Geld & Tarif

    Ab Mai 8 Prozent mehr Geld, ab Oktober weitere 7 bis 14 Prozent

    CinemaxX: Gehälter der Kinobeschäftigten steigen in zwei Stufen

    +++ Update +++

    Berlin, 11.5.2022 – Nicht nur im Film gibt es ein Happy End: Nach fünf Verhandlungsrunden mit dem Kinokonzern CinemaxX hat die ver.di-Tarifkommission heute dem bereits im April erreichten Tarifergebnis für die 1.200 Beschäftigten der Kinokette zugestimmt. Danach werden die Löhne in zwei Schritten ab Mai um 8 Prozent und ab Oktober dieses Jahres gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit um weitere 7 bis 14 Prozent erhöht. Beschäftigte im Servicebereich haben zudem künftig die Möglichkeit, sich für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter*innen zu qualifizieren und so von einer neuen Zulagenregelung zu profitieren. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31.12.2023.

    „In den nächsten Jahren ist es unsere Aufgabe, den Abstand der Löhne in der Kinobranche zum gesetzlichen Mindestlohn wieder zu vergrößern. Kinos können nur dann guten Service für die Besucherinnen und Besucher bieten, wenn die Beschäftigten nicht um ihre Existenz bangen müssen.“

    Martha Richards, ver.di-Verhandlungsführerin

    „Angesichts der Rekordinflation wirken wir mit den zwei Erhöhungsschritten einem Reallohnverlust in diesem Jahr deutlich entgegen“, betont ver.di-Verhandlungsführerin Martha Richards. Besonders bei langjährig Beschäftigten im Service, deren Stundenlöhne auf 13,50 Euro steigen und bei Junior-Theaterleitungsassistentinnen und -assistenten, die 14,30 Euro bekommen, würden sich die Tariferhöhungen ab Oktober spürbar niederschlagen. 

    „Entgegen den Vorstellungen der Arbeitgeber konnte die Lohntabelle weitestgehend erhalten werden“, sagte Richards. „In den nächsten Jahren ist es unsere Aufgabe, den Abstand der Löhne in der Kinobranche zum gesetzlichen Mindestlohn wieder zu vergrößern. Kinos können nur dann guten Service für die Besucherinnen und Besucher bieten, wenn die Beschäftigten nicht um ihre Existenz bangen müssen“, so die Gewerkschafterin.

    Protest auf der Berlinale zahlt sich jetzt auch aus

    Berlin, 15.2.22 – Für Kristin Müller hat das große Kino schon lange seinen Glanz verloren. Nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie, in der auch in den Lichtspielhäusern die Vorhänge vor den Leinwänden geschlossen blieben. Kristin Müller arbeitet seit 25 Jahren im Kino, sorgt dafür, dass die Kinobesucher*innen einen rundum schönen Nachmittag oder Abend haben. Als Studentin hat sie einst angefangen als Kinobeschäftigte und ist geblieben. „Am Anfang wurden wir gut bezahlt, inzwischen steigen neue Beschäftigte mit dem Mindestlohn ein“, sagt sie. Und auch sie selbst fühle sich mit ihrem Lohn, der noch darüber liegt, überhaupt nicht mehr gewertschätzt.

    Sie machen aus Filmen erst richtig Kino – die Beschäftigten der Lichtspielhäuser Kay Herschelmann Sie machen aus Filmen erst richtig Kino – die Beschäftigten der Lichtspielhäuser


    Raus ins Rampenlicht

    Mit gut zwei Dutzend Kolleg*innen protestiert Kristin Müller deshalb – und weil die Tarifrunden für die Kinobeschäftigten begonnen haben – heute am Potsdamer Platz in Berlin vor dem CinemaxX. Glitzernde Schilder mit bunten Leuchten haben sie gebastelt. „Glanz & Glamour, Stars im Licht. Die Kinobeschäftigten sieht man nicht“, ist auf einem der Schilder zu lesen. Doch heute treten sie ins Licht der mit roten Leuchtröhren und goldenen Lichterketten erleuchteten Zufahrt zum Berlinale-Palast. Und fordern mehr Geld, mehr Wertschätzung.

    Nur wenige Meter entfernt beginnen die Absperrungen für Deutschlands größtes, internationales Filmfestival. Der deutsche Schauspieler Lars Eidinger und die britische Schauspielerin Freya Mavor werden von wartenden Fans hinter den Absperrgittern um Autogramme und Fotos gebeten. Für das Flugblatt, dass die protestierenden Kinobeschäftigten verteilen, interessieren sich nur ein paar Festival-Besucher*innen. „Wenn der Stundenlohn nicht ausreicht, ein Berlinale-Ticket zu kaufen, läuft etwas schief – finden wir, die Kinobeschäftigten“, ist auf dem Flugblatt zu lesen. Kristin Müller sagt, dass sie wegen der Pandemie eine Tarifrunde ausgesetzt, also eine Nullrunde eingelegt hätten, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Doch jetzt, wo die Kinos wieder richtig Geschäft machten, müssten auch die Löhne erhöht werden.

    „Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem ich zwei Jobs haben muss, um mein Leben bestreiten zu können.“

    Kristin Müller, Kinobeschäftigte

    Dass der Mindestlohn in diesem Jahr auf 12 Euro steigen werde, sei zwar gut. „Aber wir leben in Zeiten, in denen man sich davon ja kaum noch etwas leisten kann“, sagt sie. In einer Stadt wie Berlin sei es schwierig, sich vom Mindestlohn zu finanzieren. „Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem ich zwei Jobs haben muss, um mein Leben bestreiten zu können.“ Keine Perspektive für das Alter zu haben außer die Aussicht darauf, dann arm zu sein, mache ihr Angst.

    Faire Löhne für Teilhabe

    Martha Richards, die zuständige ver.di-Tarifsekretärin, die zusammen mit Kristin Müller und den anderen an diesem Berlinale-Abend protestiert, sagt: „Faire Löhne in den Lichtspielhäusern dürfen sich nicht am Mindestlohn orientieren. Mit Stundenlöhnen von 9,82 bis 10,50 Euro bereichern sich Kinokonzerne wie CinemaxX, CineStar, UCI und andere auf Kosten der Beschäftigten. Die haben aber ein Anrecht, von ihrem Fulltime-Job auch leben zu können.“ ver.di fordert in den laufenden Tarifrunden, die in der vergangenen Woche begonnen haben, 12,50 Euro Einstiegslohn pro Stunde.

    Die ver.di-Sekretärin sieht auch noch ein weiteres Problem. Die Personaldecke in einigen großen Kinokonzernen habe sich seit der Pandemie nahezu halbiert, weil Befristungen ausgelaufen sind, Verträge von Studierenden nicht verlängert wurden und betriebsbedingt gekündigt wurde. Das habe mittlerweile bei den verbliebenen Beschäftigten zu einer erhöhten Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung geführt. Nur wolle kaum jemand mehr für die niedrigen Löhne, die derzeit gezahlt werden, einsteigen. Kristin Müller sagt, nicht wenige seien in den Handel gewechselt, räumten dort Regale ein. „Die Arbeitszeit ist geregelt, man muss nicht am Sonntag dort stehen und die Bezahlung ist auch besser.“

    Einstieglöhne auf Mindestlohnniveau, Tariflöhne, mit denen aktuell Altersarmut droht, seien ärgerlich, sagt Martha Richards. „Kinobeschäftigte möchten wie jetzt hier auf der Berlinale auch eine kulturelle Teilhabe haben.“ Dafür brauchen sie mehr Geld, gute Tariflöhne. Die fordern sie jetzt.

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