Geld & Tarif

    Von selbst steigen die Löhne nicht

    Von selbst steigen die Löhne nicht

    CFM-Beschäftigte demonstrieren Foto: DPA Bildfunk Tarifvertrag CFM jetzt

    In der dritten Streikwoche hatte die Geschäftsführung der ausgegründeten Charité-Tochter CFM verkündet, einen Tarifvertrag werde es mit ihr nicht geben. Das hat eine neue Qualität. Mit dem Anerkennen eines Tarifvertrags herrscht nämlich auch Einigkeit darüber, dass der Arbeitnehmer mit einem Einzelarbeitsvertrag der Schwächere am Markt ist. Insofern bekennt sich die Geschäftsführung der halb landeseigenen Charité-Tochter im Jahre 2011 fröhlich zu ihrer Position des Mächtigeren, als gäbe es kein Gestern. Da bewies man schon vor 140 Jahren mehr Sinn für sozialen Frieden, als die Buchdrucker 1871 den ersten Tarifvertrag erstritten.
    Die CFM-Beschäftigten und ver.di mobilisieren deshalb für eine branchenübergreifende Unterstützung des Arbeitskampfes, der mit harten Bandagen geführt wird. Bisher werden sie unterstützt von den Beschäftigten der Alpenland-Pflegeheime und den Kolleg/innen der Berliner Verkehrsbetriebe sowie der Berliner Stadtreinigung.
    Um die große Demonstration am 15. Oktober „zu pushen“, hat ver.di Berlin-Brandenburg eine gezielte Mailing-Aktion an die Mitglieder gestartet. Darin wird dazu aufgefordert, eine Soli-Mail zu schreiben, gerichtet an die Geschäftsführung der Charité Facility Management GmbH, Toralf.Giebe@charite.de, mit copy an Ingrid Maßwig, i.masswig@cfm-charite.de, um darin den Unmut über Dumpinglöhne, fehlenden Tarifvertrag, Personalmangel, Zeitdruck und schlechte Arbeitsbedingungen auszudrücken. Schon nach knapp anderthalb Tagen hatten 200 ver.dianer ihre Mails abgeschickt. Der Aktion darf und sollte man sich weiterhin anschließen.

    Aufruf Soli-Demo für CFM-Beschäftigte ver.di Aufruf Soli-Demo Charité

    Was an der Charité passiert

    Mit voller Wucht bekämpft die CFM-Geschäftsführung seit Wochen die Beschäftigten ihrer „Service GmbH“. In die ausgegründete Gesellschaft hatte man 2006 das nichtmedizinische Fachpersonal geschoben, um die Kolleg/innen auf dem Niveau von Handwerkern bezahlen zu können. Nun werden die Vorarbeiter im Reinigungsbereich
    mit Rauswurf bedroht, sollten sie mitstreiken. Streikleiter und Streikende werden auf Schritt und Tritt von Mitarbeitern der Flash Security verfolgt. Die Kollegen dieses externen Wachschutzunternehmens stehen normalerweise als Türsteher vor Berliner Diskotheken. Streikleiterin Sylvi Krisch sagt: „Die haben den Auftrag, uns an den
    Hacken zu kleben.“ Das treibt absurde Blüten, denn auch diese Kollegen kommen noch nicht mal auf einen Mindestlohn von 7,50 Euro die Stunde. Einige von ihnen sind bereits stutzig geworden und möchten bei ver.di eintreten.
    Nach fünf Jahren ohne Lohnerhöhung fordern die CFM-Beschäftigten einen Tarifvertrag für alle und 168 Euro mehr im Monat für Vollzeitkräfte. Stattdessen hat sich die Geschäftsführung einzelne Berufsbereiche herausgepickt, um dort sogenannte Verbesserungen anzubieten. So soll es im Bereich Logistik lediglich zwei Tage mehr Urlaub geben. Dem Krankentransport wurde ein Mindeststundenlohn von acht Euro angeboten. Faktisch verdient ein Großteil der dort Beschäftigten jedoch zurzeit 8,11 Euro. Dem Sicherheitsdienst wurden statt der jetzt gezahlten 6,53 Euro pro Stunde 7,50 Euro angeboten – bei gleichzeitiger Abschmelzung diverser Zuschläge. Am Ende bekämen die Beschäftigten so nicht mehr als jetzt.

    Text: Jenny Mansch

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