Geld & Tarif

    600 Amazon-Beschäftigte wollen es wissen

    Erster Streik beim Online-Händler Amazon

    9. April 2013 | Im hessischen Bad Hersfeld haben 600 Amazon-Beschäftigte für höhere Löhne gestreikt. Zwar fand am Tag zuvor im größten Standort des amerikanischen Online-Händlers in Deutschland noch ein Tarifgespräch statt, doch das war noch keine Tarifverhandlung. Amazon bleibt stur und will nicht verhandeln. Deshalb hatte ver.di bereits im Vorfeld für Dienstag, den 9. April, zum „Outdoor-Meeting All Hands mal anders“ eingeladen, um die Beschäftigten zu mobilisieren und solidarisieren. Und das hat geklappt.

    „Schützt Euch vor dem Wetter mit dem ver.di-Überzieher und vor dem Klima am Arbeitsmarkt durch die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft.“

    Heiner Reimann, ver.di-Sekretär

    Schützt Euch vor dem Wetter mit dem ver.di-Überzieher und vor dem Klima am Arbeitsmarkt durch die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft“, rief ver.di-Sekretär Heiner Reimann den 600 Streikenden vor dem Haupttor zu. Diese Aktion sei nur ein Warnschuss, sagte Reimann. „Wir sind gekommen, um zu bleiben, wir geben nicht auf“, betonte er. Bis ein Tarifvertrag abgeschlossen ist. Denn in Bad Hersfeld werden nach wie vor die niedrigsten Löhne aller Amazon-Standorte in Deutschland gezahlt.

    Auch die Beschäftigten des Versandhändlers Amazon in Leipzig sind bereit, für mehr Lohn zu streiken. Dies ist das Ergebnis einer Urabstimmung, zu der ver.di aufgerufen hatte. Bereits vor Ostern hätte die Wahlbeteiligung an der Urabstimmung für einen Streik genügt. ver.di hatte die Abstimmung jedoch aufgrund der Feiertage verlängert. In den letzten Tagen gingen nochmals 150 Stimmbotschaften mit der Post ein. Insgesamt haben sich nun 92 Prozent der ver.di-Mitglieder an der Abstimmung beteiligt. 97 Prozent stimmten für Streik bei Amazon.

    Zu der Urabstimmung hatte ver.di aufgerufen, nachdem auch im dritten Sondierungsgespräch Ende Februar die Amazon-Geschäftsführung die Aufnahme von Tarifverhandlungen abgelehnt hatte. ver.di fordert für die Beschäftigten eine tarifliche Bezahlung analog zum Einzel- und Versandhandel in Sachsen.

    Das Ergebnis der Urabstimmung sei ein eindeutiges Votum für die Entschlossenheit der Beschäftigten bei Amazon, sagte ver.di-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago. Wenn die Geschäftsführung dieses Zeichen nicht verstehen will, dann laufe alles auf Streik bei Amazon in Leipzig hinaus. ver.di wird nun mit der konkreten Streikplanung beginnen. Nach der hohen Zustimmung bei der Urabstimmung, ist davon auszugehen, dass es auch eine große Beteiligung bei einem Streik geben wird.

    „Gute Arbeit muss auch fair bezahlt werden.“

    Jörg Lauenroth-Mago, ver.di-Verhandlungsführer

    In Leipzig arbeiten rund 1.200 Festangestellte, zusätzlich zirka 800 befristet eingestellte Beschäftigte. Verstärkt kommt es aktuell wieder zur Einstellung von Leiharbeitnehmern. Der Einstiegslohn beträgt 9,30 Euro, nach zwei Jahren werden 10,57 Euro gezahlt. Weihnachts- und Urlaubsgeld gibt es nicht. Nachtarbeitszuschläge gewährt Amazon erst ab Mitternacht. „Gute Arbeit muss auch fair bezahlt werden“, fordert Lauenroth-Mago. Zu den geforderten tariflichen Arbeitsbedingungen gebe es keine Alternative. ver.di fordert ein tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Nachtzuschläge ab 20 Uhr und eine Lohnuntergrenze von 10,66 Euro für alle. Nach einem Jahr sollen es dann 11,39 Euro werden. Die Beschäftigten sollen an den ständig steigenden Umsätzen und Gewinnen von Amazon beteiligt werden.

    Auch in anderen Logistikzentren brodelt es

    Das Amazon Logistiknetzwerk in Deutschland besteht aus insgesamt acht Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz sowie zwei Zentren in Bad Hersfeld. Rund 9.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter beschäftigt Amazon dort nach eigenen Angaben. In allen deutschen Amazon-Standorten gibt es noch keine Tarifbindung. Die will jetzt auch der frisch gewählte 21-köpfige Betriebsrat in Rheinberg für die 2.800 Beschäftigten an diesem Standort erstreiten. ver.di ist mit 15 Mitgliedern in dem Betriebsrat vertreten und fordert den Einzelhandelstarif und nicht den niedrigeren Tarif der Logistikbranche, an dem sich Amazon, wenn überhaupt, orientiert. In Pforzheim werden derzeit Betriebsratswahlen vorbereitet, die im Juni stattfinden sollen.

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