträgen

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