Geld & Tarif

    Kinokette bezahlt nur Streikbrecher besser

    Cinemaxx: Wie im schlechten Film

    Gemessen an der Dichte von Kinos ist Berlin auch Kinohauptstadt. In knapp hundert Filmtheatern sorgen etwa 1.500 Beschäftigte für Sauberkeit, Einlasskontrolle und den gastronomischen Verkauf, die wichtigste Einnahmequelle der Branche. Gehen weniger Popkorn, Nachos, Bier und Cola über den Tresen, trifft das die Unternehmen besonders. In den klassischen Multiplexkinos fällt von 8.30 Uhr bis 3 Uhr am kommenden Morgen Arbeit für Servicekräfte an. Doch in den Kinos hierzulande hört die gute Unterhaltung bei den Löhnen der Beschäftigten auf. Für die meisten von ihnen liegen sie nur knapp über dem Niveau des gesetzlichen Mindestlohns. Mickrige 9,19 Euro beträgt der Einstiegsstundenlohn für Servicekräfte bei der Multiplex-Kinokette Cinemaxx. Ähnlich sieht es bei Cinestar aus. Spielt das Bundeskartellamt mit, gehört das Unternehmen demnächst zum Unternehmen Cinemaxx, das wiederum der Kinokette Vue mit Sitz in London gehört. Die viel beschworene Kinokrise ist trotz Netflix & Co. Fiktion. Die Branche macht nach wie vor Milliardengeschäfte.

    Damit sich die Arbeit auch für die bundesweit etwa 3.000 Servicekräfte bei Cinemaxx und Cinestar lohnt, führt ver.di seit Monaten Tarifverhandlungen. Ziel ist es, existenzsichernde Löhne durchzusetzen. Der Weg dorthin ist weit. Ende März endete in Hamburg auch die fünfte Verhandlungsrunde mit Cinemaxx ohne Einigung. Ein Kompromissangebot der ver.di-Verhandlungskommission, die Einstiegslöhne in diesem Jahr auf 9,50 Euro und im kommenden auf 10 Euro anzuheben, schlugen die Vertreter der Kinokette aus. Für die Servicekräfte wollen sie keinen Cent mehr springen lassen, für Servicemanager boten sie 9,35 Euro an. Zudem droht Cinemaxx damit, im Falle einer Lohnerhöhung die entsprechenden Kosten durch den Abbau von Personal wieder reinzuholen. Auch das letzte Treffen mit den Vertretern von Cinestar in Hamburg verlief ergebnislos. Nun soll am 29. April geklärt werden, ob Verhandlungen Sinn machen.
     

    Protestaktion von Beschäftigten zum Streik im CineStar am Treptower Park in Berlin am 20. März 2019 für eine bessere Bezahlung von Kino-Angestellten Christian Mang Die Streiks für eine bessere Bezahlung von Kino-Angestellten werden fortgesetzt. Protestaktion von Beschäftigten vor dem CineStar am Treptower Park in Berlin (20.3.2019)

    ver.di-Verhandlungsführer Holm-Andreas Sieradzki spricht von „herben Enttäuschungen“. Doch man werde „weiter alles versuchen, um zu Ergebnissen zu kommen.“ Als klares Signal an die Gegenseite habe man „den Streikdruck deutlich erhöht“. Am 24. April fanden in mehr als 20 Häusern beider Konzerne in ganz Deutschland erneut Warnstreiks statt, unter anderem in Frankfurt am Main, Hamburg, Bremen, Trier, Wuppertal und Halle. Jörg Reichel, ver.di-Fachgruppensekretär für den Kinobereich in Berlin-Brandenburg, hebt den hohen Organisationsgrad hervor. Seit Monaten wird in Berlin mit Unterstützung ver.dis für eine bessere Entlohnung gewarnstreikt und protestiert. Ende April beteiligten sich die Beschäftigten von fünf Kinocentern. Viele Kolleginnen und Kollegen seien jung, oft würden sie „die erste Erfahrung mit ver.di und mit Arbeitskämpfen machen“, so Reichel.

    Cinemaxx und Cinestar reagieren auf die Warnstreiks in Berlin und andernorts mit Aussperrung aller Streikenden. In Berlin beteiligen sich etwa vier von fünf Angestellten seit dem 9. März an Arbeitsniederlegungen, sagt Reichel. An ihrer Stelle heuern die Kinoketten Streikbrecher an. Diese kommen häufig aus der Sicherheitsbranche oder sind Selbständige in der Gastronomie. Mit rund 12,50 Euro erhalten sie einen deutlich höheren Stundenlohn als die Stammkräfte. „Die großen Kinokonzerne zeigen keinerlei Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten“, sagt der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. Die Kino-Beschäftigten verdienten „Anerkennung und Respekt“ und hätten „einen Anspruch auf existenzsichernde Löhne“. Vor allem angesichts steigender Mieten, Energie- und Fahrtkosten. Mit weiteren Streiks müssen Kino-Besucher*innen also rechnen.

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