Reden, Positionspapiere

    Digitalisierung zum Wohle aller gestalten

    Digitalisierung zum Wohle aller gestalten

    Portrait Annette Mühlberg Prusseit Annette Mühlberg

    Die Herausforderungen der Digitalisierung gestalten – das ist für Annette Mühlberg, Leiterin der ver.di-Projektgruppe Digitalisierung, die aktuelle Aufgabe der Politik, der Forschung, des Verbraucherschutzes, der Verwaltung und der Gewerkschaften. Und zwar zum Wohle aller gestalten, nicht nur für die, die mit der Digitalisierung Geld verdienen, betont Mühlberg, die beim ver.di-Bundesvorstand auch für „Digitale Arbeit, Netzpolitik und E-Government“ zuständig ist.

    Doch während die Entwicklung immer weiter, sogar immer schneller voranschreitet, die Wissenschaft auf Folgen der Digitalisierung hinweist und Verbaucherschützer immer vehementer warnen greift die Politik nicht ein. „Die Politik hat die Gestaltung des digitalen Umbruchs bisher maßgeblich den Unternehmen überlassen“, stellt Mühlberg fest. Sie ist sicher: Das darf nicht länger so sein. ver.di hat sich deshalb zur Aufgabe gemacht, nach so genannten Win-Win-Situationen zu suchen, wie auch im digitalen Zeitalter Gute Dienstleistungen und Gute Arbeit in Einklang gebracht werden können.

    Die ver.di-Digitalisierungskonferenz (10. bis 11. Juni) in Berlin mit dem Titel „Arbeit 4.0 – Würde, Selbstbestimmung, Solidarität und Gute Arbeit in der digitalen Gesellschaft“ ging deshalb der Frage nach, welche Rahmenbedingungen eine innovative, vernetzte Arbeitswelt und Gesellschaft benötigt, die einem guten Leben und guter Arbeit förderlich sind.

    Mühlberg: „Es geht um Kernbestandteile demokratischer Errungenschaften.“ Diese Errungenschaften sind der deutschen Gesellschaft so wichtig, dass einige von ihnen von der Verfassung geschützt werden und flankiert und gestärkt durch eine Reihe von Gesetzen und Regelungen sowie durch die sozialpartnerschaftliche Praxis. Deshalb sollten diese Errungenschaften nach Mühlbergs Worten auch immer Leitbild bei der Entwicklung neuer Technologien, neuer Geschäftsmodelle und Arbeitsabläufe sein. Doch hier hakt es. Gerade weil die Politik die Rahmenbedingungen nicht aktiv gestaltet, „stehen wir vor einer Reihe von Baustellen“, so Mühlberg.

    Um welche Aspekte geht es genau? Der ver.di-Kongress geht der Frage nach, wie verhindert werden kann, dass Beschäftigte nur noch Anhängsel der Maschinen werden. Dass Beschäftigte wie Roboter behandelt und von Maschinen gesteuert und überwacht werden. Oder dass Beschäftigte nur noch deshalb Arbeit haben, weil sie derzeit noch billiger sind als Roboter.

    Es geht zudem um Würde und Mitbestimmung, die Gestaltbarkeit der Arbeitsbedingungen, um Selbstbestimmung, Persönlichkeitsrechte und Beschäftigtendatenschutz. Und es geht um die Frage, wo sind die Grenzen von zum Beispiel Assistenzsystemen wie im Gesundheitswesen, welche Vor-und  welche Nachteile haben neue Arbeitsformen wie Crowdsourcing. Und: „Wie können wir uns am besten rüsten für die Zukunft, für die neuen Formen von Beschäftigung?“, fasst Mühlberg die Fragestellung des Kongresses zusammen.