Geld & Tarif

    Ein tierisches Vergnügen

    Tierpflege

    Berliner Zoobeschäftigte erstreiken bessere Bezahlung

    Harte Arbeit sind die Tierpfleger/innen im Zoologischen Garten Berlin und im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde gewohnt. Doch honoriert wurde das bisher nicht – wie sie am Monatsende beim Blick auf ihre Gehaltsabrechnungen sehen. Beim Vergleich mit anderen Zoos und Tierparks fiel die Bilanz ernüchternd aus: Mehr als 500 Euro weniger erhielten sie teilweise pro Monat. Es hat rumort bei den Beschäftigten, sie haben gestreikt, sie wollten mehr Geld. Jetzt waren sie erfolgreich.

    „Die Tiere sind nicht schuld“


    In der zweiten Verhandlungsrunde einigten sich der Kommunale Arbeitgeberverband Berlin für seine Mitglieder Zoo Berlin und Tierpark und die ver.di auf eine zukunftsweisende Tariflösung. Der Tarifvertrag sieht eine spürbare und wirtschaftlich vertretbare Anhebung der Gehälter sowie eine Neustrukturierung des Entgeltsystems vor. Beide Seiten zeigen sich erleichtert über die schnelle Einigung. Die Vereinbarung sieht unter anderem eine Anhebung der Gehälter zum 1. April 2017 um 5,2 Prozent vor. Ein weiterer Anhebungsschritt um 5,7 Prozent erfolgt zum 1. April 2018. Die nächste Steigerung der Entgelte in Höhe von 4,3 Prozent gibt es zum 1. April 2019. Zu den gleichen Zeitpunkten steigen die Ausbildungsentgelte um 7,8 Prozent, 8,5 Prozent und 4,3 Prozent.

    Auszubildende werden zudem entsprechend der Regelungen des öffentlichen Dienstes übernommen. Wichtig war den Tarifparteien auch eine Neustrukturierung des Entgeltsystems, um eine höhere Entgeltgerechtigkeit und Transparenz zu erreichen. Beide Tarifparteien verpflichteten sich deshalb zur Aufnahme von entsprechenden Tarifverhandlungen. Der Tarifvertag tritt rückwirkend zum 1. Januar 2017 in Kraft und hat eine Laufzeit bis zum 30. September 2019.

    Auf Euro und Cent: ver.di hatte vorgerechnet

    Im Verhältnis zu anderen Zoos verdienten die Berliner Beschäftigten sehr viel weniger. Als Beispiel hat die ver.di-Tarifkommission die Einkommen mit denen im Tierpark Eberswalde verglichen. Reich wurden die Beschäftigten auch dort nicht, doch sie wurden wenigstens nach dem Tarifvertrag bezahlt, der für die Beschäftigten des Bundes gilt. Kassierer, Pförtner und Kontrolleure erhalten dort als Einstiegsgehalt 1.953,10 Euro brutto pro Monat – nicht viel, aber doch 360,95 Euro mehr, als ihre Kolleg/innen in Berlin bekamen. Nach vier Jahren steigen die Einkommen nach der Tabelle auf 2.214,44 Euro, 514,14 Euro mehr, als die Berliner bisher erhielten.

    Bei den Tierpfleger/innen sah es ähnlich aus: 2.249,11 Euro in Eberswalde, in Berlin 332,51 Euro weniger. Nach vier Jahren steigen die Einkommen in Eberswalde auf 2.598,39 Euro brutto. Kein üppiger Verdienst, doch in Berlin wurden 519,55 Euro weniger gezahlt. Und in der höchsten Einkommensgruppe, der Gruppe der Bereichsleiter/innen, erhalten die Brandenburger nach der Tabelle des öffentlichen Dienstes 3.635,65 Euro, die Berliner bis jetzt 331,04 Euro weniger.

    „Jahrelang haben die Beschäftigten die Einrichtungen durch Lohnverzicht subventioniert, damit muss nun Schluss sein.“

    Benjamin Roscher, ver.di-Verhandlungsführer

    Quer durch alle Berufsgruppen, vom Pförtner über die Gärtner, Tierpfleger und Obertierpfleger bis zu den Bereichsleitern haben alle Berliner Zoo- und Tierparkbeschäftigten am Ende des Monats wesentlich weniger Geld im Portemonnaie. Die Einkommen im Kassen- und Servicebereich sind so niedrig, dass sie nur geringfügig über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. „Jahrelang haben die Beschäftigten die Einrichtungen durch Lohnverzicht subventioniert, damit muss nun Schluss sein. Es kann nicht sein, dass im Berliner Zoo und Tierpark bundesweit die schlechtesten Gehälter gezahlt werden“, sagt Benjamin Roscher.

    Die Eintrittspreise im Berliner Zoo sind hoch, die Löhne der Beschäftigten bundesweit die niedrigsten Foto: Renate Koßmann Die Eintrittspreise im Berliner Zoo sind hoch, die Löhne der Beschäftigten bundesweit die niedrigsten

    Bonus für Mitglieder

    Im Jahr 2013 streikten die Beschäftigten erstmals in der Geschichte des Berliner Zoos für mehr Geld. Zwei Stunden legten sie damals die Arbeit nieder, danach gab es eine Gehaltserhöhung. Seitdem sind aber die Mieten in der Hauptstadt explodiert. „Die Lebenshaltungskosten sind insgesamt gestiegen, das ist ein Problem bei unseren Einkommen“, sagte Mario Cohn aus der Tarifkommission. In den vergangenen Monaten sind zahlreiche Beschäftigte vom Berliner Zoo und vom Tierpark in ver.di eingetreten. Die Gewerkschaft fordert für ihre Mitglieder eine Vorteilsleistung von 300 Euro jährlich.

    Text: Silke Leuckfeld